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Grundannahmen zu Religiosität und Spiritualität in Psychiatrie

Die neueren Empfehlungen zum Umgang mit Religiosität und Spiritualität in Psychiatrie und Psychotherapie (Utsch, et al.) haben die folgenden Grundannahmen

* Religiosität und Spiritualität werden als anthropologische Universalien angesehen. Sie gehören zum Menschsein und sind im Rahmen einer ganzheitlichen Betrachtung zu würdigen – unabhängig von einem möglichen Einfluss auf Gesundheitsoutcomes oder auf die Effizienz therapeutischer Interventionen.
* Religiosität und Spiritualität sind sowohl beim Patienten als auch beim Behandler identitätsbildend. Dies wird in existenziellen Krisen und Grenzsituationen besonders deutlich, aber auch in Momenten der Sinnerfülltheit und Lebensphasen existenzieller Indifferenz.
* Religiosität und Spiritualität sind als persönliches Sinnsystem und kulturbildende Einflussfaktoren in der Psychotherapie wahrzunehmen und zu würdigen. Aufgrund der Berufsethik sind Psychiater und Psychotherapeuten verpflichtet, ihre Patienten zu achten, unabhängig insbesondere von Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung, sozialer Stellung, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion oder politischer Überzeugung.

Das hört sich nun ganz anders an, als was man so alles zu dem Thema “Gotteswahn” finden kann.

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026

Godspeed

Godspeed, God spede (“may God cause you to succeed”) is the end of Obama’s letter to his successor

we are just temporary occupants of this office

which is taken from the new testament as well

For here we have no lasting city, but we seek the city that is to come

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026

Kooperation in der Wissenschaft – Ein Missverständnis

Kooperationen in der Wissenschaft sind gut. Kooperation ist wichtig, um eigene Defizite auszugleichen oder auch nur um über den Tellerrand zu schauen. Aber Kooperationen machen keinen Sinn sui generis: Ausschreibungen, die nur bestimmte Kooperationen erlauben oder Listen von Kooperationspartnern, die dann mit Plus oder Minuspunkten für die Karriere bewertet werden, sind weitgehend sinnfrei.

Woher kommt eigentlich die Idee, dass man mit mit mehr akademische Kooperationen, ein besserer Wissenschaftler ist? Ich vermute, die Wissenschaftspolitik hat mit Verzögerung aus dem Wirtschaftsleben eine Entwicklung übernommen, die dort als “Design Thinking” bekannt ist. Ein exzellenter Artikel in brandeins Sept 2017 “Lasset und Denken” von Daniel Hornuff fasst es zusammen

Natürlich sind Sie ein Teamplayer! Was denn sonst, schließlich gelten der Wille und die Fähigkeit zur Teamarbeit als Eintrittskarte in die Welt der Unternehmen […] Der Prozess verläuft stets ähnlich: Er beginnt mit der Klärung des Auftrags und einer Recherchenphase, geht über zu Ideenfindungen und Prototyping, mündet in eine begründete Auswahl, und aus der resultiert schließlich die Umsetzung. Vorbild für dieses Vorgehen soll die disziplinübergreifende Arbeit von Designern gewesen sein. Das Design Thinking erscheint demnach als die projektbezogene Systematisierung
gestalterischer Tätigkeiten […] Gerade weil Kreativität als ökonomischer Motor gilt, will man sich nicht dem freien Gedankenspiel
Einzelner überlassen – und damit dem Zufall, glücklicher Fügung oder einer Laune. Vorbei die Zeiten, in denen noch das gottgleiche, stets männliche Genie einen radikal neuen Einfalt aus jenseitigen Sphären empfangen konnte. Oberhaupt: Jene „angeborene Gemütslage”, das „ingenium”, von dem Immanuel Kant einst schwärmte, erwies sich als viel zu unzuverlässig, um ihm die Zukunft eines Unternehmens anzuvertrauen.

Hornuff schildert dabei skurrilen Exzesse

Weltkonzerne wie Bosch richten riesige Gebäude wie Künstlerateliers ein, um der “Irritation”, dem “Scheitern” oder der “plötzlichen Entdeckung” beiwohnen zu dürfen. Selbstverständlich werden hierzu (junge) Künstler akquiriert, erhofft man doch von ihnen am ehesten die Begegnung mit faszinierenden Mysterien. So heisst es bei Bosch: “Die Werkzeugkisten haben bewusst keine Beschriftung, damit man auch mal findet, was man nicht gesucht hat.”

Teamwork und Kooperationen sind wichtig, aber Listen von “Kooperationsleichen” sind kein Mass für Reputation und schon gar nicht für qualitativen Output.

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026

Correlation not causation

I am following up some references Rudi Balling showed in his talk yesterday. Sure, correlation is not causation,

An excerpt of the famous Wright paper 1921

but I fear that with all that systems biology we already ended in the scientific nirwana than generating any useful hypothesis.

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026

Vertrauensverlust

Forschung und Lehre heute

Zwölf Prozent der Deutschen haben kein Vertrauen in Wissenschaft und Forschung, jeder zweite bekundet grundsätzlich Vertrauen. Der Rest (37 Prozent) zeigt sich unentschieden. Vor allem die Expertise der Forschenden wird als Grund für Vertrauen aufgeführt. Als häufigster Grund für Misstrauen wird die Abhängigkeit von Geldgebern genannt. Das geht aus dem Wissenschaftsbarometer 2017 hervor. Die bevölkerungsrepräsentative Umfrage betrachtet seit 2014 jährlich die Einstellungen der Öffentlichkeit gegenüber Wissenschaft und Forschung. Sie wird von Wissenschaft im Dialog (WiD) herausgegeben und von der Robert Bosch Stiftung gefördert.

Barometer 2017

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026

Universities are being hollowed out

This letter was just published in the Irish Times

The parlous impact of managerialism on the sector is only too obvious: 52.4 per cent of all staff in Irish universities are not academics yet academics have seen a huge rise in their administrative duties to the detriment of time for research, teaching and contact with their students; the huge salaries commanded by presidents of universities, who see themselves as captains of industry, contrast ignominiously with the relative pittance earned by the rank-and-file lecture staff; and the cynical reduction of the number of tenured staff has resulted in 45 per cent of academics being employed part-time on salaries as low as perhaps €30 an hour, with no job security and no facilities to develop their teaching and research (many do not even have borrowing rights for the university library, a place to hang their coat, or an allowance to cover marking).

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026

Live votes during presentation

Live votes can increase participation of your audience but there are quite some technical challenges.

For my most recent presentation I have set up my own Wifi using an old Fritz! Box flashed with Freeze that can route all incoming traffic towards a Macbook (that is connected to the router by cable).

The Macbook itself is running a webserver that delivers the questions to the mobile phones in the audience. Mobile clients basically see this page

 

The presentation with all results is running in a Chrome full screen windows that is mirrored to the projector. It is basically an export from Powerpoint pictures that are shuffled around by a javascript framework (bespoke.js). Results are stored in an adhoc sqlite database and charts are produced on the fly by d3.js.

All scripts are available per email request.

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026

Datafication of Health

I had the unique chance yesterday to hear a talk of Minna Ruckenstein (University of Helsinki) about datafication of health. I think this is one of the most important topics of the last decade – being one of the largely underestimated, largely ignored development, but nevertheless relevant for the future of medicine. It basically means conversion of health into data (like Facebook is converting communication into data) which happens on multiple scales and at multiple levels. Her excellent paper at Annual Review of Anthropology was just posted a month ago and can be downloaded at the journal website (or at SciHub).

Minna Ruckenstein, ChipMe Meeting, Galway, Ireland

Recognizing that the datafication of the traditional health ecosystem is generating new power asymmetries and disrupting traditional regulatory and ethical mechanisms, some scholars have embarked on applied research projects, often collaborating outside their academic spheres. These citizen-centered initiatives appeal to patient organizations, savvy self-trackers, and ordinary people to address issues such as the tension between data openness and data ownership; asymmetries of data usage and distribution; the inadequacy of current informed consent and privacy protections; and the need to reappropriate and rearticulate concepts such as “sharing” and “the public good” that have been co-opted by technology companies seeking free access to their users’ data.

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026

Evangelikale und die AfD

Michael Herbst schreibt im Deutschen Pfarrerblatt

Natürlich gibt es die Liaison zwischen dem theologisch Konservativen und dem politisch eher nach rechts neigenden Lager. Für viele Fromme war und ist die Union politische Heimat, ob es die AfD ist oder wird, kann ich noch nicht einschätzen. Liane Bednarz hatte in der FAZ starke Verbindungen zwischen konservativ-katholischen und evangelikalen Christen und der AfD, insbesondere Beatrix von Storch nachweisen wollen …

Der Nachweis ist doch längst gegeben, nicht nur durch Liane Bednorz oder Michael Schmidt-Salomon, selbst der AfD Fraktionsvorsitzende Jörg Meuten bestätigt dies

Gute Kontakte gibt es Meuthen zufolge dagegen zwischen AfD und konservativen Christen, etwa evangelikalen Strömungen, die eine konservative Bibelauslegung vertreten. Diese Kontakte seien aber nicht institutionalisiert, sagte er.

Was “Christen in der AfD” in ihrem Grundsatzprogramm schreiben, ist nicht nur schwammig areligös sondern haarscharf verfassungsfeindlich

Insofern ist in der Demokratie weniger das technische Regelwerk entscheidend, nach dem Entscheidungen getroffen werden, sondern vielmehr das sittliche Fundament, auf dessen Grundlage die Bürger ihre Entscheidungen treffen. Ohne dieses sittliche Fundament kann auch eine Demokratie unmittelbar in die Barbarei führen.

Bei Schnabel, Vermessung des Glaubens (Blessing 2008) ist unter “Autoritäre Charakter” ab S.138 längst auch der Mechanismus erklärt. Es ist der gleiche bei amerikanischen und deutschen Evangelikalen

Es lohnt sich daher, noch ein wenig bei den schon etwas älteren Untersuchungen zu verweilen. Sie lehren nämlich auch, dass der kurvilinearc Zusammenhang nicht in jedem Falle gilt. Manche
 Korrelationen sind durchaus linear, das heißt: Je frommer (oder religiöser) die betreffenden Personen sind, umso deutlicher tritt eine bestimmte Eigenschaft hervor. Das gilt besonders für jene Charakterzüge, die Forscher unter der Sammelbezeichnung der „autoritären Persönlichkeit“ dargestellt haben. Dieser Begriff, der im Wesentlichen auf Theodor W. Ador­nos Studie „The Authoritarian Personality“, aus dem Jahr 1950 zu­rückgeht, umschreibt ein Set von Persönlichkeitseigenschaf­ten, die ein Potenzial für antidemokratische und faschistische Einstellungen und Verhaltensweisen darstellen. Die Ich ­schwa­che, autoritäre Persönlichkeit ist demnach gekennzeichnet durch Unterwürfigkeit gegenüber idealisierten Autoritäten der Eigen­gruppe, durch Misstrauen udn Feindseligkeit gegenüber Andersdenkenden und eine Tendenz, Verstöße gegen die herrschende Moral zu ahnden … Im Zuge solcher Untersuchungen wurden immer wieder Zusammenhänge zwischen Autoritätsgläubigkeit und ausgeprägter Frömmigkeit gefunden. Das gilt vor allem für Gläubige, die als „religiös orthodox“ beschreiben werden können …, die also ein bestimmtes (meist in sich geschlossenes) Glaubenssystem streng vertreten und jegliche Abweichung davon verdammen.
Am deutlichsten hat dies vielleicht der Neuropsychologe Elbert W. Russell formuliert, der Anfang der Siebzigerjahre im Auftrag des Kanadischen Friedensforschungsinstituts sämtliche bis dahin vorliegende (nordamerikanischen) Untersuchungen über den Zusammenhang von christlichen Überzeugungen und politischen Einstellungen analysierte. Sein Ergebnis: „Je strenger religiös und je orthodoxer eine Person oder Gruppe ist, desto militaristischer werden ihre Einstellungen wahrscheinlich sein.“ Strenggläubige Christen erwiesen sich in nahezu allen Studien konservativer als der Durchschnitt; sie befürworten eher harte Strafen für Gesetzesbrecher, engagierten sich seltener in Friedensdiensten und wiesen eine hohe Bereitschaft zu Antisemitismus, Voreingenommenheit (Ethnozentrismus) und anderen Vorurteilen auf. Russell ­ der selbst der pazifistischen Quäker­-Sekte an­gehört , sprach in diesem Zusammenhang gar von einem »autoritär­punitiven« Komplex, dessen Ursache er in jenem strengen, strafenden Gottesbild sieht, das im Alten Testament vermittelt wurde und dem manche Kirchen noch immer an­ hängen. »Die Früchte des Christentums«, so notierte Russell erstaunt, entsprächen »offenbar dem genauen Gegenteil seines Ideals der Liebe.«
Symptomatisch dafür waren zum Beispiel die Kommentare von Pastoren, die nach ihrer Haltung zum Vietnamkrieg be­fragt wurden. Zwar waren 85 Prozent der Geistlichen der Ansicht, dass Krieg gegen den Willen Gottes sei; aber die For­derung, »Christen sollten auf Beendigung der Feindseligkeiten drängen, falls nötig sogar zu den Bedingungen des Feindes« unterstützten nur 15 Prozent. Viele Pastoren erklärten diesen Widerspruch damit, dass Kommunisten ja Atheisten seien, und man daher mit ihnen nicht auf christliche Weise umgehen kön­ne. Man müsse im Gegenteil mit den Kommunisten »in deren eigener Sprache« sprechen (im Klartext: sie in Grund und Boden bomben).

das “Georg Klein Manöver

Auch der kanadische Psychologe Robert Altemeyer, der über einen Zeitraum von zwanzig Jahren die Beziehung zwi­schen Religion und autoritären Einstellungen untersucht hat, gelangt zu dem eindeutigen Ergebnis: »Wer autoritätsgläubig ist, tendiert dazu, religiös zu sein und umgekehrt.« Dass sich dabei die höchsten Korrelationen ausgerechnet bei strenggläu­bigen Christen finden, sei »besonders ironisch«, schreibt Alte­meyer, »da die Evangelien Jesus von Nazareth vor allem als je­mand schildern, der tolerant und vergebungsbereit ist und eine Botschaft universeller Liebe predigt«.

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026

Source of Emil Kraepelins “Manic Depressive-Insanity and Paranoia”

While it is easy to find this English book online, it is much more difficult to find the original source. At least a MPG document says

[1921b] Manic-depressive insanity and paranoia. Translated by R. Mary Barclay from the Eighth Ger- man Edition of the „Text-Book of Psychiatry“, vol. iii, part ii, section on the Endogenous Dementias. Edited by George M. Robertson. E. & S. Livingstone, Edinburgh 1921, Chicago Medical Book Company, Chicago 1921 [Übersetzung von Kapitel XI „Das manisch-depressive Irresein“ aus 1913a und von Kapitel XIV „Die Verrücktheit (Paranoia)“ aus 1915a in eng- lischer Sprache].

1913a refers tp “Psychiatrie. Ein Lehrbuch für Studierende und Ärzte. Achte, vollständig umgearbeitete Auflage. III. Band. Klinische Psychiatrie. II. Teil. Barth Verlag, Leipzig 1913”. Well, this one is also online.

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026

Bitcoin is a bad idea

Nature today thinks “It’s good to have lots of bad ideas”. Bitcoins are a bad idea as they are traded in for energy consumption.

There are lots of different bitcoin mining computers out there, but in recent months, companies have focused on ASIC miners, which use less energy to conduct their calculations. Mining companies that run lots of ASIC miners as businesses have told me that they use one watt of power for every Gigahash per second of computing that they do when mining for bitcoins.
At this rate, the bitcoin network runs at 342934450 watts, which equates to around 343 megawatts. Calculations based on EIA data reveal that the average US household consumes about 1.2 kilowatts of power, meaning that 343 megawatts would be enough to power 285,833 US homes at the time of writing (May 2015).
That’s quite a lot of energy – about a third of the homes in San Jose. And our 1 watt per Gigahash/second figure is pretty efficient. There will be a large number of residential users who will be taking more power to run their miners.So it’s likely that this is a conservative estimate.

Another estimate by digiconomist.net is 16 TWh per year (Aug 2017). Kilo 10^3, Mega 10^6, Tera 10^9…

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026