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Wirklich innovative Studien (6000 Tote XXI)

Statt sich in uferlose NO2 Diskussionen zu verheddern, habe andere Forscher wie Junkermann wirklich innovative Projekte gemacht.

Es stellt es sich jedenfalls nun immer mehr heraus, wie groß doch die methodischen Schwächen der NO2 Szene im Outdoor-Bereich sind und welche Defizite es im Indoor Bereich gibt: Nach meiner Information gibt es nicht eine einzige NO2 Mortalitätsstudie, die Gas mit Elektroherd verglichen hätte.

Die ganze NO2 Diskussion ist so akademisch, wie Rollenprüfstand und tatsächliche Emission am Auspuffrohr. Ein Gegensatzpaar wie NO2 Immissionsmessung und Radfahren in der Stadt. Zum Glück gibt es allerdings immer wieder Wissenschaftlern, die ihre Zeit nicht primär in Talkshows verbringen.

Es sind sogar Studien ganz ohne NOMessung, erst diese Woche Cole 2018.

Methods: Participants (n = 38) bicycled for 1 h along a Downtown and a Residential designated bicycle route in a randomized crossover trial. Heart rate, power output, particulate matter air pollution (PM10, PM2.5, and PM1) and particle number concentration (PNC) were measured. Lung function, endothelial function (reactive hyperemia index, RHI), C-reactive protein, interleukin-6, and 8-hydroxy-2′-deoxyguanosine were assessed within one hour pre- and post-trial.

“Wenn Du irgendwo einatmest, denke immer daran wo die Luft vorher war”

Das ist zwar nur eine Kurzzeitstudie, aber man könnte bei Radkurieren jederzeit Langzeitstudien machen…

NO2 Effekte von aussen betrachtet (6000 Tote XX)

Sozialstatus und Mortalität (nach RKI Angaben)

Es ist ja schon verblüffend, welchen großen Effekt der Sozialstatus (gemessen am Haushaltseinkommen) auf die Lebenserwartung bzw. Mortalität hat – hier demonstriert an RKI Daten. Was auch immer die Gründe sind – es ist wohl die Kombination verhaltenskorrelierter Risikofaktoren, von billiger Nahrung, Alkohol, Rauchen, sportliche Inaktivität, Übergewicht, Stress durch Arbeitslosigkeit, Sozialhilfe oder Niedrigeinkommen – ein Teufelskreis.

Mortalitätsstudien, die den Sozialstatus aber nicht auf individueller Ebene berücksichtigen, sind nicht sonderlich beweiskräftig. Schaut man sich die Supplement Tabelle von Cesaroni 2013 an und plottet hier Sozialstatus, dann gibt es hier enorme Effekte für die nur gruppenweise adjustiert wird (da es eine ökologische Studie ist).

ds = data.frame( matrix(
  c(7.4,20.2,23.1,27.3,21.0,
    12.6,17.9,21.2,22.6,27.5,
    17.8,17.9,19.0,20.0,25.6,
    30.9,19.3,19.0,15.6,17.1,
    31.2,24.8,17.7,14.4,8.8),
  nrow=5, ncol=5, byrow = TRUE), 
  stringsAsFactors=FALSE)
names(ds) = c("<37","<43","<46","<50","50+")
ds = cbind(stack(ds),rep( c("1 very high", "2 high", "3 medium", "4 low", "5 very low"), 5))
names(ds) = c("pct","NO2","SES")
fill = c("#5F9EA0", "#E1B378")
ggplot(aes(x=NO2,y=pct, fill=SES), data = ds) + geom_col() + clean_theme(base_size = 25) + scale_fill_brewer()
Auffällig an den Cesaroni 2013 Daten: Der sozioökonomische Status nimmt mehr oder weniger ab in Gegenden mit höheren Verkehrsströmen. Ist das ein Datenfehler?

Das Hautproblem der Umweltepidemiologie auf einen Punkt gebracht: die Evidenz der ganzen ökologischen Studien ist gering.

Die neuesten Meta-Analyse von NO2 und Mortalität ist zum Glück nicht ganz so oberflächlich. Was passiert, wenn man die Studien nach Qualität auftrennt – sprich ob sie individuell adjustieren oder nicht?

Das Ergebnis ist eindeutig: Mit individuelle Adjustierung löst sich der NOEffekt in Luft auf.

Dazu kommt: die Assoziation ist sehr heterogen zwischen den Studien, sprich sie ist nicht reproduzierbar.

Und das ist die neueste Datenbasis, neuer als REVIHHAAP.

NO2 Effekte von innen betrachtet (6000 Tote XIX)

Meine langjährige Ko-Autorin D. Jarvis schrieb vor 20 Jahren

More than half of British homes use gas as their cooking fuel and even a small risk associated with either acute or chronic inhalation of the by-products of gas combustion— such as other nitrogen containing species, formaldehyde, sulphur dioxide and particulates—would have a substantial influence on public health. Surveys have been performed to assess these risks, variably defining exposure by the presence of a gas cooker in the home or by direct measures of related pollutants. Results from these surveys are remarkable by their lack of consistency. While some large and powerful cross sectional studies have found no association of the presence of a gas cooker or level of indoor nitrogen dioxide  with respiratory disease in children, others report an increased risk of lower respiratory illness.

Wir reden dabei über hohe NO2 Werte, hier ein Beispiel aus einer Schweizer Versuchsküche, wo längere Zeit die 100 µg/m3 überschritten werden.

Schauen wir uns also eine europäische Studie dazu an, ebenfalls von D. Jarvis. Hier gab es keine messbaren Effekte bei der Lungenfunktion durch Kochen auf Gas. In der Gruppe der Frauen (die wohl mehr kochen als Männer, zumindest vor 20 Jahren) gibt es auch kein signifikantes Resultat wenngleich gerade ein Effekt sichtbar wird. Sehr heterogene Ergebnisse, Groningen und Cambridge sollten vielleicht besser lüften?

Kochen an sich produziert natürlich auch Emissionen, egal ob elektrisch oder auf Gas gekocht wird.
NO2 alleine kann man den Effekte natürlich nicht zuschreiben, die Essensdämpfe von “fish & chips” in Dublin sind mit den Emissionen von “DDR”-Hausmannskost in Erfurt nicht vergleichbar.

Aber eigentlich suchten wir ja Mortalitätsdaten für “Innenraum” NO2. Irgendwie scheint das Interesse an dieser Frage aber sehr gering zu sein. Das Thema ist wohl nicht so spektakulär, dass man hier täglich Interviews geben könnte.

Die Mortalität bei Köchen zu untersuchen macht wenig Sinn, obwohl sie bei den Berufsgenossenschaften ganz oben in der Statistik liegen: wohl weniger wegen der Messer oder wegen des Feuers, sondern wegen Stress in Verbindung mit Alkohol und Rauchen, sagt jedenfalls Christian Rach, der es wissen muss.

Aber halt, hier ist doch noch eine Studie zur Mortalität, sogar recht neu und in Circulation veröffentlicht.

Cox proportional hazards models revealed an increased risk for all-cause mortality associated with kerosene/diesel use (10-year HR 1.06, 95% CI 1.02-1.10) relative to other fuel uses, in the multivariable-adjusted model. Natural gas burning, relative to other fuel uses, was associated with lower risk for death (10-year HR 0.95, 95% CI 0.91-0.98).

Damit wissen wir aber auch nicht viel mehr, weil nicht Gas- gegen E-Herd verglichen wird. Kerosin oder Diesel ohne Filter verbrennen? Die Autoren diskutieren ihre Ergebnisse damit auch nur als Partikelstudie.

Zusammengefasst: Es gibt epidemiologisch keinen Support für eine isolierte NO2 Gesundheitsschädigung im Bereich unter 100 µg.

Was allerdings nicht dagegen spricht, die cleancookingalliance.org voll zu unterstützen.

Alternativen zur NO2 Messung (6000 Tote XVI)

Gibt es Alternativen zur NO2 Messung? Ich bin weder Schadstoffchemiker noch Statistiker, finde aber, daß man sich wegen der vielen technischen Probleme bei der Immissionsmessung mehr auf die Emissionsmessung konzentrieren könnte. Die Höhe von Schornsteinen ist ja auch reglementiert.

Jedes Fahrzeug mit Verbrennungsmotor bläst an einem definierten Ort, bei definierten Verbrauch, bekannter Motorleistung und Abgasfilterung, ein definiertes Schadstoffgemisch aus. Den Schadstoff-Ausstoss kann man in Echtzeit summieren (RDE, “real driving emission”) für eine Strasse, einen Stadtteil, oder eine Stadt. Und wenn man Temperatur, Feuchte und Wind weiss, dann kann man aus der Emission auch die Immission in der Umgebung abschätzen. Denn im Unterschied zu früher sind Fahrzeugbewegungen messbar. Bei manchen PKW ist die Positionsübertragung nicht mal abschaltbar, andere sind über die Smartphone Bewegung sichtbar, und dann gibt es auch noch flächendeckend Mautkameras (wer auf Datenschutz Wert legt, muss sowieso Fahrrad fahren). Ein Grid von Minirechnern an Laternenmasten kann jederzeit die aktuelle Emissionssituation über Kameras ermitteln und an einen zentralen Verkehrsrechner schicken (Karlsruhe wird das wohl nicht erlauben). Oder man macht die Plaketten einfach etwas intelligenter, als nur von grün nach blau, da spricht sicher nichts dagegen.

Entwurf: Maschinenlesbare Umweltplakette (alle Rechte frei gegeben)

Damit könnte man, wie auch beim Klimaschutz, Emissions-Höchstgrenzen für kleinräumige Regionen festlegen und Autofahrer dynamisch nach Fahrten in regionalen Emissionsgebiet zur Kasse bitten. Einen Malus gibt es vor allem für Gegenden, wo viele Menschen wohnen. Also alles was gelb markiert ist auf der UBA Karte von 2016.

Also nicht primär nach Hubraum und Literverbrauch besteuern, sondern danach, wo die Abgase produziert werden.

Wer diesen Vorschlag schräg findet: Ich muss in München auch mehr Haftpflichtversicherung bezahlen als in Fürstenfeldbruck.
Und wer das Verfahren übertrieben findet: Eine City Maut würde es auch tun. London verlangt ab 11,50 Pfund pro Tag für die Einfahrt – also 15 € /Tag für jedes Auto, das sich innerhalb des Mittleren Rings aufhält.

Zu den teuren Mieten in München kämen dann auch noch die höheren Autokosten. Damit wird der weitere Zuzug nach München etwas gebremst, München wird wieder bezahlbarer für alle, die nicht unbedingt ein eigenes Auto fahren wollen. Pendeln geht natürlich weiterhin, wird aber sehr viel teurer werden. Der Mittlere Ring und die A99 werden wieder staufrei, wenn das Fahren dort mehr kostet mit dem Nebeneffekt, dass damit auch Emissionen vermindert werden. Ausweichrouten machen somit auch keinen Sinn, weil sich dann nur das Emissionsgebiet verschiebt. H Kennzeichen? Pendlerpauschale? Fimenwagen Privileg? Rasen ohne Limit? Betrügereien bei den Emissionwerten? Immer grösser, immer schneller ? Luxus aus der Mitte des letzten Jahrhunderts.

Das Verursacher Prinzip ist schliesslich auch fair. Den festen Abfall kann man schliesslich auch nicht überall abladen, warum darf man das bei Abgasen? Nach der jahrelangen Fehlinvestition in den motorisierten Individualverkehr wäre es an der Zeit, endlich Alternativen zu schaffen. Das ist allerdings keine wissenschaftliche, sondern eine politische Forderung.

Die Münchner Luft (6000 Tote XV)

Die SZ berichtet heute

– die Luft in der Landeshauptstadt ist besser als bislang gedacht. An 16 von 20 Messstationen ist der gesetzliche Jahresgrenzwert für Stickstoffdioxid (NO₂) eingehalten worden.
– Modellrechnungen hatten bislang prophezeit, dass die Stickoxid-Grenzwerte an 17 von 19 Punkten überschritten werden.

 

Quelle: https://www.sueddeutsche.de/muenchen/stickstoffdioxid-messungen-muenchner-luft-ist-besser-als-gedacht-1.4309099
Quelle: https://www.sueddeutsche.de/muenchen/stickoxide-soeder-messung-1.4311908

Glückwunsch an die Stadt München, damit wird es keine Fahrverbote geben.

Mein Beileid an die Modellbauer, mal wieder etwas völlig schief gelaufen.

Und mein echtes Beileid an alle Münchner: Die Luft ist weiterhin schlecht (wenn auch besser als der Stachus noch der verkehrsreichste Platz in Europa war): 4x überschritten und 2x nicht angegeben?  Das Langzeit-Mittel von NO2 in gesunder Luft liegt um die 10 μg/m3 NOund nicht bei 40 μg/m3 NO2 , das sollte man nicht vergessen. Höhere Langzeitmittelwerte von NOzeigen zwar eine schlechtere Luftsituation an, 100 μg/m3 ist natürlich schlechter als 10 μg/m3. Aber NOist in dem Konzentrationsbereich 10-1000 nur ein Marker, der nicht isoliert gewertet werden darf.  So verschiebt sich bei Oxidation in der Außenluft das NO/NO2 Verhältnis zu höheren NO2-Anteilen. Isolierte NO2 Werte, wie sie jetzt von der Stadt München herausgegeben, sind in Bezug auf Gesundheitsrisiken nicht besonders relevant und täuschen darüber hinweg, dass die tatsächlichen Emissionen immer noch hoch sind. NO2 schwankt zudem stark zwischen den Jahren. Selbst das UBA sagt, Zitat: “Die Luftqualität unterliegt derzeit mehr oder weniger starken zwischenjährlichen Schwankungen.

Zum Vergleich lese ich hier nochmal meine Daten aus München von 1990 ein. Wer will, kann es selbst nachrechnen.

ds = data.frame( matrix(
c(1,2276,55,22.50,23.00,0.97,42.66,58.00,0.29,3.90,40000,101,2244,32,19.00,30.50,0.86,19.68,50.00,0.42,3.85,43000,102,2275,38,23.00,19.00,1.02,23.47,58.00,0.38,4.75,78000,103,2188,27,18.50,26.50,0.86,23.35,48.00,0.36,3.30,58000,104,2287,39,11.00,35.00,0.76,11.38,54.00,0.39,3.75,41000,105,2262,12,10.00,30.56,0.70,15.63,47.00,0.31,1.97,74000,106,2206,52,9.00,31.50,0.74,16.85,45.00,0.18,2.55,23000,107,2161,47,15.00,27.00,0.83,15.88,53.00,0.38,4.40,22000,108,2136,45,20.00,25.00,1.18,20.76,45.00,0.32,3.96,86000,109,2219,61,8.86,31.71,0.71,14.72,47.00,NA,1.41,13000,110,2133,33,14.00,30.50,0.87,26.32,50.00,0.26,3.20,42000,111,2131,70,7.00,33.00,0.69,12.71,47.00,0.23,3.10,48000,112,2298,56,15.25,25.50,0.91,25.63,47.00,0.24,2.90,97000,113,2279,53,8.67,29.67,0.53,17.49,48.00,0.19,2.30,25000,114,2173,24,11.00,27.50,0.75,20.08,41.00,0.29,2.47,62000,115,2165,26,28.00,21.00,1.11,54.08,49.00,0.27,2.65,42000,116,2139,10,10.20,24.00,0.59,21.55,42.00,0.24,1.80,30000,117,2166,10,11.33,26.00,0.73,18.64,48.00,0.24,1.49,30000,118,2162,7,9.00,25.50,0.73,16.34,52.00,NA,1.28,34000,119,2214,3,8.18,29.64,0.62,13.17,52.00,NA,1.87,54000,120,2277,4,10.57,25.57,0.72,18.50,46.00,NA,1.11,42000,121,2226,14,NA,NA,NA,NA,49.00,NA,1.44,23000,122,2207,11,10.00,34.00,0.81,17.70,56.00,NA,1.49,21000,123,2236,5,5.00,37.00,0.42,12.78,44.00,0.27,1.67,15000,124,2299,117,8.00,29.00,0.51,15.05,51.00,NA,1.24,34000,125,2234,21,12.00,31.50,0.58,19.13,38.00,0.29,1.57,37000,126,2208,30,10.00,24.00,0.92,17.61,53.00,0.37,3.40,23000,127,2246,98,15.33,23.33,0.89,27.95,62.00,NA,2.18,42000,128,2184,97,10.50,32.00,0.82,21.52,52.00,NA,1.83,48000,129,2237,102,7.00,32.00,0.49,19.67,49.00,NA,1.83,20000,130,2220,106,11.00,29.00,1.01,19.13,50.00,NA,1.47,19000,131,2285,105,11.67,24.67,0.70,24.34,50.00,NA,1.31,19000,132,2182,104,10.40,29.80,0.67,20.25,46.00,NA,1.07,9000,133,2212,96,13.00,27.50,0.59,27.01,39.00,NA,2.20,55000,134,2240,41,14.00,24.00,0.82,26.04,40.00,0.23,2.68,7000,201,2192,42,16.00,27.00,0.90,36.38,60.00,0.35,4.80,70000,202,2020,9,8.40,30.60,0.56,15.37,43.00,0.28,2.32,54000,203,2200,114,22.00,19.00,1.28,42.86,43.00,NA,3.20,99000,204,2266,20,7.00,30.00,0.75,10.84,44.00,0.29,2.60,56000,205,2197,NA,NA,NA,NA,NA,NA,NA,NA,NA,206,2223,44,16.00,28.00,0.65,28.28,46.00,0.31,3.50,22000,207,2138,29,15.00,22.00,1.13,28.79,54.00,0.25,3.10,34000,208,2282,36,11.00,28.00,0.72,22.32,46.00,0.27,3.10,17000,209,2265,17,9.50,29.00,0.67,17.84,41.00,0.28,1.99,41000,210,2183,23,14.25,24.75,0.80,27.55,45.00,0.23,2.27,72000,211,2295,13,9.00,31.00,0.57,17.82,49.00,NA,1.06,23000,212,2127,113,11.00,21.50,0.66,22.76,47.00,0.28,3.10,98000,213,2171,116,8.00,23.00,0.63,11.89,43.00,0.17,3.20,99000,214,2134,28,9.33,28.33,0.66,16.19,40.00,0.20,2.14,37000,215,2150,89,16.50,25.00,0.67,32.54,43.00,NA,3.11,32000,216,2284,82,15.00,22.50,0.83,32.21,46.00,0.24,3.03,113000,217,2217,109,15.00,20.00,0.74,30.02,47.00,0.30,3.70,105000,218,2167,90,12.50,23.50,0.98,24.06,37.00,NA,2.25,55000,219,2143,87,15.50,22.00,0.91,32.16,54.00,NA,2.35,54000,220,2243,83,12.67,26.67,0.83,23.12,39.00,0.24,2.27,17000,221,2228,93,12.00,23.00,0.70,24.61,55.00,NA,1.89,25000,222,2148,62,12.00,24.67,0.61,21.69,38.00,0.26,3.00,30000,223,2253,103,8.83,34.00,0.62,15.31,43.00,NA,1.07,44000,224,2235,66,19.00,20.00,1.06,37.33,47.00,0.23,3.05,92000,225,2280,94,11.00,25.00,0.62,20.68,63.00,NA,2.71,54000,226,2140,63,13.00,30.00,0.68,23.37,48.00,0.26,3.30,119000,227,2257,108,13.00,27.00,0.70,30.21,66.00,NA,3.62,96000,228,2186,92,17.00,20.00,0.77,32.86,55.00,NA,3.53,96000,229,2145,95,11.00,25.00,0.58,22.91,56.00,NA,3.53,11000,230,2251,77,19.00,30.50,1.08,19.38,50.00,0.30,3.35,44000,231,2204,101,15.00,29.00,0.75,27.78,54.00,NA,1.95,26000,232,2152,60,14.00,29.00,0.64,14.85,49.00,0.26,3.63,103000,233,2224,76,12.00,25.00,0.75,23.49,49.00,0.18,2.65,46000,234,2255,48,11.00,39.00,0.55,11.23,55.00,0.31,4.30,22000,235,2225,58,24.50,22.00,1.30,34.16,52.00,0.38,3.80,125000,236,2216,74,11.25,29.00,0.75,20.99,47.00,0.24,2.90,47000,237,2444,64,10.67,28.67,0.69,18.14,47.00,0.25,2.80,39000,238,2156,57,7.00,36.00,0.47,14.73,48.00,0.17,2.17,10000,239,2189,86,12.00,23.00,0.63,24.27,56.00,NA,1.87,48000,240,2248,46,11.00,32.33,0.77,16.92,47.00,0.27,3.15,91000,241,2160,91,10.43,29.43,0.73,19.18,45.00,NA,1.41,11000,301,2209,112,18.50,18.50,1.29,35.13,57.00,0.29,3.90,40000,302,2169,40,35.00,18.00,1.71,74.93,56.00,0.39,4.30,40000,303,2292,80,10.00,22.00,0.61,16.78,43.00,0.22,2.63,60000,304,2254,54,20.00,23.00,1.14,27.69,58.00,0.26,4.85,70000,305,2187,72,12.33,29.00,0.76,24.46,47.00,0.22,3.30,125000,306,2213,73,12.67,21.00,0.75,29.03,41.00,0.22,2.85,113000,307,2180,110,15.67,21.00,0.96,29.39,45.00,0.26,2.85,92000,308,2202,111,19.00,16.00,1.20,37.14,52.00,0.27,3.70,36000,309,2193,68,12.80,25.60,0.64,25.64,39.00,0.20,2.33,19000,310,2149,88,14.00,28.00,1.01,20.31,54.00,NA,4.02,45000,311,2194,75,13.00,25.00,0.62,28.08,43.00,0.27,3.10,113000,312,2300,107,15.00,23.00,0.86,32.18,66.00,NA,3.32,96000,313,2264,111,20.00,19.00,1.00,46.56,52.00,0.27,3.70,33000,314,2154,78,11.50,21.50,0.64,25.51,48.00,0.30,3.67,105000,315,2176,84,17.00,18.00,0.77,17.31,52.00,0.30,4.10,44000,316,2301,99,11.00,19.00,0.63,24.74,58.00,NA,3.53,53000,317,2271,65,8.00,34.00,0.58,14.00,43.00,0.20,2.27,19000,318,2164,67,8.50,31.00,0.74,18.32,45.00,0.20,2.35,16000,319,2170,19,9.80,30.40,0.63,16.45,47.00,0.26,2.58,51000,320,2222,85,9.50,30.00,0.64,19.61,54.00,NA,2.39,29000,321,2230,51,10.00,43.00,0.67,17.63,47.00,NA,2.05,10000,322,2268,79,11.00,35.00,0.57,20.64,50.00,0.30,3.54,41000,323,2198,43,9.00,26.67,0.70,16.13,49.00,0.26,3.13,34000,324,2196,69,19.50,26.00,0.99,19.91,50.00,0.23,3.00,125000,325,2141,35,9.00,31.00,0.92,17.24,47.00,0.25,1.90,37000,326,2242,25,12.80,25.80,0.85,28.59,51.00,0.27,2.75,33000,327,2273,34,10.00,33.00,0.57,10.04,46.00,0.29,3.80,86000,328,2260,37,22.00,23.00,1.14,22.95,51.00,0.31,3.80,41000,329,2151,50,9.00,31.00,0.85,9.25,56.00,0.40,4.65,40000,330,2159,100,9.67,26.67,0.68,21.02,53.00,NA,1.89,30000,331,2129,59,7.00,32.00,0.91,12.33,51.00,0.39,3.50,102000,332,2294,49,9.00,32.00,0.81,15.01,44.00,NA,1.27,7000,333,2288,71,14.00,25.00,0.65,14.84,50.00,0.26,3.20,18000,334,2259,118,14.00,27.00,0.61,27.03,51.00,NA,1.02,17000,335,2283,115,14.00,26.33,0.64,29.39,42.00,0.19,3.00,99000,336,2179,22,18.00,22.00,0.88,18.19,44.00,0.34,2.70,97000,337,2158,18,11.50,25.00,0.72,20.14,43.00,0.27,2.60,70000,338,2178,6,NA,NA,NA,NA,51.00,NA,1.05,13000,339,2210,15,NA,NA,NA,NA,47.00,0.26,2.55,16000,340,2229,8,13.00,34.00,0.74,23.98,48.00,0.30,2.80,16000,341,2245,31,14.00,22.00,0.90,27.83,44.00,0.30,3.20,50000,342,2227,16,9.00,28.00,0.57,16.75,47.00,0.27,2.80,31000),
nrow=118, ncol=11, byrow = TRUE), stringsAsFactors=FALSE)
names(ds) = c("SCHULE","ID","SPRENGEL","BENZOL","OZON","CNHM","TOLUOL","NO2","PB","CO","CarsPassing24h")
ggplot(ds, aes(x=CarsPassing24h, y=NO2)) + geom_point(color="blue", size=3) + geom_smooth(method='lm',se=FALSE) + xlim(0,125000) + ylim(35,70) + clean_theme(base_size = 25) + labs( title="Munich 1989/90 by school district", x="cars passing district in 24h", y = expression(NO["2"]) )

NO ging in den letzten 30 Jahren deutlich herunter. Die Werte lagen 1990 praktisch alle noch über 40 μg/m3 NO2.

München 1990: Korrelation von NO2 mit Kfz Duchfahrten pro 24 Stunden nach Schulbezirk. Quelle Wjst 1993 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1678953/

In den historischen Münchendaten gibt es keine Korrelation von NOzu Verkehrszahlen – der Grund warum ich die Auswertung damals mit Verkehrsdaten und nicht mit NOgemacht habe.

München 1990: Korrelation weiterer Luftschadstoff Messwerte mit Kfz Duchfahrten pro 24 Stunden nach Schulbezirk. Praktisch alle weiteren Schadstoffe zeigen eine bessere Korrelation zum Verkehr als NO2., Partikeldaten gab  es 1990  noch nicht. Quelle Wjst 1993 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1678953/

Interessehalber noch eine statistische Analyse (PCA) des Schadstoffgemisches.

rownames(ds) = ds[,1]
ds = ds[,-(1:3)]
p = autoplot(prcomp( na.omit(ds)), colour='CarsPassing24h',shape = FALSE, label.size = 10) + clean_theme(base_size = 25, legend.position="none") + scale_color_gradient(low="green", high="red")
München 1990: Korrelation weiterer Luftschadstoff Messwerte mit Kfz Duchfahrten pro 24 Stunden nach Schulbezirk.

Die Zahlen geben den Schulbezirk an, niedrige KFZ Belastung ist grün, hohe ist rot. Verkehr lässt sich also perfekt mit dem Schadstoffgemisch (PC1) beschreiben.

Bei NOist das nicht möglich. Die Unterschiede von (background) NO zwischen Stadt und Land sind zwar messbar, geben aber keine regionale Auflösung in einem, sagen wir 10 km Grid her.  Die NOMessung hängt sehr vom Messort ab, ist hoch volatil durch Wetter, Klima und v.a. Wind beeinflusst, dazu in dem unteren Messbereich auch toxikologisch nicht relevant. Die NOWerte eignen sich also nicht zur Entwarnung vor Gesundheitsrisiken, aber auch nicht zu Aussperrung von Dieselfahrzeugen (seit 1990 ging die NOEmission um mehr als 50% zurück, ich bin nicht ganz sicher, wie der Plot heute ausfallen würde, ich vermute aber nicht sehr unterschiedlich).

Wie soll die Politik einen solchen Sachverhalt verstehen, den viele Wissenschaftler nicht verstehen? Nach meiner Einschätzung ist das politische Ziel sinnlos, einen isolierten Schadstoffmarker zu senken. Mit weniger NOin der Luft wird allenfalls eine Korrelation beeinflusst, aber nicht das Gesundheitsrisiko. So war es gerade wieder bei einer großen Studie in London.  Als Arzt behandelt man ja auch nicht nur einen Laborwert, sondern einen Menschen.

(wird fort gesetzt)

Wissenschaftsjournalismus (6000 Tote XIV)

Nachdem zu Beginn der Diskussion die FAZ Wissenschaftsredaktion  Öl ins Feuer gegossen hat, versucht sich nun Nina Weber an einer Schadensbegrenzung.

Eine logischen Dekonstruktion könnte in der Tat helfen, leider macht auch Frau Weber den Fehler, Feinstaub und Stickoxide in der Diskussion nicht zu trennen. Aber tun wir mal nun so, als würden wir nur über Feinstaub reden. Hier die beiden Aussagen

Gesundheitsschädliche Effekte von Luftschadstoffen sind sowohl in der Allgemeinbevölkerung als auch bei Patienten mit verschiedenen Grunderkrankungen gut untersucht und belegt.

Stimmt.

Lungenärzte sehen in ihren Praxen und Kliniken diese (durch Zigarettenrauch bedingte) Todesfälle an COPD und Lungenkrebs täglich; jedoch Tote durch Feinstaub und NOx, auch bei sorgfältiger Anamnese, nie.

Stimmt.

Die epidemiologische Untersuchung in Aussage 1 hat mit der klinischen Untersuchung in 2. das Objekt, nämlich die Toten gemeinsam (sagen wir 100.000 im ersten Fall und 100 im zweiten Fall). Nicht gemeinsam ist die Methode. Nicht gemeinsam ist der Schluss, der daraus gezogen wird.

In konträrem Gegensatz stehen in der Logik zwei Aussagen gegenüber, die sich gegenseitig ausschließen, jedoch einen gemeinsamen übergeordneten Gattungsbegriff besitzen. Es gibt zwar hier einen gemeinsamen übergeordneten Gattungsbegriff, womit die Aussagen konträr wären. Bei genauerem Hinsehen widersprechen sie sich aber nicht. Mit der Anamnese bei ein paar Todesfällen kann der Arzt in Schmallenberg das niedrige Risiko nicht erkennen. Allerdings heisst das aber nicht, dass es dieses Risiko nicht gibt, denn er hat keine Methode, ein Risiko zu erkennen, das erst bei 101 Personen zu erkennen gewesen wäre.

Aussage 2 ist also nicht die Negation von Aussage 1. Die Konjunktion ist richtig: sowohl Aussage 1 als auch Aussage 2 ist richtig.

Auf Deutsch, hier reden zwei Menschen aneinander vorbei.

(Abseits von der Logik, gibt es noch mehr Unterschiede, zum Beispiel aus psychologischer Sicht. Aussage 1 ist mehr der Wissenschaft und Abstraktion zuzuorden, Aussage 2 mehr der praktischer Erfahrung. Eine Typologiefrage also, wer nun welcher Aussage primär zuneigt. Und auch politisch gibt es Unterschiede: Der “gesunde Menschenverstand” der Aussage 2 fällt mehr in die Kategorie “das muss man doch mal sagen dürfen”, die vor allem im rechten Spektrum bedient wird).

(Logik für Fortgeschrittene: Auch Aussage 1 beruht auf Modellannahmen und nicht der Wirklichkeit. Was ist dabei “gut” – einem Begriff aus der Ethik? Aussage 2 zu Rauchen beruht auf der geschmähten Methode von Aussage 1, siehe British Doctors Study).

Kommen wir zu Frau Weber zurück: Was sie im Spiegel mit false balance als Erklärungsmodell will, ist gut gemeint. Nur leider bedeutet der Begriff etwas ganz anderes:

False balance, also bothsidesism, is a media bias in which journalists present an issue as being more balanced between opposing viewpoints than the evidence supports. Journalists may present evidence and arguments out of proportion to the actual evidence for each side, or may omit information that would establish one side’s claims as baseless.

“False balance” ist also ein Medienbias, bei dem Journalisten parteiisch sind, nicht objektiv berichten. Also Meta-ebene, nicht Objekt-ebene. Der Spiegel Artikel ist damit selbst zu einem unfreiwilligen Beispiel von “false balance” geworden.

Zurück zum Thema. Wir haben  also zwei richtige Aussagen. Bleibt die Frage: Sind die Aussagen überhaupt relevant? Das darf jetzt jeder selbst entscheiden.

Zur Logik des NO2 (6000 Tote XIII)

Ein sinnfreier Titel. Das sei aber erlaubt in der aktuellen sinnlosen und kontraproduktiven Diskussion.

Herr Köhler hat auf die widersprüchliche Einschätzung des NO2 Effektes im Innenraum und im Aussenraum aufmerksam gemacht. Und in der Tat sagt das UBA zum Innenraum (7. Sitzung des Ausschusses für Innenraumrichtwerte (AIR) am 03. und 04. Mai 2018 in Berlin)

Für eine Ableitung von Langzeitrichtwerten für NO2 in der Innenraumluft liegen aus Sicht des AIR zurzeit keine hinreichend belastbaren epidemiologischen Ergebnisse für NO2 als Einzelsubstanz vor. Im Unterschied zu den Kurzzeitstudien ließ sich aus den Langzeitstudien angesichts der erheblichen Unsicherheiten bzgl. der Expositionsabschätzung und bzgl. der Einflüsse diverser Confounder keine LO(A)EC ermitteln. Aufgrund der Datenlücken kam der AIR überein, von der Festsetzung von Langzeitrichtwerten für Stickstoffdioxid in der Innenraumluft abzusehen. Zur Ableitung eines Kurzzeitrichtwertes II für NO2 in der Innenraumluft geht der AIR von einer LOEC von 0,5 mg NO2/m3 bei Personen mit leichtem Asthma aus. Relevanter gesundheitlicher Endpunkt bei diesen Personen ist eine erhöhte Reagibilität und Entzündung der Atemwege.

Für die permanent hohe Langzeitbelastung im Haushalt z.B. durch Kochen oder Heizung lässt sich also kein erhöhtes Risiko beschreiben.

Für dieselbe permanent hohe Langzeitbelastung im Aussenraum kann man es dann aber doch.

Wo bleibt da die Logik?

Das UBA weiss das im übrigen schon (siehe heise.de, focus.de, umweltbundesamt.de), redet aber die Unterschiede klein mit freiwilliger-unfreiwilliger Exposition (Quatsch: wir atmen immer  unfreiwillig egal ob drinnen oder draussen), besonders empfindlichen Menschen wie Kinder, Schwangere, Ältere, Asthma (die Konzentration schadet immer egal ob innen oder draussen eingeatmet) oder Kurzzeit vs Langzeitexposition (auch Quatsch, denn im Innenraum verbringt man mehr Zeit als im Aussenraum).

Einige Epidemiologen haben heute ein Papier zu ihrer Verteidigung auf den Weg gebracht  “Die Rolle der Luftschadstoffe für die Gesundheit. Eine Expertise im Namen der Internationalen Gesellschaft für Umweltepidemiologie (ISEE) und der European Respiratory Society (ERS)”, das an den Umweltausschuss des Bundestages geschickt wurde. Ist die Epidemiologie so wenig souverän, dass sie sich nun substantiell verteidigen muss?

Eigentlich verfehlt das Papier komplett das Thema , denn es geht nicht um den Sinn epidemiologischer Studien “an sich”, sondern um die 6000 NOToten. Und bei dieser Studie

  1. gibt es einen klaren Widerspruch zu den Innenraumstudien (der Innenraum selbst bleibt völlig unberücksichtigt)
  2. wird ein isolierter Marker herausgezogen, der nur Teil eines Stoffgemisches ist
  3. ist ein ökologischer Fehlschluss wahrscheinlich durch diverse Confounder
  4. ergibt sich ein Bias durch selektive Auswertung neuerer Studien
  5. sowie ein Bias durch das selektiven Reporting der Ergebnisse

was zu einem verlorenen Vertrauen in die wissenschaftliche Unabhängigkeit geführt hat.

Die Argumentation, es gibt keinen sicheren unteren Grenzwert für NO2, weil ich keinen nachweisen kann – heisst doch noch lange nicht, dass es ihn nicht gibt. Es gibt allenfalls keine epidemiologische Methode mit der ich ihn erkennen kann – derselbe Denkfehler wie bei Köhler, der noch keine Tote durch Feinstaub gesehen hat.

Leider steht dazu überhaupt nichts in der “Expertise”. Es steht darin auch nichts mehr von den 6000 NOToten – sie werden still und heimlich begraben.

Und noch etwas fällt auf: Toxikologische Erkenntnisse zu NO2 werden als Beweis für die Schädlichkeit des Gases genommen, obwohl es in dem fraglichen Konzentrationsbereich von 40 μg/m3 NO2 gerade keine toxikologischen Erkenntnisse gibt. Es fehlt die integrative Sicht der Schadstoffe was selbst die WHO 2015 bemängelt

Few existing studies have considered two or more pollutant models, but experts emphasized that, particularly in the context of long-term exposure, the fact that NO2 may represent other constituents in the mixture of traffic-related air pollutants needs to be addressed when reviewing the evidence.

sondern nur Einzelaufzählungen. Auch werden die unterschiedlichen Studientypen weiterhin nicht nach Evidenz gewichtet.

“Wahrscheinlich kausal” ist in meiner Lesart “nicht kausal” und erinnert an den Witz von “ein bisschen schwanger”.

Die NO2 Hauptquelle im Verkehr sind die Dieselfahrzeuge,  das ist unstrittig. Diesel haben aber den Vorteil eines geringeren Verbrauchs, den Vorteil des geringerem CO2 Ausstosses und den Vorteil geringerer Partikelproduktion. Mit dem Aussperren der Diesel sind sogar höhere NO2 und Partikelwerte möglich, wenn Diesel nun gegen hochmotorisiertere Benzinmotoren getauscht werden. Dann wäre die Aussperrung mehr oder weniger wirkungslos bezogen auf die NO2 Hintergrundbelastung.

Der NO2 Streit ist also völlig sinnlos, beschädigt die beteiligten Wissenschaftler und die Umwelt obendrein.

Nur die Autoindustrie profitiert davon, denn von deren Betrug redet nun niemand mehr.

Die echten Toten (6000 Tote XII)

Vergangene Woche hatte eine Klimaschutz-Arbeitsgruppe der Bundesregierung eine Höchstgeschwindigkeit von 130 Stundenkilometern auf Autobahnen empfohlen, daraufhin zeigten sich schnell die seit Jahren etablierten Lager. Verkehrsminister Andreas Scheuer findet, ein solches Verbot sei „gegen jeden Menschenverstand”.

Prompt konnte man dann auch wieder von einer “autobahnbedingten Persönlichkeitsspaltung” (Kuzmany) lesen.

Denn es gibt Studien zu dem Thema. Nicht Ergebnisse einer tumben Hochrechnung, sondern empirische Daten von einem 62 Kilometer langer Abschnitt der A24 zwischen Wittstock und Havelland, auf dem bis Dezember 2002 noch kein Tempolimit bestand. Danach wurde eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 130 km/h eingeführt, worauf sich die Zahl der Unfälle  stark reduzierte.

Auf unbegrenzten Streckenabschnitten wurden mittlere Pkw-Geschwindigkeiten von 137 km/h (4-streifig) bzw. 142 km/h (6-streifig) berechnet. Liegt eine Geschwindigkeitsbegrenzung vor, sinken die Geschwindigkeiten auf mittlere 127/132 km/h bei 130 km/h Höchstgeschwindigkeit bzw. 117/122 km/h bei 120 km/h mittlere Höchstgeschwindigkeit ab.

Die Reduzierung der mittleren Geschwindigkeit war dabei nicht sehr hoch, die Auswirkung auf die Unfälle aber drastisch.

Leider sind die Unfälle nicht weiter aufgeschlüsselt. Aber das sind echte Tote:

Die Meinung der Epidemiologen (6000 Tote XI)

Joachim Müller Jung lässt in der FAZ “unabhängige” Experten zu Wort kommen.

Das „Science Media Center“, das unabhängig von klassischen Medien, Institutionen und Verbänden recherchiert, hat Stimmen internationaler Forscher eingeholt, die – anders als die Verfasser der Stellungnahme – mit der Erforschung der Gesundheitsgefahren von Luftschadstoffen befasst sind.

Unabhängig von klassischen Medien, wie geht das? Und Position beziehen, bereits im ersten Satz? Ich gehöre nicht zu den Unterzeichnern der Stellungnahme, aber natürlich haben viele der Unterzeichner auch zu Luftschadstoffen gearbeitet.

Trotzdem solle es jetzt nicht zu Wissenschaftsjournalismus gehen, sondern zu den Experten aus der Umweltepidemiologie. Ganz so unabhängig sind sie nicht wie angenommen, denn sie bekommen ihre Flugkosten, Vortragshonorare und Arbeitsgruppen nicht von der Autoindustrie bezahlt (was man gerade den Ärzten vorwirft), sondern von EU, WHO, BMBF oder UBA (vielleicht kann jemand mal die CO2 Bilanz der WHO Experten recherchieren?).

Und natürlich gibt es auch da ein Gefälligkeitsrecycling: das UBA braucht Positivergebnisse zum Existenznachweis. Was soll das Amt auch mit Negativberichten anfangen? (Das UBA könnte auch mal offen legen, warum es gerade eine bestimmte Arbeitsgruppe fördert). Eine unvoreingenommene Zusammenfassung des Berichtes wäre schliesslich auch gewesen “Es gibt keine erhöhte Mortalität”. WHO, EU und EPA raten davon ab, für NO2 Mortalitätsziffern zu publizieren, warum macht das dann das UBA?

Statt zu deeskalieren, die vielen Fehler des UBA Reports einzuräumen, gehen die Umweltepidemiologen nun  in den Gegenangriff. Sie merken nicht, dass sie damit in einen Skandal schlittern, der dem Epidemiologie Skandal vor 20 Jahren um nichts nach steht. Epidemiologen sind schon immer gern gegen die Toxikologen zu Felde gezogen (im Endeffekt geht die Diskussion ja auch um den Konflikt beider Disziplinen – erinnern wir uns an die Kritik der Affentests).

Die Toxikologie ist das ältere und wissenschaftlich arrivierte Fach, klassische Experimente sind eben schwer zu widerlegen. Und Stickstoffdioxid fällt als Gas eben doch mehr in die Domäne der Toxikologie. Statt sich aber nun um eine integrative Würdigung toxikologischer Positionen zu bemühen, war die Umweltepidemiologie immer schon eine eingeschworene und kritikresistente Fraktion, das zeigt sich jetzt in der Stellungnahme von Nino Künzli

Die Grenzwert-Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO beruhen auf der gesamten weltweit verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz zu den Auswirkungen der Luftverschmutzung auf die Gesundheit. Diese experimentelle und epidemiologische Forschung schlägt sich allein in den letzten 30 Jahren in etwa 70.000 wissenschaftlichen Arbeiten nieder. Diese Literatur wird von großen interdisziplinären Fachgremien regelmäßig neu beurteilt. Die Herren Köhler, Hetzel (zwei der Autoren der Stellungnahme; Anm. d. Red.) und ihre Jünger sucht man in dieser Wissenschaftsgemeinde vergeblich. Sie haben noch nie zu diesem Thema geforscht, weshalb sie auch noch nie in wissenschaftlichen Gremien zu diesen Fragestellungen tätig sein durften. In diesen Gremien wird Sachwissen verlangt. Köhler, Hetzel und Co. verfügen über keinerlei epidemiologische Ausbildung, die sie dazu befähigen würde, die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Umweltepidemiologie sachkundig zu beurteilen. Das sogenannte ‚Positionspapier‘ dieser Ärzte entbehrt jeglicher wissenschaftlicher Grundlage und argumentativer Kohärenz. Leider fehlt Köhler, Hetzel und Co. nicht nur die Fähigkeit, diese Wissenschaft kritisch zu würdigen, sondern auch die Einsicht über die Grenzen der eigenen Kompetenzen.“

Künzli argumentiert

  • ad personam (“fehlt die Einsicht”)
  • macht sich unanfechtbar (“weltweit verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz”)
  • nur seine peer group ist qualifiziert (“von großen interdisziplinären Fachgremien”)
  • welche die Qualifikationen vorgibt (“über keinerlei epidemiologische Ausbildung”)
  • und über Logik entscheidet (“entbehrt argumentativer Kohärenz”)

Irgendwie ist das wohl das genaue Gegenteil von dem was zur Kommunikation bei Krisen geraten wird.
Fakten sehen ich in der Stellungnahme allerdings nur wenige. Unter den polemisch bezeichneten “Jüngern” sind auch viele renommierte Lehrstuhlinhaber und frühere Koautoren von mir. Eine Zahl von 70.000 epidemiologischen Arbeiten zu Langzeiteffekten von NO2 bezweifle ich jedenfalls, oder wird hier jetzt auch alles in einen Topf geworfen? Es geht doch auch nicht um Quantität, sondern um Qualität.

Ich versuche das Problem an einem (weitgehend unpolitischen) Beispiel zu erklären. Zur Assoziation von Vitamin D Spiegel im Blut mit diversen Krankheiten gibt es eine riesige Zahl von Studien. Die genaue Zahl weiss ich nicht, vermutlich aber auch in der Grössenordung von 50.000 Studien. Es gibt so viele Studien, dass es insgesamt 74 Metaanalysen von Beobachtungsstudien und 87 Metaanalysen von randomisierten klinischen Studien erschienen sind. Wer soll das jemals noch überschauen? 2014 ist dann die wohl erste Metaanalyse der Metananalysen erschienen. Sie kommt zu dem Schluss, dass sich die in Beobachtungsstudien berichteten Effekte nicht in klinischen Studien beweisen lassen. Was auch immer inhaltlich dahinter steht, eines ist unmissverständlich: Qualitativ bessere Studien machen Studien mit geringerer Qualität obsolet.

Die Hierarchie der Evidenzlevel kann man auf Wikipedia nachlesen:

  • Stufe Ia: Wenigstens eine Metaanalyse auf der Basis methodisch hochwertiger randomisierter, kontrollierter Studien
  • Stufe Ib: wenigstens ein ausreichend großer, methodisch hochwertiger RCT
  • Stufe IIa: wenigstens eine hochwertige Studie ohne Randomisierung
  • Stufe IIb: wenigstens eine hochwertige Studie eines anderen Typs, quasi-experimenteller Studie
  • Stufe III: mehr als eine methodisch hochwertige nichtexperimentelle Studie wie etwa Vergleichsstudien, Korrelationsstudien oder Fall-Kontroll-Studien
  • Stufe IV: Meinungen und Überzeugungen von angesehenen Autoritäten (aus klinischer Erfahrung); Expertenkommissionen; beschreibende Studien
  • Stufe V: Fallserie oder eine oder mehrere Expertenmeinungen

70.000 Studien auf Stufe IV sind also nichts mehr wert, wenn es eine bessere Studie auf Stufe I gibt. Das verstehe ich unter “argumentativer Kohärenz”.

Schauen wir uns also nun den UBA Bericht noch einmal an. Schwierig zu sagen, ob das nun IV oder III ist. Ich entscheide auf IV, da nicht methodisch hochwertig. Schauen wir dann die letzte Studie zu “Background”-NO2 Wert von 40 µg/m3 an. Nach meiner Meinung ist das IIa.

(Die outcomes sind unterschiedlich, eingeräumt, aber es käme auch niemand auf die Idee die Toten in London zu zählen). IIa ist jedenfalls höher als IV, vergessen wir die 40 µg/m3.

Scholar Abfrage “traffic + health effects” 24.1.2019
Sie Exot! Sie Exot!

Die Meinung der Lungenfachärzte (6000 Tote X)

Es sieht so aus, als sei ich nicht ganz allein mit meiner Kritik an dem NO2 Grenzwert, wenn ich mir die Unterschriftenliste der 112 Lungenfachärzte im Netz ansehe.

Das stärkste Argument gegen die extrem einseitige Auswertung der [epidemiologischen] Studien ist jedoch eine Besonderheit, die nur beim Feinstaub und NOx vorliegt. Normalerweise müsste man zur Absicherung eines Grenzwertbereiches eine Expositionsstudie am Menschen durchführen mit höheren und niedrigeren Dosen. Das ist ethisch jedoch nicht vertretbar. Beim Feinstaub und NOx ist die Situation anders, denn die Raucher Inhalieren freiwillig außerordentlich hohe Dosen, so dass diese quasi freiwillig an einer riesigen Expositionsstudie teilnehmen.

Die Diskussion geht aber nun doch etwas durcheinander – ich würde vorschlagen, bei  dem ursprünglichen Thema NOx und Langzeiteffekte zu bleiben. Also weder NOx und Partikel zu vermischen, auch nicht Kurz- und Langzeiteffekte.

Wichmann in seiner “Expertise zu gesundheitlichen Risiken von Stickstoffdioxid” für Baden-Württemberg mit eindeutiger Aussage:

Quantitative Abschätzungen der Auswirkungen der NO2 Langzeitexposition auf die Mortalität: US-EPA und WHO/EU sehen die Datenlage für quantitative Aussagen zur vorzeitigen Todesfällen und verlorenen Lebensjahren als begrenzt an. Deshalb verzichtet US-EPA auf die Durchführung entsprechender Abschätzungen für NO2. WHO/EU empfiehlt solche Abschätzungen nur für Sensitivitätsanalysen und verweist darauf, dass NO2 möglicherweise ein Schadstoffgemisch repräsentiert und man nicht ausschließen kann, dass derartige Abschätzungen nicht die Wirkungen des NO2-Gases allein wiedergeben.

Schulz versteigt sich immer höher: “Die Grenzwerte sind sogar noch zu hoch”.

Bartens von der SZ hat sich etwas besonderes ausgedacht – er versucht Köhler persönlich zu diskreditieren. Wie auch bei letzten SZ Wissen Thema diverse Faktenfehler.

Derjenige, der Sinn und Höhe der Grenzwerte anzweifelt, ist Dieter Köhler, ein 70-jähriger Pneumologe, früher Chefarzt einer Lungenfachklinik im Hochsauerland und zwei Jahre Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP). Köhler ist medienerfahren … Holger Schulz, Direktor des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum München, hat mehrere Studien zu den Gefahren durch Luftverschmutzung geleitet.

Jasper von Alternbockum trifft meine Meinung

Die Umweltpolitik ist besonders anfällig dafür, Wissenschaft zu verformen. Doch gerade auf diesem Feld ist die Politik auf Vertrauen angewiesen. Die Debatte um Diesel-Fahrverbote droht dies nachhaltig zu zerstören.

Nicht allzuviel Neues im Deutschen Ärzteblatt

Berlin – Lungenspezialisten haben eine kritische Überprüfung der Auswirkungen von Feinstaub und Stickoxiden auf die Gesundheit gefordert. In einer heute veröffentlichten Stellungnahme äußerte eine Gruppe von mehr als 100 Medizinern erhebliche Zweifel an der wissenschaftlichen Methodik bei der Festlegung der Grenzwerte. Zugleich drängen die Ärzte auf eine Neubewertung der Studienlage. Es gebe derzeit „keine wissenschaftliche Begründung für die aktuellen Grenzwerte“, hieß es in der Stellungnahme. Die Ärztegruppe kritisierte, die Daten zur Gefährdung von Luftverschmutzung seien „extrem einseitig“ interpretiert worden. Andere Faktoren wie Lebensstil, Rauchen, Alkoholkonsum oder Bewegung hätten weitaus stärkere Auswirkungen auf Krankheitshäufigkeit und Lebenserwartung.

Der Spiegel versucht sich an einer ausgewogenen Formulierung (die Betonung liegt auf versucht)

Auch wenn sich Argumente der Ärzte widerlegen lassen, für den wissenschaftlichen Diskurs ist der Beitrag sinnvoll. Es gehört zur Natur von Wissenschaft, Thesen, Ergebnisse und vor allem Interpretationen anzuzweifeln, andere Erklärungen anzubieten. Das heißt nicht, dass die Antithese der Wahrheit entspricht. Aber durch den Diskurs nähert man sich der Realität – mehr kann Wissenschaft ohnehin nicht bieten.

Und jetzt kommt leider der Rebound, den ich befürchtet habe:

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hält die Zweifel der Lungenärzte für gerechtfertigt. „Der wissenschaftliche Ansatz hat das Gewicht, den Ansatz des Verbietens, Einschränkens und Verärgerns zu überwinden“, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die Initiative der 107 Fachmediziner sei ein wichtiger und überfälliger Schritt. Er helfe mit, „Sachlichkeit und Fakten in die Dieseldebatte zu bringen“.

Da nützt auch die gebetsmühlenartige Wiederholung  der Epidemiologen nichts (Handelsblatt), der ADAC will die Werte nun sogar gerichtlich überprüfen lassen. Das ZDF berichtet über den Verkehrsgerichtstag unter der Überschrift “Diesel-Fahrverbote unverhältnismäßig”:

Nach dem [geplanten] Gesetz sollen Fahrverbote nur noch in “besonders belasteten Gebieten” in Betracht kommen. Das sollen solche sein, in denen eine NO2-Belastung von über 50 Mikrogramm vorliegt. Bei geringerer Grenzwertüberschreitung (zwischen 41 und 50 Mikrogramm) sollen Fahrverbote in der Regel als unverhältnismäßig gelten. Wenn das Gesetz kommt, hätte dies erhebliche Folgen. Von 65 bislang von Fahrverboten bedrohten oder schon betroffenen Städten, blieben wohl nur noch 15 übrig.

Jetzt wird alles herausgekramt, zum Beispiel dass Fahrverbote weniger als gedacht bringen.

Ferdinand Dudenhöffer ist für klare Worte bekannt. „Diesel-Fahrverbote bewirken deutlich weniger als immer behauptet“, sagt der Direktor des CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essen.

So richtig informiert ist Köhler nicht, denn die Londoner Studie kennt er nicht.

Ja, sagte er auf eine Zwischenfrage Plasbergs, ja er würde bedenkenlos in eine Wohnung an einer vielbefahrenen Straße ziehen, nur der Krach würde ihn stören. Aus alten Daten würden neue Krankheitswerte abgeleitet, und leider sei niemand in der Lage, eine aktuelle Studie vorzulegen. Denn die koste 30 bis 50 Millionen Euro und dauere ewig, weil man ja warten müsse, bis die Menschen sterben.

Selbst das Geschütz der Grundrechtsverletzung wird aufgefahren. Und irgendwie streiten sich jetzt nur noch Kinder.

Joachim Müller-Jung in der FAZ diskreditiert Universitätspneumologen als “Fachärzte” und “Ärzte Aktivisten”, kann sich dabei nicht recht entscheiden ob sein eigener Satz

Grundsätzlich sind Grenzwerte zur Luftreinhaltung nicht das Ergebnis eines wissenschaftlichen, sondern eines politischen Prozesses.

denn nun stimmt oder nicht ist. Dann wirft auch er Stickoxide und Feinstaub in einen Topf, erfindet ein erhöhten Risiko für Asthmatiker und kleine Kinder (für was?) und bestreitet dass es auch Einwände von Epidemiologen gibt. Und treibt internationale Lungenärzte auf. Nur leider reden diese nicht über NO2 Werten, sondern über Partikel.

Die verunglückte Stellungnahme der Lungenärzte hin oder her:  der Wissenschaftsjournalismus erlebt damit auch gerade einen Tiefpunkt sowohl FAZ, SZ und SPON (wo man dazu ungeniert sein Buch promoten darf). Da fällt die Bildzeitung diesmal nicht mal negativ auf.

Obsoleszenz (6000 Tote IX)

Obsoleszenz ist die Zeitspanne, die ein Herstellers seinem Produkt gibt, bevor es kaputt geht. Und nachdem in Afrika viele Diesel mit über 1 Million km auf dem Tacho herum fahren, ist klar: der Diesel lebt länger, als von den Herstellern gewünscht.

Deswegen finden die Dieselhersteller es gar nicht schlecht, was die Umwelthilfe hier gerade veranstaltet. Sie finden es gar nicht schlecht, wie UBA und KBA plötzlich die Konjunktur unterstützt, so viel Support gab es noch nie von einem Ministerium. Sie finden es auch überhaupt nicht schlecht, wenn die Dieselfahrer (selbst die mit neuem Partikelfilter) auf einmal ein schlechtes Gewissen haben.

Denn jetzt können sie neue Autos verkaufen, wir leben schliesslich in einer Wegwerfgesellschaft. In Frankreich ist das absichtliche Verkürzen der Lebensdauer von Produkten eine Straftat.
Nichts anderes machen gerade die deutschen Behörden in großem Stil.

SPON heute

Fürs Klima ist [das] kontraproduktiv. Benziner verbrauchen mehr Sprit als vergleichbare Dieselmotoren und stoßen damit mehr Kohlendioxid (CO2) aus. Die 2018 zugelassenen Autos haben im Schnitt wohl mehr CO2 emittiert als 2017. Das legen die Zahlen bis einschließlich August nahe. Demnach emittierten die Wagen im Schnitt 130,1 Gramm CO2 pro Kilometer. Im selben Zeitraum in 2017 waren es 128 Gramm.

Wirklich? (6000 Tote VIII)

Das Kraftfahrbundesamt schickt mir einen Brief letzte Woche, den auch 1,5 Millionen andere Besitzer eines Diesels  bekommen haben. Und der auch schon entsprechend kritisiert wurde

In dem Brief werden nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums Halter älterer Diesel darüber informiert, dass ihr Wagen in einer Region zugelassen ist, in der ein Jahresmittelwert von 50 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft überschritten wird und ihr Wagen nicht der neuesten Abgasnorm entspricht. Es handele sich um ein “reines Informationsschreiben”. Die Halter werden darin auch auf Umweltprämien und Hardware-Nachrüstungen in besonders belasteten Regionen hingewiesen. Zugleich werden Hotlines und Internetauftritte von BMW, Daimler und VW genannt. Es heißt aber auch: “Es bleibt ihnen unbenommen, sich auch bei anderen Herstellern über laufende Umtauschaktionen zu informieren.” Der ADAC warnte nun, viele Betroffene verstünden die Briefe des Kraftfahrtbundesamts als “einseitige Werbeaussage zugunsten der genannten Hersteller”. ADAC-Technikchef Reinhard Kolke schrieb an den Vorsitzenden des KBA-Beirats, Karsten Lemmer, einige Halter hätten den Brief so verstanden, dass man drohende Fahrverbote nur durch Umtausch des Autos bei BMW, Mercedes oder VW vermeiden könne.

Mal abgesehen davon , dass es eine unverhohlene Werbung für BMW,  Daimler, VW ist, hat sich das KBA auch mit dem Grenzwert verhauen.
Wer soll mich eigentlich in den neuen UHZ (“Umwelthilfezonen”) kontrollieren? Die Polizei wohl nicht, denn sie selbst ignoriert die Anti-Dieselkampagne von KBA und UBA (siehe www.behoerden-spiegel.de).

Die für Beschaffungen bei den Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) Verantwortlichen lassen sich offenbar auch von der derzeitigen Diskussion um Dieselfahrzeuge und ihre Emissionen nicht beirren. Sie erwerben oder leasen für Polizeien und Feuerwehren in ganz Deutschland weiterhin zahlreiche derart angetriebene Personen- und Lastkraftwagen. So beträgt der Anteil von Fahrzeugen, die mit einem Dieselmotor ausgestattet sind, bei der bayerischen Polizei 88 Prozent. Von rund 8.400 Kraftfahrzeugen werden etwa 7.350 auf diese Art und Weise angetrieben.

 

 

Eine sinnvolle Verkehrspolitik (6000 Tote VII)

Die Strategie müsste eigentlich klar sein auch ohne NO2 Diskussion. Denn neben Luftverschmutzung spielen auch Aspekte wie Unfalltote, Energieverbrauch, Platzverbrauch, etc eine Rolle bei der Bewertung des motorisierten Indivudalverkehrs.  Die meiste Zeit steht man mittlerweile sowieso als Pendler im Stau.

Es ist wie mit den Tierversuchen: “Reduce, refine, replace”.

  • „reduce” weniger und weniger schnell Auto fahren, zum Beispiel durch Geschwindigkeitslimits und Home Office
  • mit „refine” echte Innovationen, wie den XL1 oder das  C1, oder auch nur mehr Sharing Angebote
  • „replace” Radverkehr Trassen wie in Berlin und nicht so alberne Radlhauptstadt Kampagnen – da ist ja BMW schon weiter als die Politik

All das würde die Luft weiter verbessern, das wäre ehrlich und nachhaltig. Selbst Söder will jetzt Klimaschutz in die bayrische Verfassung aufnehmen, dann kann München endlich aus Klimaschutzgründen auf Citymaut verklagt werden ;-)

Das Killer Argument gegen den NO2 Grenzwert (6000 Tote VI)

Nun also etwas mehr zu dem “Diesel”-“WHO”-“Background”-NO2 Wert von 40 µg/m3.

Man müsste mal bei REVIHAAP 2013 oder besser noch
WHO Air quality guidelines 2005
bzw 2002 nachschauen, wie denn dieser Wert zustande kam. Die 1987 WHO guidelines gibt es leider nicht online, was aber unwichtig ist, denn 2002 waren es noch 100 µg/m3. Also schauen wir 2005. Und voila, da sind es nun 40 µg/m3!

Allerdings schränkt die WHO den Wert massiv ein, Zitat:

Numerous epidemiological studies have used NO as a marker for the cocktail of combustion-related pollutants, in particular, those emitted byroad traffic or indoor combustion sources. In these studies, any observed health effects could also have been associated with other combustion products, such as ultrafine particles, nitrous oxide (NO), particulate matter or benzene. Although several studies – both outdoors and in- doors – have attempted to focus on the health risks of NO2, the contributing effects of these other, highly correlated co-pollutants were often difficult to rule out.

Und wenn man weiter liest:

Long-term exposures. There is still no robust basis for setting an annual average guideline value for NO2 through any direct toxic effect. Evidence has emerged, how- ever, that increases the concern over health effects associated with outdoor air pollution mixtures that include NO2. For instance, epidemiological studies have shown that bronchitic symptoms of asthmatic children increase in association with annual NO2 concentration, and that reduced lung function growth in children is linked to elevated NO2 concentrations within communities already at current North American and European urban am- bient air levels. A number of recently published studies have demonstrated that NO2 can have a higher spatial variation than other traffic-related air pollutants, for example, particle mass.

Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass man statt der volatilen NO2 Werte besser Verkehrszählungen wie bereits 1993 genommen hätte. Man könnte mit automatischer Kennzeichen Erkennung direkt die Emissionen eines Fahrzeugs errechnen, wenn das vom Datenschutz möglich ist.

Und das Killer Argument? Es gibt seit Anfang des Monats eine empirische Widerlegung des Grenzwertes aus der grössten verkehrsberuhigten Zone der Welt.

 

 

Wohnten zu Beginn noch 99% der Kinder in einer Londoner Region mit >40 µg/m3, waren es am Ende nur 34%. Und was  passierte in dem Zeitraum?

 

Das wichtigste Outcome ist in Abbildung 4C

 

Nicht viel, die Auswirkung von NO2 auf die Lungenfunktion war nie signifikant, meist war der FEV1 erniedrigt, einmal erhöht. Wenn ich nun die Werte aus beiden Tabellen herausziehe und die Daten mit R plotte,

ds <- data.frame("year" = 2009:2013, "homeDFEV1" = c(0, -.0005, -.0007, .0003, -.00015), "pctNOgt40" = c(99,75,21,69,34))
ggplot(ds, aes(x=pctNOgt40, y=homeDFEV1, label=year)) + geom_point(color="blue", size=5) + geom_text(size=10, color="blue", ,hjust=.5, vjust=1.5) + geom_smooth(method='lm',se=FALSE) + xlim(0,105) + ylim(-0.0008,0.00035) + clean_theme(base_size = 25)

 

A reanalysis of MUDWAY 2019 (doi:0.1016/S2468-2667(18)30202-0) using FIG 4C FEV1 values on the y-axis and % children in region >40 µg/m3 NOon the x-axis by examination year. It clearly shows effect sizes towards null with increasing number of highly exposed children.

 

dann sehen wir, dass mit zunehmender Zahl der Grenzwert Überschreitungen der Effekt auf die Lungenfunktion  (FEV1 Änderung pro Einheit NO2) gegen Null geht. Dabei hätte ich doch angenommen, die Auswirkungen werden grösser, wenn wir in einer höhere Expositionsklasse sind. Der Grenzwert von 40 µg/m3 NOist also empirisch sinnlos. In London. Für Kinder.

q.e.d.

p.s.

Ich frage mich, warum ich mir überhaupt die Mühe gemacht habe, etwas über den NO2 Grenzwert ausfinden zu machen. Denn dass es ein “politischer” Grenzwert ist, wiedie 20% Reduktion von Treibhausgas die das Kyoto-Protokolls der EU  bis 2020 vorschreibt, ist doch klar, wenn man zur NO2 nachliest

Bei Inkrafttreten des Grenzwerts … im Jahr 2002 galt für diesen Jahresgrenzwert noch eine Toleranzmarge von 16 µg/m3. Sie verminderte sich ab 1. Januar 2003 bis zum 1. Januar 2010 stufenweise um jährlich 2 µg/m3. Seit 2010 ist die Toleranzmarge entfallen und der Jahresgrenzwert von 40 µg/m3 ist verbindlich einzuhalten.

Warum gibt es aber nur diese Differenzen (wie in der kürzlichen ARD Doku) zwischen den “arrivierten” Epidemiologen des UBA und den “subalternen” Kritikern aus der Medizin? Den Graben zwischen statistischen Modellen und gesundem Menschenverstand? Geht es womöglich nicht um die Sachfrage, sondern um mit “Wissenschaft” direkten politischen Einfluss zu nehmen? Womansplaining?