Category Archives: Philosophy

Homo hominem lupus

Der BILD Blog hat eine fiese Zusammenstellung von Leserreaktionen auf die Flüchtlingsberichterstattung. Offensichtlich haben wir nur eine sehr dünne Zivilisationsschicht, ein Wolf ist der Mensch dem Menschen, kein Mensch, wenn man sich nicht kennt.

Erschreckend ist jedenfalls auch, was Kilian Kleinschmidt, der ehemalige Leiter des  Flüchtlingslager Zaatari an der syrisch-jordanischen Grenze mit mehr als 100 000 Bewohnern, zu berichten hat. Er beschreibt in einem neuen Buch die Menschen im Lager als hochgradig aggressiv. Continue reading Homo hominem lupus

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.02.2026

Gene Doping using CRISPR/Cas

After some first  experiments in human embryos, there is a new Chinese paper in the Journal of Molecular Biology showing that also gene doping is possible in mammals.  Myostatin deficiency otherwise leads to some really impressive super strength children while it is now possible to knockout this gene artificially.  Hopefully the WADA will test for myostatin gene activity in Rio 2016!
Addendum 4 Dec15: An International Summit Statement On Human Gene Editing says

It would be irresponsible to proceed with any clinical use of germline editing unless and until (i) the relevant safety and efficacy issues have been resolved, based on appropriate understanding and balancing of risks, potential benefits, and alternatives, and (ii) there is broad societal consensus about the appropriateness of the proposed application.

Both conditions are unlikely to be ever met.

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.02.2026

Warum wir forschen

Der  US-amerikanische Sozial- und Verhaltenspsychologe David McClellan (zitiert in brandeins.de/archiv/2015/faulheit/die-arbeit-der-anderen) hat bereits in den Sechzigerjahren in seinem Buch „The Achieving Society“ drei Dinge ausgemacht, deretwegen sich Menschen im Beruf anstrengen:
1. Bedürfnis nach Erfolg (achievement)
2. Gestaltungsmacht (power)
3. Zugehörigkeit (affiliation)
Und wen was antreibt, kann dann auch im empirischen Längsschnitt abgelesen werden:

Der Wille zur Gestaltung wird aber ab Mitte der Karriere immer wichtiger. Die Machtbesessenen überholen dann diejenigen, die vor allem der persönliche Erfolg treibt …
Am schlechtesten schneiden diejenigen ab, die nach Zugehörigkeit streben … der Wunsch, gemocht zu werden, ist bei Machtspielen ein Wettbewerbsnachteil.

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.02.2026

Tue Gutes und rede ständig darüber?

Werner Hosemann, Greifswald, hat anlässlich eines HNO Kongresses am 13. Mai eine bemerkenswerte Rede gehalten “Tue Gutes und rede ständig darüber? Anmerkungen zur Systemkollision von Ökonomie und Medizin”, Quelle HNO Informationen 3/2105, 102, hier in Auszügen:

In nahezu jedem Krankenhaus stecken Einnahmequellen, die nicht genutzt werden. Täglich werden dort zahlreiche Leistungen erbracht, die sich vermarkten ließen oder mit denen sich ein Haus gegenüber dem Wettbewerb profilieren könnte. Diese Leistungen sichtbar zu machen und zu kommunizieren, ist eine der wesentlichen Aufgaben von Krankenhausmarketing
[…]
Eine Marketing-Offerte steht zu dieser therapeutischen Offerte in einem deutlichen Spannungsverhältnis
[…]
Exemplarisch mache ich auf vier Folgen aufmerksam:
– Das Arzt-Patient-Verhältnis wird zum ökonomischen Tauschverhältnis, der Patient wird Kunde.
– Die Konkurrenzfähigkeit einer Klinik wird zum Kriterium der Güte.
– Der Arzt wird mehr und mehr vordergründig Teil in einem Wirtschaftsbetrieb.
– Die öffentliche und interne Kommunikation ändert sich.
Zum Patienten als Kunden stelle ich mit Kick fest:
– Der Status des Kunden ist frei bestimmbar – der Status des Patienten nicht.
– Zielwert eines Kunden ist eine Anforderung – Zielwert eines Patienten eine Entlastung.
– Im Zentrum der Interaktion mit dem Kunden steht die Darlegung von Interesse und Bedarf – beim Patienten die Objektivierung der Befundlage.
Ich wage zu behaupten, dass der Patient abseits der wunscherfüllenden Medizin in der überwiegenden Anzahl seiner Eigenschaften und in multiplen sozio-psychologischen Dimensionen definitiv kein Kunde ist. Die Marktbeziehung ist gerade für ernsthaft Kranke nicht geeignet.
[…]
Bei einer Umfrage unter Chefärzten für Chirurgie im Jahr 2011 wurde an vierter Stelle der subjektiven Belastungen dieser Chefärzte, d.h. nach bürokratischer Belastung, Personalknappheit und Problemen mit dem Arbeitszeitgesetz eine „Respektlosigkeit der Geschäftsleitung im Umgang mit dem Chefarzt” angegeben.
In diesen Gegensätzen spiegelt sich die Ambivalenz der Maxime „Tue Gutes und rede darüber” – es können mehrere alternative Positionen in Theologie und Philosophie zitiert werden:
– Im Matthäus-Evangelium 6, 1-2 steht: „Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen … Wenn du Almosen gibst, lass es also nicht vor dir herposaunen, wie es die Heuchler tun …, um von den Leuten gelobt zu werden …”.
– Im gleichen Sinn fordert der zeitgenössische Islamist Gülen: „Tue Gutes und lasse es wirken”.
– In der historischen Philosophie selbst findet man ähnliche Maximen: nach Kant’s deontologischer Ethik „muss man gut sein und das übrige erwarten”…
Werbende Darstellungen fördern grundsätzlich die allgemeine Ansicht, dass es gute und schlechte Ärzte gibt. Sie führen über längere Frist zu einem „Produktionsverständnis in der Medizin”.

Mit Kick ist dabei Hermes Andreas Kick gemeint der bereits 2006 im Ärzteblatt das auf den Punkt brachte

RollenaspektPatientKunde
Anthropologische BeziehungskonstellationNot-Hilfe-BeziehungGeschäftsbeziehung
Statusnicht frei bestimmbarfrei bestimmbar
MotivationKrankheit: NotBedarf: Wunsch
Aktualisierungnicht können könnennicht wollen wollen
Freiheitsgradekrank, abhängigmündig, autonom
ZielwertEntlastungAnforderung
EthikSchonung / Privilegien des PatiententenGleichheit / Fairness der Partner

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.02.2026

4000 Euro Kopfprämie

NRW zahlt in Zukunft eine 4000 Euro Prämie an die Universitäten für jeden bestandenen Absolventen. Nicht von ungefähr ist NRW nun auch Nehmerland im Bundesfinanzausgleich. Damit werden also nun die letzten NRW Studienabbrecher zum Abschluss gebracht, denn welche Uni wird sich wohl die Prämie entgehen lassen? Vielleicht müssen sich Personalchefs nun Köln, Bielefeld, Bochum, Bonn, Dortmund, Düssseldorf, Duisburg, Essen, Münster, Siegen, Paderborn, Wuppertal, Aachen und Witten/Herdecke merken. Dabei liegen dem Studienabbruch doch oft handfeste Ursachen zugrunde, die sich nicht mit einer Kopfprämie für die Unis beeinflussen lassen: Änderung des Interesses, nachgelassene Motivation, schlechte Berufsaussichten, finanzielle Schwierigkeiten oder ganz einfach Leistungsüberforderung (zu sehen auch in dem zuletzt vorgestellten Report “Gesundheit von Studierenden“).

Vielleicht sollte das NRW Ministerium mal das Stichwort Überakademisierung googeln (oder auch Bildungsprekariat). Denn die falsche Nutzenschätzung eines Hochschulstudiums zieht einen Rattenschwanz an Problemen hinter sich her von Nivellierung der Ausbildung bis zum Wertverlust des Abschlusses. Eigentlich noch viel wichtiger ist der unwiederbringliche Verlust vieler Handwerksberufe – alles auch bei Nida Rümelin, Akademisierungswahn, nachzulesen. Und selbst die Bundesbildungsministerin “findet die Lage von Nida-Rümelin korrekt beschrieben”.

Dabei kann man doch die Abbrecherquote mit weitaus sinnvolleren Mitteln senken: Continue reading 4000 Euro Kopfprämie

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.02.2026

Der missgünstige Gutachter

Academics hat einen längeren Beitrag über diese Spezies. Beliebt ist in der Tat die “Too Hot or Too Cold”-Methode: Ein DFG Gutachter schreib mir mal, ich sei noch nicht durch Forschung auf dem anvisierten Gebiet hervorgetreten. Dabei ist das doch eigentlich kein Ablehnungsgrund, sondern ein Zeichen für Innovationsfreude. Bei Academics liest es sich dann jedenfalls so

Der Gutachter sucht im Antrag einen Aspekt, der besonders stark vertreten ist und beklagt dann vehement, dass der gegenteilige Aspekt zu schwach betont wird. Das könnte so aussehen:
Theorie vs. Praxis: “Der Antrag hat einen eindeutigen Schwerpunkt in der Theorie (Praxis). Leider kommt die praktische (theoretische) Perspektive viel zu kurz.”
Zu wenige vs. zu viele Beispiele: “Der Antrag enthält zu wenige Beispiele, um die Absichten klarzustellen./Der Antrag enthält zu viele triviale Beispiele, welche den Lesefluss und die Verständlichkeit behindern.”
Zu wenige vs. zu viele Experimente: “Das Arbeitsprogramm sieht zu wenige praktische Experimente vor; die Evaluierung steht somit auf sehr tönernen Füßen./Das Arbeitsprogramm besteht im Wesentlichen aus Fingerübungen; Konzeption und wissenschaftliche Diskussion kommen viel zu kurz.” …

Die Methode scheint also doch System zu haben…

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.02.2026

Crispr/Cas9, gesprochen Krisper-Kas-nein

Die SZ hat – Freudscher Versprecher – über Krisper-Kas-nein geschrieben. In der Tat ist das ein problematisches Thema wobei wir über die chinesische copy-cats nicht übermässig viel wissen.

 

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screen

Es gibt viele Ethiken, weil es viele Situationen gibt.  Eine ernstzunehmende Gentherapien des Embryo hat allerdings noch nie jemand zuvor avisiert. Sollte hier wieder eine Gesinnungsethik bestimmen? Oder nicht doch veritatis splendor? Wir werden es teuer bezahlen müssen, wenn hier etwas schief geht.

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.02.2026

Science Spam

As a scientist you are spammed by lab vendors, congress chairmen and journal editors. Here is a selection of the spam that I received during the last 24 hours, all “journal” titles that I have never heard before.

 


Journal of Clinical and Experimental Otolaryngology (Seoul, Korea)

Bildschirmfoto 2015-04-19 um 09.17.00

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CC-BY-NC Science Surf accessed 20.02.2026