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Inkubationszeit des Coronavirus

Mit Inkubationszeit wird ĂŒblicherweise der Zeitraum zwischen dem Kontakt mit dem Krankheitserreger bis zum Auftreten der ersten Krankheitsanzeichen bezeichnet.

Nur Kontakt löst keine Inkubation aus. Erst wenn sich der Erreger vermehrt, startet die Inkubationszeit (incubare, lat. brĂŒten). Die Inkubationszeit hĂ€ngt primĂ€r von vier Faktoren ab – erstens Konstitution bzw primĂ€re Immunabwehr des Infizierten, zweitens Eintrittstelle, drittens Zahl der initialen Viruspartikel und viertens die PathogenitĂ€t, Virulenz oder InfektiositĂ€t des Virus. Wikipedia hat unterschiedliche Beispiele

Das Poliovirus vermehrt sich in den lymphatischen Geweben des Verdauungstrakts. Nach einer bis zwei Wochen kann es dann zu unspezifischen Symptomen wie Fieber und Gliederschmerzen kommen… etwa eine halbe Woche spĂ€ter kann dann das volle Krankheitsbild der KinderlĂ€hmung folgen.
Bei der Tollwut hĂ€ngt die Dauer der Inkubationszeit von der Lokalisation des Bisses ab, mit dem das Virus ĂŒbertragen wurde. Je lĂ€nger sein Weg entlang der peripheren Nerven ins Gehirn, desto lĂ€nger die Inkubationszeit.

Die Inkubationszeit bei 2019-nCOV betrÀgt 3 bis 14 Tage, deshalb werden VerdachtsfÀlle auch zwei Wochen isoliert. Die 14 Tage sind allerdings nicht sicher.

Die Inkubationszeit beim neuen Coronavirus könnte Analysen zufolge in seltenen FĂ€llen sogar bis zu 24 Tage betragen und damit 10 Tage mehr als bisher angenommen. Im Schnitt betrage der Zeitraum zwischen Ansteckung und ersten Symptomen wohl drei Tage und damit weniger als die bisher angenommenen gut fĂŒnf Tage, ergab eine Auswertung des Experten Zhong Nanshan nach Angaben der China Daily. Der Leiter des nationalen Expertengremiums zur EindĂ€mmung der Lungenkrankheit hatte mit seinem Team 1099 FĂ€lle aus 552 KrankenhĂ€usern in China untersucht. … Ohne genaue Kenntnis der Methode lasse sich zunĂ€chst nicht sagen, wie gesichert die neuen Erkenntnisse seien, kommentiert der Coronavirus-Experte Christian Drosten von der Berliner CharitĂ© die Analyse in China. "Eine hĂ€ufige Fehlerquelle bei scheinbar sehr langen Inkubationszeiten ist eine unbemerkte zwischenzeitliche Exposition." Nur unter sehr kontrollierten Bedingungen lasse sich ausschließen, dass Betroffene dem Erreger mehrfach hintereinander ausgesetzt waren.

Die sehr unterschiedliche Zeitangaben zur Inkubationszeit hÀngt von der Variation dieser vier Faktoren ab. Wenn wir davon ausgehen, dass die aktuelle Virusvariante dieselbe Virulenz hat wie in Wuhan, dann bestimmen wohl die ACE2 OberflÀchenstrukturen auf unseren Zellen InfektiositÀt und initiale Vermehrung.

Quelle https://medium.com/@edwardnirenberg/sars-cov-2-and-the-lessons-we-have-to-learn-from-it-e2017fd5d3c 9/3/2020

Wer allerdings nur nach Krankheitsbeginn QuarantÀne verordnet, kommt zu spÀt, um die Ausbreitung der Krankheit zu verhinden.

Bei Reisenden aus Coronavirus-Endemie-Gebieten reicht ein symptom- und kontaktbasiertes Screening alleine offenbar nicht aus, um eine Infektion auszuschließen. Das zeigen die Erfahrungen der Passagiere, die am 1. Februar aus Wuhan nach Deutschland evakuiert wurden. Zwei der Patienten hĂ€tten ohne Rachenabstrich und ohne QuarantĂ€ne in Deutschland möglicherweise weitere Personen angesteckt.

Leider sieht das Robert Koch Institut bisher keine flĂ€chendeckende, wiederholte Tests ausserhalb von Arztpraxen vor, wĂ€hrend Baden WĂŒrttenberg aber bereits Drive In Tests eingefĂŒhrt hat. Das RKI (Stand 9.3.2020) bleibt dazu vage

Die GefĂ€hrdung fĂŒr die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland wird derzeit insgesamt als mĂ€ĂŸig eingeschĂ€tzt. Diese GefĂ€hrdung variiert aber von Region zu Region und ist in "besonders betroffenen Gebieten" höher. … Die Belastung des Gesundheitswesens hĂ€ngt maßgeblich von der regionalen Verbreitung der Infektion, den vorhandenen KapazitĂ€ten und den eingeleiteten Gegenmaßnahmen (Isolierung, QuarantĂ€ne, soziale Distanzierung) ab und kann örtlich sehr hoch sein. … Die massiven Anstrengungen auf allen Ebenen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) verfolgen weiterhin das Ziel, die Infektionen in Deutschland so frĂŒh wie möglich zu erkennen und die weitere Ausbreitung des Virus so weit wie möglich zu verzögern. Sie sollten durch gesamtgesellschaftliche Anstrengungen wie die Reduzierung von sozialen Kontakten mit dem Ziel der Vermeidung von Infektionen im privaten, beruflichen und öffentlichen Bereich sowie eine Reduzierung der ReisetĂ€tigkeit ergĂ€nzt werden.

Infektionen möglichst frĂŒh erkennen, ohne dass ein flĂ€chendeckender PCR Nachweis angeboten wird? Es ist zu befĂŒrchten, dass eine Pandemie so nicht eingedĂ€mmt werden kann. In Korea scheinen Tests ein wichtiger Faktor zur Steuerung gewesen zu sein.

Quelle https://twitter.com/JohannaMaska/status/1237186360265469952 vom 10/3/20

Das Ziel aller Massnahmen ist es, die Zahl der gleichzeitig Erkrankten so gering wie möglich zu halten und Zeit zu gewinnen, um Maßnahmen fĂŒr besonders gefĂ€hrdete Gruppen aufzubauen, BehandlungskapazitĂ€ten in Kliniken zu erhöhen und die Entwicklung antiviraler Medikamente und von Impfstoffen zu ermöglichen.

Das RKI erklÀrt 3 Klassen von Kontaktpersonen, aber auch hier ist immer nur von Erkrankten, aber nicht infizierten Personen in der Inkubationsphase die Rede. Bleibt die Frage, wie ansteckend Personen in der Inkubationszeit sind. Leider gibt es darauf bisher keine Antwort, sondern nur AbschÀtzungen.

Die Basisreproduktionszahl R0* liegt bei 2.25, dh 1 Infizierter steckt 2.25 Personen an (eine noch nicht ĂŒberprĂŒfte Arbeit sagt allerdings 4.7). Zur EindĂ€mmung muss R0 aber unter 1 gesenkt werden. Simulationen zeigen, dass in den meisten Szenarien “contact tracing and case isolation” innerhalb 3 Monaten COVID-19 stoppen kann; offensichtlich gelingt das gerade in China.

In Deutschland war “contact tracing” bei den Webasto FĂ€llen noch möglich, mit zunehmenden ErkrankungsfĂ€llen unterbleibt die RĂŒckverfolgung aber immer mehr aus logistischen GrĂŒnden und macht zudem die RisikoabschĂ€tzung ĂŒber Herkunft aus Endemiegebiet immer weniger sinnvoll, wenn die Erkrankung schon vor Ort endemisch auftritt.

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 19.08.2026