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Wenn Kirchen vorübergehend schliessen müssen

Es passierte nur einmal vor 100 Jahren, dass die Kirchen vorübergehend wegen einer Pandemie schliessen mussten. Dabei geht es eigentlich nicht um Kirchenschliessungen, Gotteshäuser kann man offen lassen, es geht um Veranstaltungen und Gottesdienste, bei der Menschen die Infektion weitergeben können.

Schulen und Kitas in Bayern sind diese Woche geschlossen. Auch der Kirchenvorstand meiner evangelischen Gemeinde setzte letzte Woche alle Veranstaltungen aus, ebenso die katholische Kirche im Ort, nachdem das Erzbistum München Freising in der letzten Woche alle Gottesdienste zentral abgesagt hat.

Nur die evangelischen Dekanate bis hinauf zum Landesbischof und EKD Vorsitzendenden tun sich schwer mit dieser einfachen Entscheidung.

Der Regionalbischof schreibt mir zwar, sie würden die Sorgen der Menschen ernst nehmen, aber die Empfehlung, die dann anschliessend an die Gemeinden verschickt wird, widerspricht nicht nur jeder medizinischen Empfehlung sondern auch dem gesunden Menschenverstand: “Wir empfehlen, wie bisher Gottesdienste anzubieten und dabei auf größeren Sitzabstand zu achten; gegebenenfalls auch eine Beschränkung der Teilnehmendenzahl”.

Der Landesbischof verteilt dazu Durchhalteparolen auf Twitter und ekd.de “Gott hat uns nicht gegeben ein Geist der Furcht”.

 

 

Mein Einwand, auch in Korea wurde die Infektion primär über eine Kirche verbreitet, wird  von @EKD auf Twitter geblockt… Ich finde: Bedford-Strom hätte besser auf dem Tempelberg etwas weniger, dafür jetzt aber etwas mehr Furcht gezeigt..

In dem Zusammenhang auch noch Niebuhr zitieren  als Beleg für Gelassenheit, Mut und Weisheit, ist auch etwas skurill. Reinhold Niebuhr (1892-1971) war 1918 Pfarrer in Detroit / Michigan als die spanische Grippe wütete. Er schreibt in Faith and history, Scribners 1949 auf S.199 ff

This negative attitude toward the structures and institutions of social and political life is integral to a wide tendency in Christian thought … An individualistic and pietistic version of the Christian faith obscures the moral and social meaning of human existence and evades man’s responsibility for achieving a tolerable accord with his neighbors … If Lutheranism gives a classical expression of the error in Christian thought, derived from the fact that the individual transcends every social structure and community and is therefore tempted to regard its moral ambiguities as proof of the unredeemable character of man’s social existence, both Catholicism and Calvinism are safe against this error. They have a lively sense of the individual’s responsibility for the whole of his common life.

Diese negative Haltung gegenüber sozialen, politischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen scheint also in einer gewissen protestantischen Tradition zu liegen.

 

16.3.2020 11:30

https://www.bayern-evangelisch.de/wir-ueber-uns/vorsichtsmassnahmen_corona.php 16/3/20 11:30

Die ELKB hat endlich reagiert, allerdings nicht gestern, wie auf der Webseite steht, sondern erst vor 1 Stunde.

 

19.3.2020

zeit.de

Mulhouse wurde früh zum Zentrum der Corona-Epidemie in Frankreich. Der Grund ist wahrscheinlich, dass sich eine evangelikale Vereinigung der Pfingstgemeinde dort Ende Februar eine Woche lang zum gemeinsamen Fasten und Beten getroffen hat. Zu diesem Zeitpunkt wusste man auch in Frankreich schon gut über das Virus Bescheid, doch Großveranstaltungen waren noch nicht verboten. Mehr als 2.000 Gläubige sind aus Frankreich, der Schweiz, Belgien und Deutschland angereist – und haben dem Virus damit einen Kickstart beschert. Besonders fatal: Es gab keine Teilnehmerlisten. Etwa drei Wochen später sind offiziell bereits 1.820 Menschen in der Region Grand Est rund um die Stadt Mulhouse infiziert.

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