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I am very astonished that the scientific picture of the real world around me is very deficient

“I am very astonished that the scientific picture of the real world around me is very deficient. It gives us a lot of factual information, puts all of our experience in a magnificently consistent order, but it is ghastly silent about all and sundry that is really near to our heart, that really matters to us. It cannot tell us a word about red and blue, bitter and sweet, physical pain and physical delight; it knows nothing of beautiful and ugly, good or bad, God and eternity. Science sometimes pretends to answer questions in these domains, but the answers are very often so silly that we are not inclined to take them seriously.” – Erwin Schroedinger

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 19.01.2026

Vitamin D Vergiftung bei Weidetieren

Auch Kühe können erhöhte Vitamin D Werte haben, wenn sie Goldhafer fressen, der ab 500m im alpinen Raum auftritt.

Trisetum flavescens / Goldhafer ist zwar kein bevorzugtes Futter und wird nur gefressen, wenn das Angebot von anderen Gräsern knapp ist. Der Hafer enthält aber Calcitriol, das aktive Vitamin D Hormon (ansonsten kommt Vitamin D in der Nahrungskette nur als Ergocalciferol in sonnenbestrahlten Steinpilzen, Pfifferling, Spinat, einigen Kohlarten und Hefe vor. Lebensmittel mit hohem Gehalt tierischen Ursprungs sind Hühnereier, fettreiche Fische wie Lachs, Forelle, Thunfisch).

Sensationell ist jedenfalls der  Hormongehalt des Hafers, den es sonst in keinem Lebensmittel gibt. Das bayrische Landesamt für Umwelt 2007 weiss auch, wo besonders viel Goldhafer in Bayern zu finden ist – südlich des Chiemsees

Einziger Fundort [von Trisetum flavescens ssp. purpurascens (Goldhafer)] im Landkreis am Sagberg bei Frasdorf in Goldhaferwiesen bei 820 m, an den rotbraunen, kräftigen Fruchtständen und kräftigeren Blattspreiten gut kenntliche Unterart des Goldhafers, bisher nur bekannt und zahlreich nachgewiesen aus höheren Lagen der Allgäuer Alpen. Außerhalb davon nur noch drei Meldungen aus tieferen Lagen im Rahmen der ABK (außer diesem sonst nur noch Einzelnach- weise aus den Landkreisen Lindau und Garmisch-Partenkirchen).

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CC-BY-NC Science Surf accessed 19.01.2026

Postfaktisch?

Es ist das Unwort des Jahres. Philipp Sarasin erklärt wieso:

Aussagen über die Welt müssen, mit einem Wort, ‚Sinn ergeben‘. Wenn sie das nicht tun, gibt es im Wesentlichen zwei Möglichkeiten: Sie erweisen sich nach allen Masstäben als falsch oder gelten als uninteressant (oder beides) – oder aber sie werden, früher oder später, zum Ausgangspunkt neuer Wahrheiten, neuer Erkenntnis, neuer Tatsachen. Fakten sind daher seit der Moderne und explizit in unserer Postmoderne „kontingent“, wie der Soziologe Niklas Luhmann sagte: Sie lassen sich nicht ‚letztlich‘ und ‚notwendiger Weise‘ als ‚absolut‘ wahr erweisen […]

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 19.01.2026

Allergy, Vitamin D Receptor and Parabacteriodes

There was a congress abstract earlier this year by Rachid, Rima A et al. in  Journal of Allergy and Clinical Immunology:  “Food Allergy in Infancy Is Associated with Dysbiosis of the Intestinal Microbiota” where 137 infants (52 food-allergic and 85 controls) were enrolled and differences in fecal microbiota tested between the 2 groups. Food-allergic babies at 1-6 months of age had decreased abundances of genera in Bacteroidetes (Parabacteroides and Alistipes).

Interestingly, a new genome-wide association study of the gut microbiota using two cohorts from Northern Germany identified genome-wide significant associations for microbial variation and individual taxa at multiple genetic loci, including the VDR gene.  To further explore this association, they analyzed gut microbiota data fin Vdr−/− mice, confirming that loss of Vdr in mice substantially affects diversity. A more detailed exploration also showed that VDR consistently influences individual bacterial taxa such as Parabacteroides.

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So, is this a missing link?-Can vitamin D supplementation influence the gut microbial flora? This could explain even other observations. Right now rs7974353 is a rare human intronic SNP with no disease annotation.

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 19.01.2026

Akademische Vor-träge

academics hat einen interessanten Kommentar

So wird von einem Abendvortrag Grundsätzliches und Überspannendes erwartet, wohingegen ein Vortrag am späteren Samstagnachmittag allenfalls zarte Ergänzungen beisteuern sollte. Die performative Herausforderung schließt unmittelbar daran an, indem der Referent darauf geprüft wird, ob er die ihm zugedachte Rolle auszufüllen vermag. Verzichtet der Abendvortragende auf die große Geste des Universalgelehrten, gilt er als Enttäuschung. Übt sich der Nachwuchs hingegen in zu forscher Thesenbildung, wirkt er anmaßend. Die Kunst der Tagungsorganisation besteht darin, die Choreografie der Rollen möglichst passgenau vorzuzeichnen. Nachwuchsleute werden daher meist auf Zeiten gesetzt, in denen sich Hunger mit nachlassender Konzentration und Abfahrtszeiten von Zügen überschneidet. Die akademischen Top-Acts wiederum eröffnen Sektionen, stemmen einen Solopart oder den Impulsvortrag zum Tagungsauftakt. So besitzt jede Rolle ihre eigene Uhrzeit.

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 19.01.2026

Value free science

There is an interesting course at ETH Zürich

Should science be free from moral, political or ideological influences? According to the so-called value-free ideal it should. Many scientists think of themselves as committed to truth and objectivity and nothing else. In this seminar, we will track the history of the value-free ideal and engage in a debate about the potential role of so-called non-epistemic values in science.
Course Objective
In the past decades, philosophers of science have begun to challenge the value-free ideal in science. With the help of recent literature from the philosophy of science, students will be introduced to the debate on values in science and the reasons for why the value-free ideal has come under attack. They will be familiarized with the distinction between epistemic (truth-conducive) values and so-called non-epistemic values. The course aims at enabling students to critically reflect the potential role of non-epistemic values in science.

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 19.01.2026

Big data Größenwahn

Quelle www.brandeins.de diskutiert eine Arbeit aus Nature 2009:

Das US-amerikanische Wissenschaftsmagazin präsentierte eine Studie von Datenwissenschaftlern in Diensten von Google und Yahoo. Die konnten plausibel nachweisen: Wenn viele Leute Suchwörter wie „Grippesymptome“ oder „Apotheke in der Nähe“ eingeben, lassen sich geografische Ausbreitungen von Seuchen nahezu in Echtzeit berechnen, ohne dass irgendjemand mit einem einzigen Arzt sprechen muss. Die Anwendung dazu nannten sie GFT, Google Flu Trends.
Mit gesundem Menschenverstand leicht nachzuvollziehen war, dass die Methode um ein Vielfaches präziser und schneller sein würde als das gängige Verfahren des amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention. Die Beamten der Behörde sammeln Fragebögen bei Arztpraxen zu Patientenzahlen ein und rechnen mit ein bis zwei Wochen Zeitverzögerung die gesundheitliche Lage der Nation hoch.

Dann aber kam eine Arbeit in Science 2014

Rückblickend hatte sich die Vorhersagequalität von GFT als lausig erwiesen. Die Beamten mit ihren Fragebögen hatten im Durchschnitt bessere Vorhersagearbeit geleistet. Kurz darauf wurde eine Studie von Datenwissenschaftlern rund um den Harvard-Ökonom Ryan Kennedy publiziert, die den Aufstieg und Fall des Datenmusterknaben Google Flu Trends zur Parabel für Big-Data-Analytik insgesamt erklärte.

siehe auch Wired “What We Can Learn From the Epic Failure of Google Flu Trends?”

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 19.01.2026

Eine Kulturkritik von Open Access

http://geschichtedergegenwart.ch/open_access-wie-der-akademische-kapitalismus-die-wissenschaften-veraendert/

Hagner zeigt einige Aspekte auf, wie Open Access unsere Wissenschaftslandschaft verändert. Es ist ein interessanter Essay, leider redet der Autor viel über die MINT-Fächer (Medizin, Infor­ma­ti­ons­wis­sen­schaften, Natur­wis­sen­schaften, Technik) ohne davon allzu viel zu verstehen. Die Grundaussage stimmt natürlich, dass es eine heterogene Spielwiese ist

Die Praxis von Open Access ist dominiert von einer Vielzahl unter­schied­licher Akteure mit zum Teil gegen­läu­figen Inter­essen. Dazu gehören Politiker, globale Verlags­kon­sortien, Förder­or­ga­ni­sa­tionen, Wissen­schafts­ma­nager, Biblio­thekare, digitale Aktivisten, die Compu­ter­in­dustrie und schließlich auch dieje­nigen, um die es eigentlich geht: Wissen­schaftler – aber auch hier handelt es sich keineswegs um eine homogene Gruppe.

Dabei ist völlig unklar, wohin die Entwicklung geht.  Ob die EU-Rahmenprogramme  im Wesent­lichen “über Bande gespielte Wirtschafts­för­derung” sind, ist relativ egal unwichtig in dem Zusammenhang. Es stimmt auch nur sehr begrenzt, dass man in  digitaler Zeitschriften Artikel publi­zieren kann, die man in “seriö­sen” Journalen nicht unter­bringen kann.

Dafür fehlt der wichtigste Punkt, dass Open Access lediglich die Kosten vom Leser auf die Autoren abwälzt. Die Verlag verdienen ungehindert weiter, statt an Elsevier gehen Steuergelder nun an PLoS, 36 Millionen in 2014. Und wenn Elsevier seine Strategie nur etwas modifiziert im Sinn von „we continued to make good progress on our strategy to syste­ma­ti­cally transform our business into a profes­sional infor­mation solutions“ dann haben wir ziemlich bald das Facebook Phänomen auch in der Forschung: Keiner ist wirklich überzeugt, aber de facto frisst es unsere Zeit.

Der Titel des Essays ist jedenfalls gut. Da könnte man viel  interessantes herausholen, zum Beispiel, dass Zeitschriften  keine “periodicals” mehr sind und Wissenschaft zur Dauerberieselung wird. Wenn der Zeitschriftenname nun keine Werbung für meinen Artikel mehr ist, muss ich nun selbst für jedes Paper eine Kampagne starten?

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 19.01.2026

Research waste

Although I didn’t expect that ever in allergy research there is an editorial with the title “Research Waste in Atopic Eczema Trials – Just the Tip of the Iceberg” refering to a meta-analysis by Wilkes et al.

Clinical trials often continue to be undertaken even though the effectiveness of the intervention under consideration has already been demonstrated. In addition, vehicle- or placebo-controlled studies predominate over head-to-head comparisons, although the latter would be more informative for clinicians in guiding patient management. This creates research waste, and both investigators and funders are to blame.

 

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CC-BY-NC Science Surf accessed 19.01.2026

Forget the hygiene hypothesis until there is a good study

A new paper in PLoS Negl Trop Dis this week reports

The hygiene hypothesis is accepted by many in the global scientific community […] However, aspects of this hypothesis are based on assumptions that may not fully account for realities about human helminth infections. Such realities include evidence of causal associations between helminth infections and asthma or inflammatory bowel disease

Talking about realities may help proponents of the hygiene hypothesis who are stuck in a never ending loop publishing  observational studies.

Even the NEJM contributes to the hygiene hysteria hype this week. Although the allergic rhinitis prevalence isn’t so much lower in old order Amish (who are even a heterogenous group), the difference to Hutterite is being highlighted. I do not even understand the study design here as it is neither cross-sectional, nor case-control nor cohort study. Is it just an exposure description in two different groups?  Conclusions like

sustained microbial exposure was also reflected in the phenotypes of peripheral innate immune cells in the Amish.

are strange if we believe that we humans carry more bacterial than human cells. And every smoker encounters a 120fold endotoxin concentration compared to ambient air – without getting rid of asthma or allergy.

The results of our studies in humans and mice indicate that the Amish environment provides protection against asthma

is certainly wrong – nobody knows if this is an environmental or genetic or iatrogenic factor. The key finding is IRF7 expression but unfortunately IRF7 plays a critical role in the innate immune response against viruses – and not bacteria/endotoxin…

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 19.01.2026