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Beatmungsstrategie bei CARDS (COVID-19 ARDS)

Seit Beginn der Pandemie ist es ein strittiges Thema, ab wann intubiert wird, da mit der mechanischen Beatmung auch das Risiko enorm steigt, an COVID-19 zu sterben.

Mit den aktuellen Behandlungsempfehlungen sollte – solange es keine Triagesituation gibt – die Häufigkeit der Beatmung unabhängig von der Zahl der Neuinfektionen sein. Dem ist aber leider nicht so, wenn wir die tageweise Korrelation von DIVI und RKI Meldungen über die letzten 5 Monate ansehen. Zu Beginn der zweiten Welle, gab es noch keinen Überhang von bereits länger liegenden Patienten, es lagen also pro Neuerkrankten weniger Patienten auf der Intensivstation – die jeweils untere Punktreihe etwa bis zur Mitte der Grafik unten.

Mittlerweile sind die Patienten aber jünger, gesünder und liegen länger, daher die jeweils obere Punktreihe. Was dazu auffällt, dass immer weniger Patienten auf der Intensivstation beatmet werden gemessen an Zahl der Intensivpatienten in Deutschland. Wie die Epidemiologie zu interpretieren ist, kann nur anhand klinischer Daten entschieden werden.

Ich vermute aber, es liegt nicht an den Patienten, da im Augenblick im Bereich von 20.000 – 25.000 relativ stabile Infektionsraten in einer relativ stabilen Ausgangspopulation auf relativ stabile Intensivversorgung trifft. Ich vermute es liegt daran, dass bei nahezu vollen Intensivstationen und nur begrenzt verfügbarem Personal die Entscheidung  zur Beatmung später fällt und wovon Patienten profitieren.

Never argue with a fool. Onlookers may not be able to tell the difference.

Never argue with a fool. Onlookers may not be able to tell the difference

(Mark Twain)

Don’t visit stupid people or spend a lot of time talking with them. Avoid them; then they can’t contaminate you, and you can live in peace without being troubled or worn down by their foolishness.

Jesus Sirach 2213

Schöner noch in der Einheitsübersetzung

Mit einem Unvernünftigen mach nicht viele Worte / und geh nicht mit einem Schwein! Hüte dich vor ihm, damit du dich nicht zu ärgern brauchst / und nicht besudelt wirst, wenn es sich schüttelt. Geh ihm aus dem Weg und du wirst Ruhe finden / und keinen Verdruss haben mit seinem Unverstand.

Und dann noch Thomas Vasek mit der ultimativen. Beschreibung

Der radikal Dumme nimmt Fakten nicht zur Kenntnis, er unterliegt seinen Vorurteilen und Ressentiments. Er macht sich die Welt einfach so, wie es ihm gefällt. Der radikal Dumme zeichnet sich nicht bloß dadurch aus, dass er nichts weiß. Vielmehr glaubt er auch noch, dass er schlauer ist als die anderen. Das macht radikale Dummheit so gefährlich.
Ein einzelner radikaler Dummkopf kann eine Nervensäge sein. Radikal dumme Massen sind eine Bedrohung. Der Schriftsteller Robert Musil hat in einem Vortrag im Jahr 1937 von einem »Superioritätsgefühl« gesprochen, das die Dummheit dort verleihe, wo der Mensch „im Schutz der Partei, Nation, Sekte oder Kunstrichtung auftritt und »Wir« statt »Ich« sagen darf.“

Böse Zungen und der Ethikrat

Böse Zungen lästern schon lange über den Ethikrat, er würde nur als PR Büro für den/die jeweilige Vorsitzende dienen.

Der Staatsrechtler Möllers kommentierte die Stellungnahmen des Ethikrates vor kurzem in einem Dlf Interview

Er muss irgendwas sagen, was alle sowieso schon wissen, was sich auch nicht in den rechtlichen Argumenten auflöst und was irgendwie einen Gehalt hat, der aber auch nicht zu umstritten sein darf, weil sonst begibt sich der Ethikrat gleich wieder in einen politischen Konflikt. Da bleiben oft doch nur ein bisschen einerseits Gemeinplätze übrig und andererseits auch mal Aufforderungen zur Solidarität, von denen ich meine, dass sie politisch wahrscheinlich richtig ist – es ist richtig zu sagen, wir müssen noch ein bisschen durchhalten und es geht nicht so schnell – aber die vielleicht dann auch keine richtig ethischen Argumente sind, sondern eher politische Argumente, die den Laden ein bisschen zusammenhalten in einem Moment, in dem sich alles etwas aufzulösen droht… Auch dazu kleben die Ausführungen doch sehr am positiven Recht und verhalten sich gar nicht dazu, dass man das ja auch gestalten kann.

Ähnlicher Tenor auch die NZZ. Schön wäre es gewesen, der Ethikrat hätte nicht nur Allgemeinplätze verlauten lassen. Leider war das alles dann doch konkret (und schlicht falsch aus epidemiologischer Sicht).

 

So die Vorsitzende mit  “Lockdown ist nicht verhältnismässig” kurz vor der zweiten Welle.

 

 

Impfpriorisierung – erst Empfehlung, dann Bauchschmerz, dann Auslaufmodell.

 

 

Von der Ablehnung einer Sonderregelungen für Geimpfte hin zur Begrüßung.

 

 

Den Vogel aber abgeschossen aber hat der stellvertretende Vorsitzende der sagt “Inzidenzen sind uns egal” (35′).

Corona Mortalität IV: Was hat sich an der S3 Leitlinie geändert?

Leider ist fast nichts von meiner früheren Kritik an der S2 Leitlinie in die Änderung eingegangen.

Textunterschiede sind auf https://draftable.com/compare/hYlCJnJHcxXm und Literaturunterschiede auf https://draftable.com/compare/PridZkDctdoA zu sehen. Zitat aus der revidierten Leitlinie

Daten aus Vorteilen bzw Risiken einer invasiven Beatmung versus einer möglichst ausgedehnten NIV- Therapie bei COVID-19 Patienten fehlen bisher. Bisher publizierte kleinere Kohortenstudien wiesen in Bezug auf die berichteten Endpunkte ein hohes Risiko für Bias auf. Außerdem muss die Evidenz als indirekt bewertet werden, weil keine RCTs mit definierter Interventions- und Kontrollgruppe eingeschlossen werden konnten, sondern bei klinischer Verschlechterung von einem hohen Cross-over vom NIV- in den IMV-Arm ausgegangen werden muss. Aus der systematischen Recherche wurden für diese Leitlinie retrospektive Studien aus dem Review von Schünemann et al., sowie den nachfolgenden Updates einbezogen, deren Aussagesicherheit zum Vergleich NIV – Invasive Beatmung sehr schwach ist (74, 75). Zusätzlich haben die Autoren neuere und größere Fallserien berücksichtigt (76-85) die allerdings die Aussagesicherheit der Evidenz nicht ändern, jedoch die Vergrößerung des Erfahrungswissens deutlich machen.

Der Hauptautor der Leitlinie verschweigt seine eigenen, eigentlich katastrophal schlechten Ergebnisse (https://www.australiancriticalcare.com/article/S1036-7314(20)30334-9/fulltext) und unterschlägt zudem kritische Meinungen, etwa von Tobin im ERJ (dort auch noch weitere Studien, die alle keinen Eingang in die Leitlinie gefunden haben).

Es sterben doppelt so viele Patienten an COVID-19 in Hamburg als in München. Wir wissen auch warum (“Erfahrungswissen”) “Absence of evidence is not evidence of absence“. Ist denn dieser Satz so schwierig zu verstehen?

Kaum zu glauben: Die Autoren der Leitlinie haben im letzten Jahr trotz Millionenförderung sowohl eine DIVI Registerstudie als auch ein neues RCT zur NIV abgelehnt und beklagen jetzt ernsthaft, dass es kein RCT gibt.

EbM hat mittlerweile religiös-sektiererische Züge angenommen, ganz offen an dem ebm Netzwerk zu sehen.  Leider hat nun auch die AWMF ein grösseres Problem.

Die Abteilung für Marketing der Universität Hamburg

Wer hätte das gedacht …  eine Exzellenzuniversität verteilt die Zeitungsrecherche eines Physikprofessor zur Virusphylogenie auf “Briefvorlage -pm-8-21.pdf” an alle Redaktionen in Deutschland…

Screenshot UHH PM 19.2.2021 https://www.uni-hamburg.de/newsroom/presse/2021/pm8/pm-8-21.pdf

Das ist genauso “wissenschaftlich” wie die Talkshowauftritte von Frau Dr. Priesemann. Physiker:innen scheinen einen Drang zur metaphysischen Welterklärung zu haben, der den von Philosophen und Theologen übersteigt. Soll heissen, dass Herr Dr. Wiesendanger natürlich eine private  Meinung zu einem Thema haben kann  und sie auch jederzeit auf Social Media verbreiten kann. Genauso wie auch meine Kommentare hier auf dem Blog, meine (aktuelle) private Meinung wiedergeben, ein Sammelsurium von Gedanken, Materialien und Code sind, von dem einiges in  spätere Studien eingeflossen ist, aber keinen weiteren Anspruch erhebt.

Wenn ich aber hingegen eine Studie veröffentliche, unter Dienstanschrift, über Monate geschrieben, peer-reviewed, mit belegbare Daten und nachvollziehbarer Methodik, bei möglichen Fehlern auch offiziell korrigier- und zurückziehbar, dann ist das ein Beitrag zur Wissenschaft. Quasi Wissenschaft “ex cathedra” und nicht “locker room talk”. Nicht irrtumslos aber mit Anspruch auf Fehlerfreiheit (in München sind wir auch 150 Jahre nach Ignaz Döllinger immer noch der Meinung, dass selbst der Papst nicht irrtumslos sprechen kann).

Der Text der Hamburger PR Abteilung zeigt, wie man mit erfolgreicher PR den Zuschlag zur Exzellenzuniversität bekommen aber auch gleichzeitig akademische Ideale verraten kann, wenn man nicht mehr eine journalistische Recherche von einer wissenschaftlichen Studie unterscheiden kann.

Sie basiert auf einem interdisziplinären wissenschaftlichen Ansatz sowie auf einer umfangreichen Recherche unter Nutzung verschiedenster Informationsquellen. Hierzu gehören unter anderem wissenschaftliche Literatur, Artikel in Print- und Online-Medien sowie persönliche Kommunikation mit internationalen Kolleginnen und Kollegen. Sie liefert keine hochwissenschaftlichen Beweise, wohl aber zahlreiche und schwerwiegende Indizien.

Die inhaltliche Diskussion als Ziel? Wer soll denn alles in der Diskussion über Sequenzhomologien, Virusevolution, etc noch mitreden? Der Text von Wiesendanger ist nicht mehr als eine differenzierte  Situationsbeschreibung. Die Situation sollte durchaus zu weiteren Studien führen, wir brauchen mehr Sequenzdaten und Ausbreitungswege um evolutionäre Prozesse etwa über  Aligment Algorithmen, Rekombination und präferentielle Mutationen zu erklären. Aber das  war – trotz einiger Anstrengung – nicht möglich so dass wir nicht von einem Laborunfall ausgehen. Juristen würden hier von der Beweislast reden-  necessitas probandi incumbit ei qui agit (“die Beweispflicht liegt beim Ankläger”). Und Beweise sehe ich keine (wo ich Wiesendanger aber recht geben würde: die Editor’s Note in Nature 5 Jahre nach Veröffentlichung ist dubios).

(alle Twitterthreads sind archiviert auf https://archive.vn/Qa0G2 und https://archive.vn/nraEu für spätere Auswertungen zur Science PR)

Jonas Schaible hat recht, ich weiß auch nicht, woher das Virus kommt (nehme aber auch zur Kenntnis, dass die WHO nicht von einem Laborunfall ausgeht). Das Wiesendanger Papier ist keine Studie nach wissenschaftlichen Standard die von der Presseabteilung einer Universität verbreitet werden sollte.

Paradoxical knowledge

“Paradoxical knowledge” is a term in psychology research that describes pretended knowledge although it is rather clear that a person doesn’t have it – because the usual qualification is missing , a former qualification is outdated and it largely contradicts accepted knowledge. PK or KP seems a good term to describe the Corona denier phenomenon as seen in Homburg, Bhakdi and Lütge.

To avoid uncertainty, people may take a shortcut to knowledge. They recognize something as unknowable, but claim to know it nonetheless.

The quote above is from the  2019 paper of Gollwitzer and Oettinger which itself is based on earlier work 2017 by Burlando

The KP provides a unifying context for the sorites and the liar paradoxes. Any concept is viewed as a sorites, i.e. it is impossible to set a boundary between what is, and what is not, the entity to which the concept refers. Hence, any statement about reality can be reduced to a liar, wherefrom the KP follows in its most general form: -If I know, then I do not know-. The KP is self-referential but not contradictory, as it can be referred to two levels of knowledge: -if I know (epistemic), then I do not know (ontic)-, where the ontic level is made unachievable by concept vagueness. Such an interpretation of scientific knowledge provides an understanding of its dynamics.

The dynamics are clear: liars get aggressive whenever you catch the lies while developing even a tendency to fanatism. Epistemic paradoxes –  they are forever young in particular in old men.

The general structure of Meno’s paradox is a dilemma: If you know the answer to the question you are asking, then nothing can be learned by asking. If you do not know the answer, then you cannot recognize a correct answer even if it is given to you. Therefore, one cannot learn anything by asking questions.

A museum of diverse intellectual pathologies

There is a super interesting 1992 paper of Jacobson/Feinstein oxygen as a cause of blindness in premature infants: “autopsy” of a decade of errors in clinical epidemiologic research While it is quite obvious to recognize such an epidemic at a late stage (as in the thalidomide scandal) it needs quite a lot of oversight at the early phase.

it took more than a decade-1942 to 1954-to end an iatrogenic epidemic in which high-dose oxygen therapy led to retrolental fibroplasia (RLF) in premature infants, blinding about 10,000 of them. The autopsy revealed a museum of diverse intellectual pathology. When first noted, RLF was regarded as neither a new disease nor a postnatal effect. In early investigations, the ophthalmologists did not establish explicit criteria for diagnosis and confused RLF with malformations previously seen in full-term infants. Because the patients were not referred until months after birth, the ophthalmologists assumed that the lesion, which resembled an embryologic structure, must have occurred prenatally.

Even with the current COVID-19 we can see “live on stage” blinded experts. Maybe the “early intubation epidemic” is another example with new data published in the ERJ.

Facebook Epidemiology

By Adrian Gerard Barnett in “Epidemiology

Some scientists hastily pivoted to epidemiologic modeling, including many with no qualifications or experience. This effort was likely from a desire to help, but it gummed up the scientific machinery with hundreds of new modeling papers needing expert peer review, while the real experts were busy on the models that mattered.
In the future, for such nationally important models, I would like to have two independent groups of official model- ers who would transparently report their results to the gov- ernment and the public. There are lots of uncertainties and scientific decisions that go into these models, and two expert groups coming to the same conclusion would greatly increase confidence for the decision makers…

I would like that also.

Der Tanz auf dem Vulkan

Virologie und Epidemiologie sind der Eindämmung der Pandemie verpflichtet (Viren und ihre Ausbreitung kann man wissenschaftlich untersuchen).

Politik in der Demokratie ist der Mehrheitsfindung verpflichtet (mit Viren selbst kann man ja nicht verhandeln).

Juristen bedienen sich der Hermeneutik bestehender Gesetzestexte (auch wenn da eher wenig zu Viren steht).

Der “dance” wurde damit in den westlichen Demokratien zum großen Tanz auf dem Vulkan. Auch wenn die Zahlen langsam sinken, der Abstieg ist nun genauso mühsam und gefährlich wie der Aufstieg.

Quelle: https://www.pngegg.com/de/png-ddgel/download und https://ourworldindata.org/coronavirus/country/germany?country=~DEU

Den für mich unerwarteten zweiten großen Absturz in der Corona Pandemie hat Heribert Prantl vor 2 Tagen im Hangar-7 hingelegt. Bei Artikel 2 GG hat Prantl offensichtlich nur den ersten Halbsatz von (1) gelesen:

(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.

(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

COVID-19 Mortalität V: Vergleich Schweiz/Österreich

Hier noch ein Vergleich der Case Fatality Rate in Deutschland mit Österreich und der Schweiz.

Beide Länder haben in der ersten Phase offensichtlich dazu gelernt, wie man besser (nicht) beatmet, Deutschland hat eher nichts dazugelernt.

 

Quellen: RKI (Deutschland) https://experience.arcgis.com/experience/478220a4c454480e823b17327b2bf1d4 AGES (Österreich) https://covid19-dashboard.ages.at/dashboard.html sowie Dashboard (Schweiz) https://www.covid19.admin.ch/de/overview Download am 24.1.2021. CFR im gleitenden Mittel aus Fällen 14 Tage vor und Todesfällen 14 Tage nach dem Indextag. Letzter berichteter Wert 15.12.2020
Zeitungsausriss 29.10.2021, überprüft am 24.1.2021, Quelle https://wien.orf.at/stories/3073495/

Eine politische Frage

Die #COVID19 Pandemie wird in der zweiten Welle immer mehr zu einer politischen Frage – vor allem für die Regierenden aber nun auch für die Wähler. CDU/CSU/FDP/Nichtwähler stabilisieren dabei die Inzidenz, Wähler mit ungültiger Stimme und AfD Wähler treiben sie nach oben, SPD und GRÜNE verringern sie.

 

 

Nochmal das selbe Panel, diesmal allerdings nur die westdeutschen Bundesländer; der AfD Effekt schwächt sich hier deutlich ab; die LINKE zusammen mit der SPD wirkt sich positiv aus.

 

 

Ganz anders in den ostdeutschen Bundesländer: Bezirke mit hohem FDP Wähleranteil haben auch hier mehr Infektionen ähnlich wie in Bezirken mit hohem AfD und Nichtwähler-Anteil. Selbst bei der CDU gibt es  einen Anstieg, nur Bezirke mit SPD, GRÜNE und LINKE Anteil haben tendenziell eine niedrigere COVID-19 Inzidenz.

 

 

Das Thema hat wohl Matthias Quent am 6.12. zuerst aufgegriffen (nachdem es in der ersten Welle kaum Anhaltspunkte für solche Effekte gab).

In den vergangenen Tagen gab es in den Medien und in der Politik Thesen darüber, dass Regionen besonders stark von #Corona belastet sind, in denen die #AfD besonders stark ist. Was ist da dran? Wir haben nachgerechnet.

darauf die TAZ am 12.12.

Besonders stark diskutiert wird derzeit eine Kurzauswertung von Forschern am Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) Jena. Deren Direktor Matthias Quent veröffentlichte auf Twitter eine Analyse, die nahelegt, dass es einen Zusammenhang zwischen hohen Coronazahlen und AfD-Anhängerschaft geben könnte.

die FAZ am 15.12.

Eine – auf den ersten Blick schlüssige – Vermutung lautet, dass die Zahl der Neuinfektionen in den Regionen besonders hoch ist, in denen viele AfD-Wähler leben. In Sachsen hatte die AfD bei der Landtagswahl im vergangenen Jahr mit 27,5 Prozent ihr bisher bestes Ergebnis eingefahren. Und die Partei hat sich, nachdem sie zu Beginn der Pandemie, als sich der Staat noch sehr zurückhaltend zeigte, besonders harte staatliche Eingriffe gefordert hatte, zu einer der schärfsten Gegner von Corona-Beschränkungen entwickelt, seit der Staat diese immer wieder anordnet. Bereits auf den ersten Demonstrationen der sogenannten Querdenker in Stuttgart waren Fahnen und Vertreter der AfD unübersehbar…

der SPIEGEL am 17.12.
Kaum eine Region in Deutschland ist so schlimm von der Pandemie betroffen wie der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Für Covid-Patienten gibt es keine freien Intensivbetten mehr. Ein Ortstermin in Pirna.
die ZEIT am 18.12.
Raj Kollmorgen:  …. Andererseits erstaunt es mich nicht, denn es gibt eine Reihe von Faktoren, welche die Epidemie in unserer Region begünstigen. Ein Faktor sind politische Mentalitäten. Teile der Bevölkerung sind grundsätzlich skeptisch gegenüber den Entscheidungen der Politik, nicht wenige sehen sich sogar im Widerstand und protestieren. Das hat sich in den vergangenen Monaten noch einmal verschärft.

Auf die Idee kann man schon kommen, wenn man die Nähe von AfD und „Querdenkern“ betrachtet. Aber kann es nicht auch sein, dass ein ganz sachlicher Grund dahintersteckt? Einer, der etwas mit den Wanderungsbewegungen der jungen Ostdeutschen zu tun hat? … Die Antwort auf die medial gestellte Frage wäre also eher nicht „die AfD ist schuld“, sondern: Die AfD ist genauso Symptom einer offenkundigen Fehlentwicklung wie die Überalterung und Destrukturierung …

Hier nun ein Regressionsmodell sowie einPCA Plot  (im t-SNE Stil) mit eindeutigem Ergebnis: SPD dominierten Landkreisen ging es am besten in der Pandemie, AfD Landkreisen am schlechtesten. Ob das nun wirklich mit besserem Krisenmanagement zusammenhängt oder nur mit der zufälligen regionalen Koinzidenz ist dabei noch eine offene Frage.
Und hier noch die Principal Component Analyse der 3 Cluster (Anklicken zum Vergrössern)

Die Kirchen tun sich schwer mit Weihnachten

Was für Schlagzeilen!

Innerhalb von nur 3 Tagen lese ich: “Bischöfe kämpfen für die Christmette” und heute “Kirche hält Triage für zulässig”. Weder der Logik noch der Konsequenz kann man dabei widersprechen. Die Kirchen tun sich schwer mit Weihnachten weiterlesen

COVID-19 Mortalität IV: Wie wir sie senken könnten

In einem vorigen Teil habe ich die Frage gestellt, warum die COVID-19 Mortalität so unterschiedlich ist in Deutschland. Es gibt eine Reihe von epidemiologischen Gründen.  Dazu zeigte ein Beispiel, dass die unterschiedliche Mortalität vermutlich an den Kliniken und nicht an der Infektionsepidemiologie liegt.

Im einem vierten Teil biete ich nun eine Erklärung für das Phänomen an.  Es ist nicht meine Erklärung, sondern die von Martin Tobin, einem der renommiertesten US Pneumologen und  Lehrbuchautor. Hinweise gab es bereits in der ersten Welle,  dass die Frühintubation fatal sein könnte. Tobin schreibt nun in einem Editorial der wichtigsten europäischen Pneumologie Zeitschrift

It has become part of medical dogma that information gained through an RCT represents the gold-standard for clinical practice. The RCT is a superb experimental design for testing the benefit of a pharmacological agent such as streptomycin. But many therapies differ in fundamental ways from pharmacological compounds. In the case of COVID-19, RCTs provide no guidance as to when to insert an endotracheal tube—the single most important decision in these patients. That decision is based on clinical judgment, gestalt and tacit knowledge—information that cannot be captured in an RCT.

Sowohl die WHO als auch die aktuelle AWMF Leitlinie ist also nicht auf dem Wissensstand (abgesehen davon dass die NIV Leitlinie 5 Jahre nicht mehr überarbeitet wurde).

What is the science on which the WHO Guidelines are founded? The strong warnings against use of noninvasive strategies is apparently based on experience with coronavirus-induced Middle East Respiratory Syndrome (MERS). MERS is repeated nine times in the WHO Guidelines of January 28, 2020, whereas pathophysiological principles get no coverage. Published experience with MERS is based on 12 ICU patients who received mechanical ventilation…

Empirisch zeigt sich jedenfalls, dass mit Rückgang der Intubation auch die Mortalität sinkt.

Emerging data from the Intensive Care National Audit & Research Centre (ICNAARC) reveal that 28-day mortality of COVID-19 patients admitted to the ICU decreased from 43.5% … for the time period 1 February-28 March to 34.4% … for time period 16 April-21 May, 2020. Over the same period, the rate of intubation (and mechanical ventilation) decreased from 75.9% to 44.1%. … Use of CPAP is a clinical art …

(es gibt sogar einen Case/Crossover Versuch zur Intubation, der klar gegen die Intubation spricht). Nach Meinung von Tobin müssten wir also primär auf NIV/CPAP setzen und die Intubation nur als ultima ratio ansehen (… bei 38 Atemzügen/min oder ein PaO2 von 73.6 mmHg bei FiO2 0.26…).  Ich ändere nun meine eigene Patientenverfügung auf #DNI (“do not intubate”) bis die Pandemie vorbei ist.

Der zweite Lockdown funktionierte überall ein bisschen. Nur nicht bei Schulkindern

Datenstand RKI 4.12.2020 Vergleich der 7 Tages Inzidenz in allen deutschen Land- und Stadtkreisen jeweils zu Beginn des “Lockdown Light” am 2.11. mit dem heutigen Tag. Loess Smoother nach Altersgruppe. Adjustierung jeweils auf gesamte Einwohnerzahl, nicht auf die jeweilige Altersgruppe, da diese Angaben nicht verfügbar waren. Wegen der geringen Belegung wurde die Kinder unter 5 Jahren weg gelassen. Der stärkste Effekt ist in der Altersgruppe 35-59 zu sehen (oberste Linie); der  Effekt ist mit geringeren Ausgangszahlen auch geringer. Praktisch kein Effekt ist in der Altersgruppe 5-14 Jahre zu sehen. Die Infektionsrate war hier hier niedrig, nimmt aber auch nicht ab.