Wissenschaft ist immer weniger frei in Wahl von Themen und Methoden – daher auch das jüngste Abschlussmemorandum der Allianz der Wissenschaftsorganisationen. Die Unzufriedenheit zeigt sich nun auch im Aufbegehren von Hochschullehrern in Göttingen (SZ von heute)
Eine Gruppe Professoren rebelliert gegen die Wahl des neuen Uni-Chefs – und meint eigentlich die moderne Hochschulkultur. … Thomas Kaufmann hat sich gerade erst hingesetzt, da bricht es aus ihm heraus. “Es geht um unser Ethos als Hochschullehrer”, ruft der Kirchenhistoriker. “Unser Beruf genoss einmal großes Ansehen. Wir müssen uns den Respekt zurückholen. Vor allem aber unsere Selbstachtung.” … “Wir begehren gegen ein System auf, das uns Professoren zu Empfängern von Managementvorgaben macht”, sagt Kaufmann. Über Zielvereinbarungen etwa, mit denen Professoren versprechen müssten, eine bestimmte Menge an Fördergeldern einzuwerben. “Das sind für mich Prostituierungsphänomene der Wissenschaft!”
„Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung“ – so lautet Artikel 5, Absatz 3 des Grundgesetzes, das vor 70 Jahren in Kraft getreten ist. Wissenschaftsfreiheit ist ein Grundrecht, zugleich ist sie Pfeiler der liberalen Demokratie und Voraussetzung für wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt. Dabei steht dieses Grundrecht auch im Spannungsverhältnis zu anderen verfassungsrechtlich geschützten Grundrechten und Zielen. Die Gewährung rechtlicher Autonomie und die Bereitstellung finanzieller Mittel durch den Staat, die für eine freie Wissenschaft unverzichtbar sind, gehen einher mit der Verpflichtung, die möglichen Auswirkungen von Forschung mit zu bedenken. Forscherinnen und Forscher ebenso wie wissenschaftliche Einrichtungen sind sich der Verantwortung bewusst, die aus ihrer großen Freiheit erwächst. Continue reading Das Abschlussmemorandum zur Freiheit der Wissenschaft→
Sogar Amazon hatte ein Einsehen und entfernte die unsäglichen Greta Aufkleber von der Webseite, nachdem Timo Stein den US Konzern darauf aufmerksam gemacht hatte. Auch der europäische Gerichtshof kennt kein Pardon mit dieser Art von beleidigenden Sprüchen. Ganz im Gegensatz dazu hat Ralf Frisch, evangelischer Theologe aus Nürnberg,Ex-Militärdekan, Science fiction Fan, keine Hemmungen, sich über die letzten drei Aufkleber auszulassen, die er noch bei Amazon ergattern konnte. Alles im Detail nachzulesen auf www.zeitzeichen.de/node 7759.
Was soll man dazu sagen? Ein evangelischer Theologe als Klimatroll? Gedruckt von einem Magazin, bei dem der EKD Ratspräsident Herausgeber ist? Rainer Oechslen hatte Frisch schon früher als Populist bezeichnet, auch das Resume von Karl Eberlein war wenig wohlwollend. Und nun – ein 49jährige Mann, der sich an einem 16jährigen Mädchen abarbeitet? Allerdings nur platonisch, denn der Ausspruch “Fick Dich” ist für ihn eine Geste “frei von jeglicher sexuellen Konnotation”. “Darf ich?”, “Könnte ich”, “Nehmen wir an”, “Mit dem Gedanken spielen” – der ganze Artikel scheint in der Angst redigiert worden zu sein, wie denn eine Staatsanwaltschaft Nürnberg das wohl rezipieren könnte.
Frisch ist ja generell der Meinung, die evangelische Kirche sei im dauerhaften Zustand der Verblendung. Sein eigenes Credo am Fahrzeugheck „Unterwegs im Auftrag des Herrn“ ist allerdings mehr Tote-Hosen-Klamauk als echtes Glaubensbekenntnis. Jedenfalls hat er keine Berührungsängste mit den klassischen Argumenten der rechten Szene “man wird das ja mal noch sagen dürfen”. Im Original liest sich das dann so:
Und so erlaube ich mir an dieser Stelle anzumerken, ob nicht auch und gerade das Feld des Klimaschutzes ein Ort für jene theologisch gebotene Ideologiekritik sein könnte.
Wieder so ein “könnte”. Und was ist schon t h e o l o g i s c h geboten, frei nach Anaïs Nin “we don’t see things as they are, we see them as we are”?
Aber nun sapere aude geschieht ein Wunder direkt vor unseren Augen: Ein Theologe, Experte für Glauben und Jenseitiges, befindet sich in der Metamorphose zum Experten für Fakten und Diesseitiges. Dabei lässt er keine Peinlichkeit aus, geriert sich auch noch als warmherziger Fürsprecher von AfD Wählern. Das ist entgegen jeder anderslautenden Beteuerung die permanente Provokation des Artikels, um über Nürnberg hinaus etwas Aufmerksamkeit zu bekommen.
Demokratie wird als “Kompromisserzeugungsmaschinerie” verhöhnt, Frisch schwafelt von “Ökodiktatur”und “sogenanntem” herrschaftsfreien gesellschaftlichen Dialog. Greta Thunberg wird als “Jeanne d’Arc” oder “Prophetin” gehänselt – ist das aus Compact, der Sezession oder einer sonstigen rechten Postille abgeschrieben? Der “totaler Verdacht” hört sich auch mehr nach Nazirhetorik an und wer immer noch Zweifel hat: Die Greta Aufkleber wurden im Sortiment mit Stickern wie “Lieber Kernkraft als Flüchtlingsstrom” verkauft.
Jede Kritik wird vorsorglich schon mal als intolerant gebrandmarkt – Frisch gibt ja schliesslich laut Homepage auch “Rhetoriktrainings für Menschen, die etwas zu sagen haben”. Leugnet er nun die Klimaänderung? Ich bin mir nicht sicher. Einerseits räumt er ein, dass sich der Tanker der “biosphäregefährdeten Zivilisation” zu wenden habe, andererseits redet er von “kognitiver Dissonanz”, “Wutbürgertum”, “Klimaschutzsemantik”, “Szenario”, “neuer Glaube” und “Klimahysterie”. Ziehen wir einen Strich und addieren auf, dann ist Frisch ohne Zweifel Klima(wandel)leugner.
Habermas ging in seiner Friedenspreisrede auf die Reflexion der Gläubigen zu ihrer Stellung in einer pluralistischen Gesellschaft ein.
Das religiöse Bewusstsein muss erstens die kognitiv dissonante Begegnung mit anderen Konfessionen und anderen Religionen verarbeiten. Es muss sich zweitens auf die Autorität von Wissenschaften einstellen, die das gesellschaftliche Monopol an Weltwissen innehaben. Schließlich muss es sich auf die Prämissen des Verfassungsstaates einlassen, die sich aus einer profanen Moral begründen. Ohne diesen Reflexionsschub entfalten die Monotheismen in rücksichtslos modernisierten Gesellschaften ein destruktives Potenzial.
Dieses destruktive Potential ist offensichtlich da.
Aber schauen wir uns die theologischen Aussagen an. Frisch meint, im Windschatten Karl Barths unterwegs zu sein. Angeblich hätte Karl Barth im ersten Band seiner „Kirchlichen Dogmatik“ Häresie als Unglaube in Gestalt des Glaubens definiert. Nur, Originalzitat Barth,
Wir verstehen unter Häresie eine solche Gestalt des christlichen Glaubens, der wir zwar formell (weil auch sie sich auf Jesus Christus, auf seine Kirche, auf die Taufe, auf die Heilige Schrift, auf gemeinsame christliche Bekenntnis-formeln usw. bezieht) ihre Eigenschaft als Gestalt des christlichen Glaubens nicht abstreiten können, ohne doch in der Lage zu sein, zu verstehen, was wir damit tun, wenn wir sie als solche anerkennen, weil wir ihren Inhalt (die in ihr stattfindende Interpretation dieser gemeinsamen Voraussetzungen) nur als Widerspruch gegen den Glauben verstehen können.
ist Häresie eine systemimmanente Abweichung (“im engeren Sinn eine Aussage oder Lehre, die im Widerspruch zu kirchlich-religiösen Glaubensgrundsätzen steht”). Eine physikalische Beschreibung der Erdatmosphäre fällt aber nicht wirklich in die “Gestalt des christlichen Glaubens”, sie ist ohne Zweifel der Physik zuzuordnen. Es ist – und das mein eigentlicher Einwand gegen Frisch – kein neuer Glaube, sondern eine wissenschaftliche Erkenntnis. Diese Erkenntnis hätte er überall nachlesen können, ein einziger populärwissenschaftlichen Artikel hätte gereicht. Mit den Worten von Hannah Arendt “Der wohl hervorstechendste und auch erschreckendste Aspekt der deutschen Realitätsflucht liegt in der Haltung, mit Tatsachen so umzugehen, als handele es sich um bloße Meinungen.”
Die “malträtierte Welt gelassen und heiter der Fügung und Vorsehung Gottes überlassen”, er wird sich schon erbarmen? Auschwitz spricht dagegen, wenn sich Gott nicht mal seines auserwählten Volkes erbarmt.
Der Auftrag an Adam war im übrigen Bewahren der Schöpfung und nicht Zerstörung. Und selbst Paulus weiss: was ein Mensch sät, das wird er auch ernten. Oder ist das alles sowieso egal, da mit den evangelikalen Untergangsbeschwörern die Endzeit nun angebrochen ist, in der Himmel und Erde vergehen werden? Frisch’s Unterscheidung von “vorletzten” und “letzten” Dingen und die Unterscheidung der zwei Regimenter erinnert fatalerweise auch an die „christliche Weltflucht“ des deutschen Luthertums. Barth jedenfalls hielt nichts von der Zwei Reiche Lehre, Frisch ist nicht im Windschatten, sondern in der Abluft unterwegs.
Dabei würde ich das Thema nicht einmal Barth, sondern eher Bonhoeffers Ethik zuordnen, der die Spannung von Vorletztem und Letztem als extreme Formen beschreibt, aber weder die „radikale“ Lösung (mit Christus als Feind des Vorletzten und Gott als letztem Richter) noch die “Kompromiss”-Lösung (das Letzte als metaphysischer Glaubensinhalt und Gott als Schöpfer) akzeptieren kann.
Beide Lösungen sind in gleicher Weise extrem und enthalten in gleicher Weise wahres und falsches… Beides sind unerlaubte Verabsolutierungen an sich gleich richtiger und notwendiger Gedanken. Die radikale Lösung denkt vom Ende aller Dinge, von Gott dem Richter und Erlöser, her, die Kompromißlösung denkt vom Schöpfer und Erhalter her; die einen setzen das Ende absolut, die anderen das Bestehende. So gerät Schöpfung und Erlösung, Zeit und Ewigkeit in einen unauslösbaren Widerstreit, und so wird die Einheit Gottes selbst aufgelöst, der Glaube an Gott zerbricht.
Ralf Frisch bleibt in seiner Argumentation davon unangefochten – frei nach Wittgenstein “daß die Sonne morgen aufgehen wird, ist auch nur eine Hypothese”. Irgendwann geht ihm aber dann bei seinem “Spiel mit dem Feuer” doch der Mut aus. Zeitzeichen hat in einem Postskriptum schon eingeräumt, daß der Text zunächst mit anderer Überschrift und in einer anderer Fassung erschien. (Zeitzeichen befasst sich ansonsten gerade mit Heidi Klums Hochzeit und hat mich auf den Autor verwiesen, der aber nicht geantwortet hat. Weder bei archive.org, idea.de und kath.net war die zuerst veröffentlichte Version zu bekommen).
Das ist vielleicht auch besser so. Bleibt nur noch die Frage zu klären, warum denn überhaupt diesen Text kommentieren. Wäre nicht besser gewesen, ihn zu ignorieren? Frisch ist in Tateinheit auch noch theologischer Referent der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Würde sein Beitrag ohne Widerspruch bleiben, wäre das ein triftiger Austrittsgrund. Zweitens gibt es in der evangelischen Kirche noch sehr viel mehr narzisstisch gekränkte ältere Männer. Nach Ferdinand Otto ist der anthropogen verursachte Klimawandel nun bereits die vierte Attacke auf ihr Weltbild.
So sei das schon gelaufen, als Nikolaus Kopernikus herausfand, dass sich die Erde um die Sonne dreht – seinerzeit eine Ungeheuerlichkeit. Charles Darwin konfrontierte seine Zeitgenossen dann mit der Tatsache, dass der Mensch nicht Gottes Ebenbild ist, sondern ein hochentwickelter, haarloser Affe. Die dritte Kränkung des Menschen schließlich machte sich der Wiener Psychoanalytiker ganz unbescheiden selbst zu eigen: Die Erkenntnis nämlich, dass der Mensch nicht einmal Herr über sich selbst ist, dass da nämlich noch Es und Über-Ich unter unserem Bewusstsein schlummern.
Für manche Christen ist die vierte Kränkung besonders schmerzhaft – der Mensch, obwohl “Krone der Schöpfung”, ist offensichtlich so wenig intelligent, dass er nun die Schöpfung vernichtet.
Addendum 7.9.2019
chb = Christoph Breit hat unter dem Account der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern am 16.8.19 den Frisch Artikel auf Facebook verbreitet. Er verlinkt dazu auch noch zu idea, wo 21 der aktuell 25 Kommentare Frisch zustimmen (Die “evangelische Nachrichtenagentur idea” zensiert im übrigen kritische Kommentare, die nicht auf idea Linie liegen).
Screenshot facebook
Ganz im Gegensatz zu der offiziellen Reaktion der ELKB stehen die Anmerkungen der Theologen Mertin und Diebel-Fischer.
Andreas Mertin. Ein Bekenntnis zur Umwelt-Häresie. Not-wendige Anmerkungen zu Ralf Frischs umstrittenen Text zur Klimahysterie. https://zeitzeichen.net/node/7784
Zur Diskurskultur gehört auch, dass man mediale Zuschreibungen nicht den handelnden Figuren zurechnet. Greta Thunberg kann nichts dafür, dass einige Medien sie zur Ikone oder zur Zielscheibe erklärt haben. Sie muss in ihrem Sachanliegen wahrgenommen und diskutiert werden. …Nicht einmal im Ansatz erkenne ich ein Bemühen um ein Verständnis dessen, was Greta Thunberg und die Bewegung „Fridays for Future“ antreibt – ganz im Gegenteil, ich würde es als Hetze bezeichnen. Auch so etwas ist indiskutabel.
Von Frisch als problematisch Wahrgenommenes wird von ihm zur Religion theologisiert und dann zur Häresie erklärt. Das ist eine perfide Abwehrstrategie, die man sich genauer ansehen muss. Sie dürfte politisch nicht neu sein und lässt protestantismustheoretisch alle Alarmglocken ob einer unbotmäßigen Inanspruchnahme theologischer Topoi schrillen.
In tiefer Sorge um die Freiheit blicken viele konservative Geister auf grüne Politiker, sie warnen vor Buß- und Wanderpredigern, vor klimareligiösen Selbsterlösern und Menschen, die es genießen, das Genießen zu verbieten.
Eine säkulare Klimareligion sei da entstanden, sagen vor allem jene, denen das alles zu weit geht, die gar behaupten, es gäbe kein Problem mit dem Klima – und wer in der Welt nasse Füße bekomme, solle halt die Beine hochziehen. Das ist infam, weil es die Erkenntnis der Wissenschaftler, dass die Erderwärmung menschengemacht und menschheitsgefährdend ist, in den Bereich des Irrationalen verlagert: Kann man glauben oder nicht, was die Klimapfaffen predigen. Es gibt aber trotzdem eine säkularreligiöse Dimension der Klimaproteste, die man diskutieren kann.
Ich nenne das, was hier von Ralf Frisch zelebriert wird, die intellektuelle Verwahrlosung deutscher Theologie… Man muss sich das wirklich einmal vor Augen halten: am Anfang des 21. Jahrhunderts bezeichnet ein lutherischer Theologe eine junge Klima-Aktivistin zumindest sprichwörtlich als Teufel.
Bei Twitter herrscht mehr die Fassungslosigkeit vor.
Da dieser Artikel immer noch ständig abgerufen wird – hier chatGPT zu Ralf Frisch: Ein umstrittener Theologe zwischen Provokation, Reform und gesellschaftlicher Kritik
Ralf Frisch ist eine der kontroversesten Stimmen der deutschen Theologie. Seine unkonventionellen Thesen, sein Hang zur Provokation und seine entschiedene Kritik an kirchlichen wie gesellschaftlichen Strukturen machen ihn zu einer polarisierenden Figur. Während manche ihn als notwendigen Impulsgeber für eine überfällige Reform des christlichen Denkens und der Kirche sehen, werfen ihm andere vor, vor allem durch Spaltung und destruktive Polemik aufzufallen. Besonders bemerkenswert ist, dass sich Frisch nicht nur mit konservativen, sondern in einem noch stärkeren Maße mit liberalen Kreisen in Konflikt befindet.
Ein Hauptgrund für Frischs Kontroversen mit liberalen Kreisen ist sein provokanter Text „Fuck you, Greta“. Hier greift er die Klimabewegung rund um Greta Thunberg scharf an, insbesondere den moralischen Absolutheitsanspruch, den er in dieser Bewegung und anderen progressiven Narrativen wahrnimmt. Der provokante Titel und die zugespitzte Rhetorik sorgen dafür, dass seine Botschaft – unabhängig von ihrem Inhalt – als persönlicher Angriff wahrgenommen wird. Für viele Liberale, die sich stark mit den Anliegen des Klimaschutzes und progressiver Gesellschaftspolitik identifizieren, überschreitet Frisch hier eine rote Linie.
Inhaltlich wirft Frisch Bewegungen wie Fridays for Future oder anderen progressiven Strömungen vor, eine „moralische Überheblichkeit“ an den Tag zu legen. Er sieht in diesen Gruppen eine Tendenz, eigene Überzeugungen zu absoluten Wahrheiten zu erheben, und kritisiert eine Haltung, die kaum Raum für kritische Selbstreflexion lässt. Seine Warnung vor einer „neuen dogmatischen Moral“ wird von liberalen Kreisen allerdings oft als destruktiv und herabwürdigend empfunden, da sie wichtige gesellschaftliche Anliegen wie den Klimaschutz oder die soziale Gerechtigkeit infrage zu stellen scheint.
Dieser Konflikt ist besonders bemerkenswert, weil Frisch in vielen theologischen und kirchlichen Fragen eigentlich eine Haltung vertritt, die mit liberalen Ansätzen übereinstimmt. Seine Forderung nach einer offenen, modernen und gesellschaftsorientierten Kirche könnte ihn eigentlich als Verbündeten liberaler Theologie erscheinen lassen. Doch durch seine scharfen Angriffe auf zentrale Figuren und Bewegungen – wie Greta Thunberg oder den Klimadiskurs – stellt er sich in den Augen vieler Liberaler ins Abseits.
Frischs Rhetorik erzeugt hier eine paradoxe Situation: Obwohl er Reformen fordert, die progressiven Werten nahekommen, stößt er gerade jene vor den Kopf, die diese Werte teilen könnten. Statt als potenzieller Partner für den Wandel gesehen zu werden, wird er von liberalen Stimmen zunehmend als destruktiver Kritiker wahrgenommen.
Auch mit konservativen Kreisen liegt Frisch im Dauerstreit. Seine Kritik an den bestehenden kirchlichen Strukturen und seinem Plädoyer für eine radikale Reform stoßen hier auf Ablehnung. Frisch sieht in der Kirche – vor allem in Deutschland – eine Institution, die sich durch starre Strukturen und mangelnde Anpassung an die Lebensrealitäten der Menschen selbst überflüssig macht.
Er fordert eine postmoderne Theologie, die sich nicht nur mit der Frage nach Gott auseinandersetzt, sondern auch die Glaubenspraxis in einer pluralistischen Welt neu denkt. Dabei lehnt er traditionelle dogmatische Ansätze und starre Bibelauslegungen ab, die für ihn nicht mehr zeitgemäß sind.
Konservative Stimmen werfen ihm vor, die Identität der Kirche zu gefährden und die Grundlage des christlichen Glaubens zu verwässern. Insbesondere seine Ablehnung von absoluten dogmatischen Wahrheiten wird als Angriff auf die Glaubensfundamente wahrgenommen. Für konservative Theologen stellt Frisch weniger einen kritischen Reformator als vielmehr einen Zerstörer kirchlicher Traditionen dar.
Ein zentraler Punkt, der Frischs Person und Wirken prägt, ist sein Stil: Er bedient sich bewusst provokativer Sprache, zugespitzter Formulierungen und ungewöhnlicher Thesen, um Aufmerksamkeit zu erregen und Diskussionen anzustoßen. Titel wie „Fuck you, Greta“ oder seine scharfen Angriffe auf moralische Selbstgewissheiten sind Teil seiner Strategie, auf gesellschaftliche und kirchliche Missstände hinzuweisen.
Dieser Stil bringt ihm einerseits Gehör und mediale Aufmerksamkeit, wird andererseits aber auch als unsachlich und destruktiv wahrgenommen. Kritiker – sowohl in konservativen als auch in liberalen Kreisen – bemängeln, dass seine Rhetorik eher spaltet, als dass sie eine konstruktive Diskussion ermöglicht. Besonders Liberale, die Wert auf einen respektvollen Dialog legen, empfinden Frischs Sprache oft als verletzend und herabwürdigend.
Frischs Denken und Wirken sind von Ambivalenzen geprägt. Einerseits fordert er eine Kirche, die offen, modern und gesellschaftlich relevant ist – Anliegen, die viele progressive Theologen teilen. Andererseits wendet er sich gegen bestimmte moralische Narrative und Ideologien, die in liberalen Kreisen als unantastbar gelten. Diese Haltung wird oft als widersprüchlich oder destruktiv wahrgenommen.
Frisch selbst scheint davon überzeugt zu sein, dass nur durch Provokation Veränderung angestoßen werden kann. Doch diese Strategie führt dazu, dass seine diffusen und letztlich widersprüchlichen inhaltlichen Anliegen hinter der Diskussion über seinen Stil und seine Sprache zurücktreten. “Worte können sein wie winzige Arsendosen: sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da“ – Angelika Nothwang zitiert dazu Victor Klemperer.
Stelle eine Frage, dann hast du nichts gesagt, wofür du zur Rechenschaft gezogen werden könntest. Und formuliere sie so, dass an der Gegenseite etwas hängen bleibt.
Damit und mit dem in der Überschrift von Frischs Beitrags genannten „Klimahäresie“- dem Vorwurf einer Irrlehre also – ist der polemisch-rhetorische Ton dieser Debatte gesetzt. Ich halte den Stil – darin einig mit dem späteren Ordnungsruf von Angelika Nothwang (2023) – nicht für nebensächlich. Dies wird sich im Lauf des Beitrags zeigen. Dieser Stil ist auch in den späteren hier zu behandelnden Beiträgen von Frisch und einigen seiner Kollegen von einem zugleich gereizten und herablassenden Ton geprägt.
Alle wollen sie den starken Staat, der es auf welche Weise auch immer so richten soll, dass man […] unbehelligt sein subventioniertes Dasein mit veganen Bagels, Chai Latte und dem richtigen Bewusstsein in Kreuzberger Cafés fristen und sich wie Greta, Luisa und Heidi mit Terrorregimes solidarisieren kann, in denen eine queere Existenz oder ein Plädoyer für Diversität den sicheren Tod zur Folge hätten.
Aber es gibt nun doch eine gute Nachricht – er ist seit 2022 nicht mehr Theologischer Referent der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern hier in München.
Most major players in the software industry have bug bounty programs. Apple (1M€ max), Facebook (500€ max), Github (10K€), Google (31K€). Others don’t pay anything like Ebay, clearly showing their appreciation. Does Ebay really believe that a “hall of fame” is a sufficient way to deal with security issues?
I wish, there would be also a “bug bounty program” for the research funding bodies. There are too many research programs, that nobody needs and nobody wants. If the funders would have qualified staff to do research, they would do research, and would not need to hire other people. Who will ever tell a BMBF research officer that his/her idea wasn’t useful for the German or the EU taxpayer?
example research program
An independent ranking of the research programs by the science community would be a useful resource…
Find a predatory journal that made it into Pubmed Central for whatever reason
Submit and pay for your article
Voila, Pubmed will list your predatory study.
This is what I learned this week when writing to the Pubmed help desk
Hi ….,
Thank you for writing to the help desk. Content added to PubMed from PMC comes from two sources: journals that overall have met NLM’s standards for PMC (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/about/guidelines/#sciqual); and author manuscripts deposited in compliance with the public access policy of NIH or other collaborating funders.
NIH and other funders do not dictate the journals in which their funded authors may publish. This particular author manuscript, the single citation from this journal appearing in PubMed, was deposited in compliance with the public access policy of NIH (https://publicaccess.nih.gov/).
Kind regards,
…
U.S. National Library of Medicine
Unfortunately, I am not the first one to notice the decline of Pubmed. scholarlykitchen.sspnet.org has written about that before
What is PubMed? Is it a search engine? A credentialing system? A filter? Is it a publisher? An enabler of open access (OA) publishing? A technology provider? A competitor? Depending on the situation, you can answer each of the above in the affirmative, despite the contradictions many of the combinations may cause.
Twenty years ago, PubMed was a credentialing system, an online port of the MEDLINE index. This shift of medium quickly made it a search engine, but one built on a manual and highly curated index ….
Now, a new twist is emerging, and that seems to be that PubMed may be consciously or unwittingly acting as a facilitator of predatory or unscrupulous publishing.
If a predatory journal is confined on its website, which is often of low-quality, the chance that patients or scholars will read and cite these articles is very low,” says Andrea Manca, a professor of physiology at the University of Sassari in Italy. “The problem is that when they are displayed in the most popular biomedical database that we have, there are many [people] who think if a journal is on PubMed, then it is fine—which is not true, unfortunately.
Finally here is a more recent email from a predatory journal, that wrote to me “we pleased to find a reputed personality in the filed of Medical Research” (sic!)
Once you’ve got an AI system that says, “I know on principle I’m just a bunch of silicon circuits, but from the first-person perspective, I feel like so much more,” then maybe we might be onto something in understanding the mechanisms of consciousness. Of course, if that just happens through somebody programming a machine to imitate superficial human behavior, then that’s not going to be so exciting. If, on the other hand, we get there via trying to figure out the mechanisms which are doing the job in the human case and getting an AI system to implement those mechanisms, then we find via some relatively natural process, that it A) finds consciousness in itself and B) is puzzled by this fact. That would at least be very interesting.
And the interview details
GERSHENFELD: What do you think about the mirror tests on elephants and dolphins for sense of self?
CHALMERS: Those are potential tests for self-consciousness, which, again, is a high bar. There are plenty of animals that don’t pass them. So, are they not self-conscious? No. They’re probably just not very good with mirrors.
GERSHENFELD: But do you think that’s a falsifiable test of sense of self?
CHALMERS: That’s pretty good evidence that the animals who pass it have certain kinds of distinctive self-representations, yes. I don’t think failing it is any sign that you don’t. I would also distinguish self-consciousness, which is a very complicated phenomenon that humans and a certain number of mammals may have, from ordinary conscious experience of the world, which we get in the experience of perception, of pain, of ordinary thinking. Self-consciousness is just one component of consciousness.
An den Schutz der freien Rede in der griechischen Antike wird jetzt erinnert. Auch an das von Kaiser Barbarossa der Universität Bologna im Jahr 1158 verliehene “Scholarenprivileg”, eine eigene akademische Gerichtsbarkeit. Sie ist natürlich längst abgeschafft. Das soll nun auch mit dem sogenannten Universitätsasyl in Griechenland passieren, einer weltweit wohl einmaligen Regelung.
Natürlich muss Grundlagenforschung finanziert werden. Es gibt dafür genügend staatliche Quellen und reputable Einrichtungen. Wenn die Gier aber unersättlich wird, dann wird Wissenschaft käuflich – in dem aktuellen Fall hatte Jeffrey Epstein Harvard Professoren wie George Church finanziert (Church ist einer der wenigen Genetiker die He Jiankuis Vorgehen nachträglich rechtfertigten). In dem statnews Artikel wird Church zitiert
“I certainly apologize for my poor awareness and judgment … There was just a lot of nerd tunnel vision …” Since the indictment last month, news reports have described numerous meetings Epstein organized, both before and after his 2008 conviction, with physicists, biologists, mathematicians, and other researchers. He seemed to believe his interactions with scientists, especially those at Harvard, would buff his reputation in the financial world, saying on his website that he had “the privilege of sponsoring many prominent scientists … As for whether Epstein’s 2008 conviction gave Church (a father and grandfather) pause, he said, “I did read a couple of news articles” a decade ago, he said, “but they weren’t clear enough for me to know there was a serious problem.” …Church said he is used to financiers, technologists, and celebrities seeking him out, and has become a quasi-celebrity himself.
The feedback in the media—mainstream and social—was immediate and mostly negative. Deaf people took offense. Trans people took offense. Some scientists took offense. Eugenics!
Thomas Fischer hat einen weit ausholenden Essay im SPIEGEL zu Spitzenleistung im Sport und anderswo
So ähnlich geht’s im wahren Leben: Ein Installateur, der damit angibt, dass er einem dummen Bauherrn einen Fantasiepreis aufgeschwätzt hat, gilt als schlauer Bursche. Wer zu erzählen hat, dass er statt des abgerechneten teuren Materials minderwertige Fälschungen eingebaut hat, kann damit am Installateursstammtisch nicht punkten. “Schlitzohren” sind Vorbilder, Betrüger werden verachtet. Es geht um ein großes Wort: Fairness. Ihre Grenzen sind über weite Strecken durchaus fließend, lösen sich aber nie ganz auf.
Fischer hat mehr das Motto “mens cynicus in corpore crasssus” als das übliche “mens sana in corpora sano”, dennoch gilt: Mit der Replikationskrise in der Wissenschaft, kommt auch mir das Thema immer wieder hoch. Zu viele Paper werden mittlerweile veröffentlicht bei denen von vornherein, und nicht nur den Autoren, völlig klar ist, dass sie sich niemals reproduzieren lassen.
Das neue Laborjournal hat rechtzeitig zum 25. Geburtstag eine ganze Reihe interessanter Artikel – herzlicher Glückwunsch!
Ein buntes Allerlei, unter welch prekären Bedingungen fetales Kälberserum gewonnen wird (Lindl), zur Spezifität von Antikörpern (Odenwald), RNA Editierung (Stafforst) hin zu mehr theoretischen Essays, wie man Tierversuchsgegegner überzeugt (Grüninger), Überleben einer Doktorandin in der Replikationskrise (Tkotz), hin zur Großwetterlage der Biotechlandschaft (Heinrich). Überzeugend vor allem das Plädoyer der Genommedizin, nicht komplett den Anschluss zu verlieren Krawczak) in der Neuaufstellung der Medizin (Kroemer). Ebenfalls gut beobachtet: die Unfähigkeit der Protagonisten und Defizite des Wissenschaftsjournalismus in der NO2 Diskussion (Günther). Drei der Essays sind aber besonders herausragend: Bildung und Freiheit (Pfeilschifter) Disruption der Forschungsförderung (Heller, Rümpel) Metrik-Wahn (Morgenstern)
Eigentlich ist ja nichts daran wirklich neu, aber so konkret auf den Punkt gebracht, sind die Essays im deutschen Sprachraum einzigartig.
Freiheit wird meist nur im Kontext einer grundgesetzlich garantierten Forschungsfreiheit zitiert, meist nur salbungsvoll an hohen Festtagen. Pfeilschifter und Wicht zitieren Adorno (dessen 50. Todestag sich gerade jährt)
… in seiner ätzenden „Kritik der Halbbildung” von 1959 [schreibt]: „Das einzige Maß des heutigen Schlechten ist das frühere.” So geht das, gut negativ- dialektisch. Natürlich war früher nicht alles besser, sondern nur anders schlecht … Karl Jaspers besitzt noch 1946 die – aus heutiger Sicht – Frechheit, gleich dreien der vier klassischen universitären Fakultäten das wissenschaftliche Fundament abzusprechen, indem sie nicht frei seien, sondern Zwecken dienten. Zweck der Medizin sei das Leibeswohl, das der Theologie das Seelenheil, der Zweck der Juristerei sei es, ein wohlgeordnetes Staatswesen mit Rechtsexperten zu versehen – einzig die philosophische Fakultät sei zweckfrei, und daher rein wissenschaftlich. Jenseits des Zwecks aber – was ist das, diese akademische Freiheit? Erneut Jaspers, krass formuliert und ex negativo gedacht: Es ist auch die Freiheit des Scheiterns. Man muss scheitern können. Als Forscher. Als Student. Heutzutage jedoch – Studierbarkeit, Minimierung der Abbrecherquoten, alle möglichen staatlichen Eingriffe, mit dem Ziel: jedem sein Zertifikat. Die Scheiternsquote im Medizinstudium liegt bei weniger als zehn Prozent. Ist ein Studium, das jeder bestehen muss, noch frei? Ist ein Forscher, in dessen Zielvereinbarung soundso viele Impact- Punkte stehen, noch frei?
Noch detaillierter Ihre Kritik dann am Ende
Universitäten sind keine Nivellierungs-, sondern Differenzmaschinen, das ganze Bildungssystem ist eine. Natürlich ist Chancengleichheit herzustellen. Aber ebenso, wie der Satz „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich” (Artikel 3 des Grundgesetzes) nicht besagt, dass alle Menschen gleich seien, sondern vielmehr sogar impliziert, dass das Gesetz sie ungleich macht, indem es sie in die scheidet, die ihm genügen, und jene, die es übertreten, so tritt der Mensch auch nicht vor seine Bildungsmöglichkeiten, um gleichgemacht zu werden, sondern um zu erfahren, wer er sei, was sein empirischer Charakter sei. Wer alle überallhin inkludierend mitnehmen will, leugnet die Individuation, es ist vielmehr ein totalitäres Unterfangen.
Heller und Rümpel beschreiben in dem folgenden Essay den Versuch, die Forschungsförderung von Output auf Outcome Orientierung umzustellen und – das wusste ich nicht – dass es die partielle Lotterie bei der Volkswagenstiftung schon gibt.
Morgenstern findet die Idee, wissenschaftliche Leistung quantitativ zu bewerten, merkwürdig. Man kann ja nur gleiche Merkmale miteinander vergleichen und was ist bei Forschung schon ein gleiches Merkmal?
Welche gemeinsame messbare Eigenschaft aber können verschiedene wissenschaftliche Leistungen haben? Ein wissenschaftliches Ergebnis ist seiner Natur nach etwas prinzipiell Neues – jedenfalls dann, wenn es um Wissenschaft im eigentlichen Sinn geht, also um Grundlagenforschung. Dass Entdeckung A doppelt so gut oder doppelt so groß wäre wie Entdeckung B – ein solcher quantitativer Vergleich wäre selbst innerhalb einer wissenschaftlichen Teildisziplin absurd, und erst recht zwischen verschiedenen Disziplinen. So, wie sich die Resultate verschiedener wissenschaftlicher Tätigkeiten nicht zahlenmäßig vergleichen lassen, weil sie eben kein gleiches Merkmal haben, das sich messen ließe, so lassen sich auch die Forschungsleistungen nicht quantitativ vergleichen, die diese – grundsätzlich nicht vergleichbaren – Resultate zustande bringen. Der Versuch, wissenschaftliche Leistungen quantitativ zu messen, ist daher ziemlich widersinnig…
Auch hier gehen die zuständigen staatlichen Stellen offenbar davon aus, dass niemand irgendetwas aus eigenem Antrieb tun würde – womöglich aus Interesse an der Sache, oder weil man ihre Notwendigkeit einsehen würde. So sind Wissenschaftspolitiker darauf verfallen, Forschungsmittel nicht mehr einfach zur Verfügung zu stellen, sondern Systeme von Belohnungen und Schikanen einzuführen, um Forschende und Lehrende ordentlich auf Trab zu bringen – von selbst tun diese Faulpelze ja nichts.
Es ist schon lange her, dass ich Eccles & Popper “Das Ich und sein Gehirn” gelesen habe, irgendwann Ende der 70er Jahre?
Den interaktionalen Dualismus fand ich überzeugend, auch wenn es dafür keinen wirklich nachvollziehbaren Mechanismus gab.
Es gibt somit gute Gründe, das neue Buch von Lagercrantz “Die Geburt des Bewusstseins” anzusehen. Von den vielen Modellen hat es Lagercrantz vor allem Baars‘ Global Workspace Theory angetan
6.3. Es gibt verschiedene theoretische Modelle des Bewusstseins. Bernard Baars formulierte die Theorie, dass es im Gehirn einen sogenannten globa- len Arbeitsraum für das Bewusstsein gibt (Global Workspace Theory), und bediente sich dabei der Metapher des Theaters. Dahinter verbirgt sich die Idee, dass es einen globalen „Bühnenbereich“ gibt, in dem eine Art Synthese zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft stattfindet. „Derhelle Fleck, den ein Scheinwerfer in einem dunklen Theater auf die Bühne wirft, steht für die Verknüpfung verschiedener Sinneseindrücke zu einem einzigen bewussten Erlebnis“). Alles andere, wie zum Beispiel die Menschen, die im Publikum sitzen oder hinter den Kulissen arbeiten, ist unbewusst. Doch es gibt auch Faktoren wie den Regisseur und das Drehbuch, die „den Inhalt des Bewusstseins formen, indem sie den Schauspielern im Rampenlicht vorgeben, was diese sagen sollen“
Wie das alles zur jüdisch-christlichen Anthropologie und dem Leib-Seele Dualismus passt? Ein fiktives Theaterstück? Das erinnert zunächst mal an Ijob, dem vor allem in der Himmelsszene der Satan immer wieder seine Frömmigkeit bezweifelt.
Auch wenn ich Daniel Dennetts biologistischer Sicht wenig abgewinnen kann, sein Ausspruch dass der “menschliche Geist so etwas wie eine sequentielle virtuelle Maschine, die – ineffizient – auf der parallelen Hardware implementiert ist, die uns die Evolution beschert hat“ könnte doch eine gute Umschreibung des Leib-Seele-Problems sein. Sie lässt sowohl Hirnphysiologen Raum zur Exploration, erlaubt gleichzeitig aber auch den Geisteswissenschaften den Freiheitsraum, um ihre Vorstellungen zu entwickeln. Die wichtigste Frage einer Philosophie des Geistes bleibt allerdings: Wo findet die Verschränkung statt? Bestimmt nicht in der Epiphyse wie Descartes meinte. Aber sie müsste doch nachweisbar sein, irgendwo als biologischer oder physikalischer Ort. Ein Ort, der irgendwann in der Entwicklung des Kindes entsteht – wie bei Lagercrantz beschrieben – dsyfunktional im Schlaf, kurzfristig störbar durch Hypoxie, längerfristig gestört bei Narkose, Manie, Depression oder Schizophrenie und irgendwann abgeschaltet im Tod.
Aber nehmen wir Dennetts Idee auf und schauen wir uns die Implementierung einer virtuellen Maschine (VM) auf einer beliebigen Hardware an
Typischerweise können Gastbetriebssysteme und Programme nicht erkennen, ob sie auf einer virtuellen Plattform ausgeführt werden – solange sie von der virtuellen Maschine unterstützt werden. Die Software kann genauso eingesetzt werden, als ob sie auf einer physischen Serverhardware installiert wäre. Zum Beispiel kann an das Gastbetriebssystem eine physische Festplatte erkennen. Die tatsächlichen I/O-Anfragen werden aber durch die Virtualisierungs-Schicht übersetzt und in eine Datei umgeleitet, auf die das Host-OS Zugriff hat.Virtuelle Maschinen bieten zahlreiche Vorteile gegenüber der direkten Installation von Betriebssystemen und Software auf der physischen Hardware. Die Isolation gewährleistet, dass Anwendungen und Dienste, die innerhalb einer VM laufen, das Host-OS oder andere VMs nicht beeinträchtigen. Virtuelle Maschinen können problemlos verschoben, kopiert und zwischen Host-Servern neu zugeteilt werden, um die Hardware-Ressourcen-Auslastung zu optimieren.
Wo könnte die Virtualisierungsschicht des biologischen Virtual-Machine-Monitors sein? Wenn dieser software basiert ist, dann erübrigt sich die Suche nach den Kontaktpunkten. Allerdings käme man darüber sehr schnell zu Seelenwanderung und anderen parapsychologischen Phänomenen. Wenn das VVM Interface allerdings hardware basiert ist – dann wäre ein VVM Konzept des Bewusstseins testbar. Etwa Halothan einatmen und dann mit Femtosekunden-Spektroskopie nachsehen, ob es vielleicht Ähnlichkeiten mit dem einzig bisher biologisch bekannte Verschränkungssystem, demLichtsammelkomplex, gibt. Anatomisch scheint mir aber alles aber noch recht unklar, hier nochmal Lagercrantz, S.93
Pennfield und Jackson hatten jedoch bereits angezweifelt, dass sich das Bewusstsein nur im zerebralen Cortex befindet. Sie fanden heraus, dass auch Patienten ohne Cortex zu einem gewissen Grad über ein Bewusstsein verfügen. Seit einigen Jahren wird diese These von Björn Merker unterstützt, der Kinder mit Hydranenzephalie und Anenzephalie untersuchte.
But eventually I began to see how disinformation networks were warping online conversations and global political discourse, and I changed my research focus. Years later, the sorts of misconceptions that had led me to discount disinformation continue to hamper responses to the threat.
Perhaps the most common misconception is that disinformation is simply false information. If it were, platforms could simply add ‘true’ and ‘false’ labels, a tactic that has often been suggested. But disinformation often layers true information with false — an accurate fact set in misleading context, a real photograph purposely mislabelled. The key is not to determine the truth of a specific post or tweet, but to understand how it fits into a larger disinformation campaign…
Historically, manipulating journalists was a primary strategy. Now, social-media platforms have given voice to new influencers.
this happens also in science despite fact checking, peer review and meta-analysis.
Reminder to myself: Start a collection of scientific myths, their gurus and how they came to an end
Hans Albert behauptet, dass jegliche Versuche für eine Letztbegründung scheitern müssen bzw. ins Münchhausen-Trilemma führen. Das Münchhausen-Trilemma bedeutet, dass jeder Versuch des Beweises eines letzten Grundes zu einem von drei möglichen Ergebnissen führt, entweder
zu einem Zirkelschluss, (die Conclusio soll die Prämisse beweisen, benötigt diese aber, um die Conclusio zu formulieren)
zu einem infiniten Regress (es wird immer wieder eine neue Hypothese über die Begründbarkeit eines letzten Grundes formuliert, die sich jedoch wiederum als unzureichend erweist oder wieder in einen Zirkel führt
zum Abbruch des Verfahrens an einer bestimmten Stelle und der Dogmatisierung der dortigen Begründung