“Tricksen, täuschen, therapieren – in Kliniken werden falsche Diagnosen gestellt, unnötige Eingriffe durchgeführt, Abrechnungen manipuliert. Hier berichten Ärzte und Fahnder, wie das möglich ist.
Dazu passt der Beitrag heute in BMJ Open: Einer von vier Ärzten, die Guidelines verfassen, hat Beziehungen zur pharmazeutischen Industrie, die er aber verschweigt. Wie man das herausbekommen hat? Im einfachen Vergleich mit frühere Artikeln des selben Autors.
A person’s privacy can be compromised if a third or fourth cousin takes a home DNA test … The growing popularity of consumer DNA testing has helped law enforcement make arrests in decades-old crimes that would otherwise have remained cold cases. That may not be entirely good news for the rest of us, because using the technology to trace DNA to suspected criminals requires police to use a whole lot of other people’s genetic data, too. Like cell phone data a decade ago, it’s hard to say how all this information might be employed in the future. Imagine drug companies using it to target ads, life insurers using vast networks of relatedness to determine risk, or a scorned ex-lover employing the technique in some very 21st century stalking.
Ist das so schwer zu verstehen? Analog zu den Evidenzklassen der klinischen Studien gilt auch in der Epidemiologie:
* Studien über Regionen können (ohne vollständige individuelle Risikoprofile) nur Vermutungen generieren
* Querschnittsstudien und Fallkontrollstudien liefern vorläufige Evidenz
* Interventionsstudien (zum Teil auch einige Kohortenstudien) sind beweisend
Mittlerweile wird es immer unsäglicher, was man täglich zum Beispiel in der SZ zu Gesicht bekommt: Journalisten die völligen Unsinn schreiben. Und Rentner, die es doch eigentlich wissen müssten
This seems to happen for whatever reasons – the server file list is not in sync with the local file list and cannot even be modified manually. This may be a particular problem when you are at 1&1 /ionos with a hosted package. Here is a solution
Jede Wissenschaft ist politisch, immer und überall. Schon die Auswahl des Untersuchungsgegenstandes ist politisch, die Begriffswahl, die Abgrenzung von anderen begriffen und Kategorien, die Abgrenzung von anderen “Fachdisziplinen”, die Nicht-Interdisziplinarität und auch die Interdisziplinarität, die Vermischung von Tatsachen und Wertungen, die Unentdecktheit der Wertungen in den vermeintlichen “Tatsachen” usw. und so fort, es kommt darauf an, das Politische in allen Wissenschaften bewusst zu machen, diskutierbar und entscheidbar […], transparent zu machen. In seinen Abhängigkeiten von der Finanzierung, den Drittmitteln, den Kapital- und Profitinteressen, den Staatsinteressen, dem geistigen Horizont der Bildungspolitik und der Bildungspolitiker, dem geistigen Horizont der Landtags- und Bundestags- und EU-Abgeordneten, dem geistigen Horizont der Wähler etc. pp. usw. Das vermeintlich “unpolitische” reiner Wissenschaft dient zu bestimmenden gesellschaftlichen Interessen, meistens eher nicht dem Allgemeinwohl, sondern Partikularinteressen.
Es wäre mal interessant, den Nachrichtenwert von wissenschaftlichen Ergebnissen zu überprüfen. Ich nehme mal die Wikipedia Liste als Vorlage, wie häufig nach meiner Einschätzung, es ein wissenschaftliches Ergebnis in die Medien schafft.
0 Frequenz: Je mehr der zeitliche Ablauf eines Ereignisses der Erscheinungsperiodik der Medien entspricht, desto wahrscheinlicher wird das Ereignis zur Nachricht.
+ Schwellenfaktor: die Auffälligkeit, die ein Ereignis überschreiten muss, damit es registriert wird.
0 Eindeutigkeit: Je eindeutiger und überschaubarer ein Ereignis ist, desto eher wird es zur Nachricht.
+ Bedeutsamkeit: Je größer die Tragweite eines Ereignisses, je mehr es persönliche Betroffenheit auslöst, desto eher wird es zur Nachricht.
0 Konsonanz: Je mehr ein Ereignis mit vorhandenen Vorstellungen und Erwartungen übereinstimmt, desto eher wird es zur Nachricht.
+ Überraschung: hat die größte Chance, zur Nachricht zu werden, allerdings nur dann, wenn es im Rahmen der Erwartungen überrascht.
0 Kontinuität: Ein Ereignis, das bereits als Nachricht definiert ist, hat eine hohe Chance, von den Medien auch weiterhin beachtet zu werden.
REGIONAL
0 Variation: Der Schwellenwert für die Beachtung eines Ereignisses ist niedriger, wenn es zur Ausbalancierung und Variation des gesamten Nachrichtenbildes beiträgt.
+ Bezug zu Elite-Nationen: Ereignisse, die Elite-Nationen betreffen, haben einen überproportional hohen Nachrichtenwert.
+ Bezug zu Elite-Personen: Ereignisse, die Elite-Personen betreffen, haben einen überproportional hohen Nachrichtenwert.
– Personalisierung: Je stärker ein Ereignis personalisiert ist, sich im Handeln oder Schicksal von Personen darstellt, desto eher wird es zur Nachricht.
+ Negativität: Je „negativer“ ein Ereignis, je mehr es auf Konflikt, Kontroverse, Aggression, Zerstörung oder Tod bezogen ist, desto stärker beachten es die Medien.
+ Initialzündung: Nur wenn ein Ergebnis früh wahrgenommen wird, ist es interessant
NO2 ist in hoher Konzentration ein Reizgas.
NO2 in niedriger Konzentration ist kein Reizgas.
Niedriges NO2 ist ein guter Marker für Abgase direkt an der Strasse.
Niedriges NO2 nicht an der Strasse gemessen ist kein guter Marker für Abgasbelastung.
Niedriges NO2 im Innenraum war bisher epidemiologisch uninteressant.
Das Wir-haben-tausend-NO2–Studien-Argument sagt eigentlich nur, dass es keine beweisende Studie gibt.
NO2 Grenzwerte sind politisch, nicht wissenschaftlich festgelegt.
NO2 Grenzwerte für “Kinder, Kranke, Alte, Behinderte und Frauen” sind eine populistische Erfindung.
Die Mortalität wird nicht durch NO2 Vergiftung erhöht.
Epidemiologen sagen bisher nur die halbe Wahrheit über NO2.
Die WHO ist nicht unfehlbar was NO2 angeht.
Die meisten Journalisten blicken bei NO2 nicht mehr durch.
Die Autoindustrie hat bei den NO2 Emissionen betrogen.
Am besten wäre es überhaupt keine Emissionen zu haben wo Menschen leben.
Mit alarmistischen Äusserungen zu NO2 bekommt man im postfaktischen Diskurs viel Aufmerksamkeit.
Das also glauben die Deutschen, Stand 10.2. 17:30. Zweifel an der Datenbasis habe ich wenig, aber massive Zweifel an der Auswertung und an der Interpretation der Studien.
Zweifel habe ich auch an Journalisten, die eindeutig für oder gegen Personen Stellung beziehen. In dem Fall Ulrich Schnabel, der in der ZEIT meint, dass die Fachleute unsichtbar sind. Das sind sie natürlich nur für jemanden, der selbst blind ist. Am besten liest man deshalb auch nur die Kommentare unter seinem Artikel
Leider haben es die Wissenschaft und die Medien nicht geschafft, eine differenzierte und nachvollziehbare Argumentation in die öffentliche Diskussion zu bringen.
Es wird z.B. fast nie zwischen NOx und Feinstaub unterschieden. Der Zielkonflikt zwischen einer Reduktion des CO2-Ausstosses und der Verringerung der NOx-Belastung wurde nicht thematisiert. Die Diskrepanz zwischen den Grenzwerten am Arbeitsplatz und an der Strasse wurde nicht nachvollziehbar erläutert. Ebenso wurde nie erklärt, warum die Messwerte so weit auseinanderklaffen. In München liegen zwischen der offiziellen Statistik und den Messungen der Stadt Unterschiede von ca. 50%. Ein weiterer Widerspruch entsteht, weil vergleichbare Länder völlig unterschiedliche Grenzwerte fordern. Diese Faktenlage ist unstimmig. Anstelle dies sachlich aufzuklären, überwiegen leider auch in Qualitätsmedien ad-hominem Argumente. Warum soll ein Lungenfacharzt nicht qualifiziert sein, eine Aussage zu Lungenerkrankungen zu machen? Die Vielschichtigkeit des Themas erfordert doch gerade, dass Epidemiologen, Mathematiker, Ärzte, und Ingenieure zusammen wirken müssen.
Ist nun die Mortalität in München und Stuttgart erhöht oder erniedrigt? Quelle: https://rp-online.de/leben/gesundheit/news/menschen-aus-stuttgart-und-muenchen-werden-am-aeltesten_aid-15609479
Es hat lange gedauert, aber nun geht es endlich mit einer sinnvollen Strategie weiter.
Die Kritik von mehr als 100 deutschen Lungenärzten an den geltenden Stickoxid- Grenzwerten im Kontext mit Dieselfahrverboten hat hierzulande heftige Diskussionen ausgelöst. Die Wissenschaft hat zunächst nur zögerlich Stellung bezogen, und geblieben ist bei vielen das ungute Gefühl, nicht zu wissen, was denn richtig ist. In solchen Fällen ist die Autorität der Nationalen Akademie der Wissenschaften (Leopoldina) gefragt. Ihr kommt die Rolle des Politikberaters zu. Vergangene Woche hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die Leopoldina um Stellungnahme in Sachen Dieselgrenzwerte (/wirtschaft/article184435460/Fahrverbote-Diesel-Grenzwerte- auf-wackliger-Grundlage.html) gebeten. Professor Jörg Hacker, Präsident der Nationalen Akademie in Halle und von 2008 bis 2010 Präsident des Robert-Koch-Instituts, erklärt im Interview, wie und bis wann die Leopoldina zu einem Ergebnis kommen wird.
Statt sich in uferlose NO2 Diskussionen zu verheddern, habe andere Forscher wie Junkermann wirklich innovative Projekte gemacht.
Es stellt es sich jedenfalls nun immer mehr heraus, wie groß doch die methodischen Schwächen der NO2 Szene im Outdoor-Bereich sind und welche Defizite es im Indoor Bereich gibt: Nach meiner Information gibt es nicht eine einzige NO2 Mortalitätsstudie, die Gas mit Elektroherd verglichen hätte.
Die ganze NO2 Diskussion ist so akademisch, wie Rollenprüfstand und tatsächliche Emission am Auspuffrohr. Ein Gegensatzpaar wie NO2 Immissionsmessung und Radfahren in der Stadt. Zum Glück gibt es allerdings immer wieder Wissenschaftlern, die ihre Zeit nicht primär in Talkshows verbringen.
Es sind sogar Studien ganz ohne NO2 Messung, erst diese Woche Cole 2018.
Methods: Participants (n = 38) bicycled for 1 h along a Downtown and a Residential designated bicycle route in a randomized crossover trial. Heart rate, power output, particulate matter air pollution (PM10, PM2.5, and PM1) and particle number concentration (PNC) were measured. Lung function, endothelial function (reactive hyperemia index, RHI), C-reactive protein, interleukin-6, and 8-hydroxy-2′-deoxyguanosine were assessed within one hour pre- and post-trial.
“Wenn Du irgendwo einatmest, denke immer daran wo die Luft vorher war”
Das ist zwar nur eine Kurzzeitstudie, aber man könnte bei Radkurieren jederzeit Langzeitstudien machen…
sagt Oliver Bäte, Allianz Angestellter, in der ZEIT Ende letzten Jahres
ZEIT: Es gibt noch viele andere Ungerechtigkeiten: Finden Sie es gerecht, dass sich ein normaler Angestellter bei der Allianz keine Wohnung in München leisten kann?
Bäte: Gerechtigkeit ist für mich ein marxistischer Begriff. Ich weiß nicht, was das ist.
ZEIT: Gerechtigkeit ist ein sehr christlicher Begriff! Und es war ein Thema der Aufklärung.
Bäte: Aber was einer als gerecht oder ungerecht empfindet, ist sehr subjektiv. Ich glaube, es gibt viele Menschen, die sagen: Der Bäte verdient viel zu viel Geld, das ist ungerecht.
Tagesanzeiger: Die Solidarität steckt in einer Krise. Absolut. Das sieht man schon nur daran, dass liberale Strömungen der Meinung sind, jeder solle seine Rente privat versichern. Das wäre eine Katastrophe für die solidarische Gesellschaft. Es würden institutionelle Anleger entstehen, die natürlich die entsprechenden Renditen erbringen müssten. Was wiederum Druck auf die Wirtschaft ausübte, das führte zum Rationalisierungsdruck, zu Produktionserhöhung. Wohin uns das in den letzten Jahrzehnten gebracht hat, sehen wir ja. Die Interessen des Shareholder zählen und nicht jene der Gemeinschaft. Der Drang zum Privaten führt dazu, dass öffentliche Räume zerstört werden, dass der öffentliche Diskurs zerstört wird.
Wie rächt sich das? Die Gier von Einzelpersonen in einem endlichen System bedeutet, dass es zu viele Verlierer gibt
…
Schauen Sie doch: Wir haben die Welt überversichert. Das Weltbruttosozialprodukt liegt bei 80 Billionen Dollar, dem gegenüber stehen Versicherungen in der Höhe von 800 oder 900 Billionen. Das ist wahnsinnig. Kaufe ich ein Auto für 2000 Euro und versichere es für 20’000, dann habe ich doch kein Interesse daran, dass es heil bleibt. So agiert die ganze Finanzindustrie. Und wir lassen alles zu, weil wir eine freie Wirtschaft haben.
Es ist ja schon verblüffend, welchen großen Effekt der Sozialstatus (gemessen am Haushaltseinkommen) auf die Lebenserwartung bzw. Mortalität hat – hier demonstriert an RKI Daten. Was auch immer die Gründe sind – es ist wohl die Kombination verhaltenskorrelierter Risikofaktoren, von billiger Nahrung, Alkohol, Rauchen, sportliche Inaktivität, Übergewicht, Stress durch Arbeitslosigkeit, Sozialhilfe oder Niedrigeinkommen – ein Teufelskreis.
Mortalitätsstudien, die den Sozialstatus aber nicht auf individueller Ebene berücksichtigen, sind nicht sonderlich beweiskräftig. Schaut man sich die Supplement Tabelle von Cesaroni 2013 an und plottet hier Sozialstatus, dann gibt es hier enorme Effekte für die nur gruppenweise adjustiert wird (da es eine ökologische Studie ist).
Auffällig an den Cesaroni 2013 Daten: Der sozioökonomische Status nimmt mehr oder weniger ab in Gegenden mit höheren Verkehrsströmen. Ist das ein Datenfehler?
Das Hautproblem der Umweltepidemiologie auf einen Punkt gebracht: die Evidenz der ganzen ökologischen Studien ist gering.
Die neuesten Meta-Analyse von NO2 und Mortalität ist zum Glück nicht ganz so oberflächlich. Was passiert, wenn man die Studien nach Qualität auftrennt – sprich ob sie individuell adjustieren oder nicht?
Das Ergebnis ist eindeutig: Mit individuelle Adjustierung löst sich der NO2 Effekt in Luft auf.
Dazu kommt: die Assoziation ist sehr heterogen zwischen den Studien, sprich sie ist nicht reproduzierbar.
Und das ist die neueste Datenbasis, neuer als REVIHHAAP.