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Eine Beglaubigung reicht nicht – Wissenschaft im Vakuum

Mit dem Übergang von der persönlichen Betreuung der Doktoranden zu den “research schools”, aber auch der immer längeren und immer schlechter bezahlten Promotionszeit, sind die direkten Stellenbewerbungen aus der eigenen Hochschule oder dem eigenen Bundesland immer weiter zurückgegangen.

Die Zeugnisse aus den Bewerbungen ausländischer Bewerber werden mühsam übersetzt und beglaubigt und dann mehr oder weniger vorausgesetzt, dass dieselben Bildungsvoraussetzungen vorliegen. Das reicht aber nicht, denn Wissenschaft findet nicht im Vakuum statt, so auch ein Kommentar in Science diese Woche.

A student at the small liberal arts college where I am a biology professor had allegedly posted anti-Semitic neo-Nazi rhetoric on social media. Faculty members and students alike were shocked. The bubble of our close-knit community had burst; the realities of the external world were now the realities of our internal world, too. In the hours and days that followed, we all asked, “How could this happen?” Students asked another question, too: “Why don’t faculty in our STEM courses discuss these issues with us?” This second question troubled me.

Vielleicht sollten wir mit unseren ausländischen Studenten nicht nur fachspezifisches Wissen vermitteln, sondern auch über Ethik reden. Oder vielleicht auch über politische Fragen.

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 23.03.2026

Emotionen und Mirrorneurone (Bewusstseinsmodelle II)

Edge

Once you’ve got an AI system that says, “I know on principle I’m just a bunch of silicon circuits, but from the first-person perspective, I feel like so much more,” then maybe we might be onto something in understanding the mechanisms of consciousness. Of course, if that just happens through somebody programming a machine to imitate superficial human behavior, then that’s not going to be so exciting. If, on the other hand, we get there via trying to figure out the mechanisms which are doing the job in the human case and getting an AI system to implement those mechanisms, then we find via some relatively natural process, that it A) finds consciousness in itself and B) is puzzled by this fact. That would at least be very interesting.

And the interview details

GERSHENFELD: What do you think about the mirror tests on elephants and dolphins for sense of self?
CHALMERS: Those are potential tests for self-consciousness, which, again, is a high bar. There are plenty of animals that don’t pass them. So, are they not self-conscious? No. They’re probably just not very good with mirrors.
GERSHENFELD: But do you think that’s a falsifiable test of sense of self?
CHALMERS: That’s pretty good evidence that the animals who pass it have certain kinds of distinctive self-representations, yes. I don’t think failing it is any sign that you don’t. I would also distinguish self-consciousness, which is a very complicated phenomenon that humans and a certain number of mammals may have, from ordinary conscious experience of the world, which we get in the experience of perception, of pain, of ordinary thinking. Self-consciousness is just one component of consciousness.

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 23.03.2026

Universitätsasyl

Die SZ hat einen Beitrag über die Athener Universität

An den Schutz der freien Rede in der griechischen Antike wird jetzt erinnert. Auch an das von Kaiser Barbarossa der Universität Bologna im Jahr 1158 verliehene “Scholarenprivileg”, eine eigene akademische Gerichtsbarkeit. Sie ist natürlich längst abgeschafft. Das soll nun auch mit dem sogenannten Universitätsasyl in Griechenland passieren, einer weltweit wohl einmaligen Regelung.

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 23.03.2026

Käufliche Wissenschaft

Natürlich muss Grundlagenforschung finanziert werden. Es gibt dafür genügend staatliche Quellen und reputable Einrichtungen. Wenn die Gier aber unersättlich wird, dann wird Wissenschaft käuflich – in dem aktuellen Fall hatte Jeffrey Epstein Harvard Professoren wie George Church finanziert (Church ist einer der wenigen Genetiker die He Jiankuis Vorgehen nachträglich rechtfertigten). In dem statnews Artikel wird Church zitiert

“I certainly apologize for my poor awareness and judgment … There was just a lot of nerd tunnel vision …” Since the indictment last month, news reports have described numerous meetings Epstein organized, both before and after his 2008 conviction, with physicists, biologists, mathematicians, and other researchers. He seemed to believe his interactions with scientists, especially those at Harvard, would buff his reputation in the financial world, saying on his website that he had “the privilege of sponsoring many prominent scientists … As for whether Epstein’s 2008 conviction gave Church (a father and grandfather) pause, he said, “I did read a couple of news articles” a decade ago, he said, “but they weren’t clear enough for me to know there was a serious problem.” …Church said he is used to financiers, technologists, and celebrities seeking him out, and has become a quasi-celebrity himself.

Bei Church wundert man sich auch nicht über seine neueste Idee, der Partnervermittlung Digid8

The feedback in the media—mainstream and social—was immediate and mostly negative. Deaf people took offense. Trans people took offense. Some scientists took offense. Eugenics!

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 23.03.2026

Fairness

Thomas Fischer hat einen weit ausholenden Essay im SPIEGEL zu Spitzenleistung im Sport und anderswo

So ähnlich geht’s im wahren Leben: Ein Installateur, der damit angibt, dass er einem dummen Bauherrn einen Fantasiepreis aufgeschwätzt hat, gilt als schlauer Bursche. Wer zu erzählen hat, dass er statt des abgerechneten teuren Materials minderwertige Fälschungen eingebaut hat, kann damit am Installateursstammtisch nicht punkten. “Schlitzohren” sind Vorbilder, Betrüger werden verachtet. Es geht um ein großes Wort: Fairness. Ihre Grenzen sind über weite Strecken durchaus fließend, lösen sich aber nie ganz auf.

Fischer hat mehr das Motto “mens cynicus in corpore crasssus” als das übliche “mens sana in corpora sano”, dennoch gilt: Mit der Replikationskrise in der Wissenschaft, kommt auch mir das Thema immer wieder hoch. Zu viele Paper werden mittlerweile veröffentlicht bei denen von  vornherein, und nicht nur den Autoren, völlig klar ist, dass sie sich niemals reproduzieren lassen.

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 23.03.2026

Bildung und Freiheit

Das neue Laborjournal hat rechtzeitig zum 25. Geburtstag eine ganze Reihe interessanter Artikel – herzlicher Glückwunsch!

Ein buntes Allerlei, unter welch prekären Bedingungen fetales Kälberserum gewonnen wird (Lindl), zur Spezifität von Antikörpern (Odenwald), RNA Editierung (Stafforst) hin zu mehr theoretischen Essays, wie man Tierversuchsgegegner überzeugt (Grüninger), Überleben einer Doktorandin in der Replikationskrise (Tkotz), hin zur Großwetterlage der Biotechlandschaft (Heinrich). Überzeugend vor allem das Plädoyer der Genommedizin, nicht komplett den Anschluss zu verlieren Krawczak) in der Neuaufstellung der Medizin (Kroemer). Ebenfalls gut beobachtet: die Unfähigkeit der Protagonisten und Defizite des Wissenschaftsjournalismus in der NO2 Diskussion (Günther). Drei der Essays sind aber besonders herausragend:
Bildung und Freiheit (Pfeilschifter)
Disruption der Forschungsförderung (Heller, Rümpel)
Metrik-Wahn (Morgenstern)
Eigentlich ist ja nichts daran wirklich neu, aber so konkret auf den Punkt gebracht, sind die Essays im deutschen Sprachraum einzigartig.
Freiheit wird meist nur im Kontext einer grundgesetzlich garantierten Forschungsfreiheit zitiert, meist nur salbungsvoll an hohen Festtagen. Pfeilschifter und Wicht zitieren Adorno (dessen 50. Todestag sich gerade jährt)

… in seiner ätzenden „Kritik der Halbbildung” von 1959 [schreibt]: „Das einzige Maß des heutigen Schlechten ist das frühere.” So geht das, gut negativ- dialektisch. Natürlich war früher nicht alles besser, sondern nur anders schlecht …
Karl Jaspers besitzt noch 1946 die – aus heutiger Sicht – Frechheit, gleich dreien der vier klassischen universitären Fakultäten das wissenschaftliche Fundament abzusprechen, indem sie nicht frei seien, sondern Zwecken dienten. Zweck der Medizin sei das Leibeswohl, das der Theologie das Seelenheil, der Zweck der Juristerei sei es, ein wohlgeordnetes Staatswesen mit Rechtsexperten zu versehen – einzig die philosophische Fakultät sei zweckfrei, und daher rein wissenschaftlich. Jenseits des Zwecks aber – was ist das, diese akademische Freiheit? Erneut Jaspers, krass formuliert und ex negativo gedacht: Es ist auch die Freiheit des Scheiterns. Man muss scheitern können. Als Forscher. Als Student. Heutzutage jedoch – Studierbarkeit, Minimierung der Abbrecherquoten, alle möglichen staatlichen Eingriffe, mit dem Ziel: jedem sein Zertifikat. Die Scheiternsquote im Medizinstudium liegt bei weniger als zehn Prozent. Ist ein Studium, das jeder bestehen muss, noch frei? Ist ein Forscher, in dessen Zielvereinbarung soundso viele Impact- Punkte stehen, noch frei?

Noch detaillierter Ihre Kritik dann am Ende

Universitäten sind keine Nivellierungs-, sondern Differenzmaschinen, das ganze Bildungssystem ist eine. Natürlich ist Chancengleichheit herzustellen. Aber ebenso, wie der Satz „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich” (Artikel 3 des Grundgesetzes) nicht besagt, dass alle Menschen gleich seien, sondern vielmehr sogar impliziert, dass das Gesetz sie ungleich macht, indem es sie in die scheidet, die ihm genügen, und jene, die es übertreten, so tritt der Mensch auch nicht vor seine Bildungsmöglichkeiten, um gleichgemacht zu werden, sondern um zu erfahren, wer er sei, was sein empirischer Charakter sei. Wer alle überallhin inkludierend mitnehmen will, leugnet die Individuation, es ist vielmehr ein totalitäres Unterfangen.

Heller und Rümpel beschreiben in dem folgenden Essay den Versuch, die Forschungsförderung von Output auf Outcome Orientierung umzustellen und – das wusste ich nicht – dass es die partielle Lotterie bei der Volkswagenstiftung schon gibt.

Morgenstern findet die Idee, wissenschaftliche Leistung quantitativ zu bewerten, merkwürdig. Man kann ja nur gleiche Merkmale miteinander vergleichen und was ist bei Forschung schon ein gleiches Merkmal?

Welche gemeinsame messbare Eigenschaft aber können verschiedene wissenschaftliche Leistungen haben? Ein wissenschaftliches Ergebnis ist seiner Natur nach etwas prinzipiell Neues – jedenfalls dann, wenn es um Wissenschaft im eigentlichen Sinn geht, also um Grundlagenforschung. Dass Entdeckung A doppelt so gut oder doppelt so groß wäre wie Entdeckung B – ein solcher quantitativer Vergleich wäre selbst innerhalb einer wissenschaftlichen Teildisziplin absurd, und erst recht zwischen verschiedenen Disziplinen. So, wie sich die Resultate verschiedener wissenschaftlicher Tätigkeiten nicht zahlenmäßig vergleichen lassen, weil sie eben kein gleiches Merkmal haben, das sich messen ließe, so lassen sich auch die Forschungsleistungen nicht quantitativ vergleichen, die diese – grundsätzlich nicht vergleichbaren – Resultate zustande bringen. Der Versuch, wissenschaftliche Leistungen quantitativ zu messen, ist daher ziemlich widersinnig…
Auch hier gehen die zuständigen staatlichen Stellen offenbar davon aus, dass niemand irgendetwas aus eigenem Antrieb tun würde – womöglich aus Interesse an der Sache, oder weil man ihre Notwendigkeit einsehen würde. So sind Wissenschaftspolitiker darauf verfallen, Forschungsmittel nicht mehr einfach zur Verfügung zu stellen, sondern Systeme von Belohnungen und Schikanen einzuführen, um Forschende und Lehrende ordentlich auf Trab zu bringen – von selbst tun diese Faulpelze ja nichts.

 

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 23.03.2026

Whatsapp durch Email ersetzen?

Eigentlich wäre es eine gute Idee, über IMAP Facebook auszuhebeln. Im Prinzip ist ja auch Chat über IMAP möglich – COI Implementierung u.a. von Delta Chat. Praktisch gibt es aber dann doch Probleme wegen der veralteten Verschlüsselung oder wieder verloren gegangenen Nachrichten. Schade eigentlich, so auch golem.de.

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 23.03.2026

Geburt und Entwicklung (Bewusstseinsmodelle I)

Es ist schon lange her, dass ich Eccles & Popper “Das Ich und sein Gehirn” gelesen habe, irgendwann Ende der 70er Jahre?
Den interaktionalen Dualismus fand ich überzeugend, auch wenn es dafür keinen wirklich nachvollziehbaren Mechanismus gab.

Es gibt somit gute Gründe, das neue Buch von Lagercrantz “Die Geburt des Bewusstseins” anzusehen. Von den vielen Modellen hat es Lagercrantz vor allem Baars‘ Global Workspace Theory angetan

6.3. Es gibt verschiedene theoretische Modelle des Bewusstseins. Bernard Baars formulierte die Theorie, dass es im Gehirn einen sogenannten globa- len Arbeitsraum für das Bewusstsein gibt (Global Workspace Theory), und bediente sich dabei der Metapher des Theaters. Dahinter verbirgt sich die Idee, dass es einen globalen „Bühnenbereich“ gibt, in dem eine Art Synthese zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft stattfindet. „Derhelle Fleck, den ein Scheinwerfer in einem dunklen Theater auf die Bühne wirft, steht für die Verknüpfung verschiedener Sinneseindrücke zu einem einzigen bewussten Erlebnis“). Alles andere, wie zum Beispiel die Menschen, die im Publikum sitzen oder hinter den Kulissen arbeiten, ist unbewusst. Doch es gibt auch Faktoren wie den Regisseur und das Drehbuch, die „den Inhalt des Bewusstseins formen, indem sie den Schauspielern im Rampenlicht vorgeben, was diese sagen sollen“

Wie das alles zur jüdisch-christlichen Anthropologie und dem Leib-Seele Dualismus passt? Ein fiktives Theaterstück? Das erinnert zunächst mal an Ijob, dem vor allem in der Himmelsszene der Satan immer wieder seine Frömmigkeit bezweifelt.

Auch wenn ich Daniel Dennetts biologistischer Sicht wenig abgewinnen  kann, sein Ausspruch  dass der “menschliche Geist so etwas wie eine sequentielle virtuelle Maschine, die – ineffizient – auf der parallelen Hardware implementiert ist, die uns die Evolution beschert hat“ könnte doch eine gute Umschreibung des Leib-Seele-Problems sein. Sie lässt sowohl Hirnphysiologen Raum zur Exploration, erlaubt gleichzeitig aber auch den Geisteswissenschaften den Freiheitsraum, um ihre Vorstellungen zu entwickeln. Die wichtigste Frage einer Philosophie des Geistes bleibt  allerdings: Wo findet die Verschränkung statt? Bestimmt nicht in der Epiphyse wie Descartes meinte. Aber sie müsste doch nachweisbar sein, irgendwo als biologischer oder physikalischer Ort. Ein Ort, der irgendwann in der Entwicklung des Kindes entsteht – wie bei Lagercrantz beschrieben – dsyfunktional im Schlaf, kurzfristig störbar durch Hypoxie, längerfristig gestört bei Narkose, Manie, Depression oder Schizophrenie und irgendwann abgeschaltet im Tod.

Aber nehmen wir Dennetts Idee auf und schauen wir uns die Implementierung einer virtuellen Maschine (VM) auf einer beliebigen Hardware an

Typischerweise können Gastbetriebssysteme und Programme nicht erkennen, ob sie auf einer virtuellen Plattform ausgeführt werden – solange sie von der virtuellen Maschine unterstützt werden. Die Software kann genauso eingesetzt werden, als ob sie auf einer physischen Serverhardware installiert wäre. Zum Beispiel kann an das Gastbetriebssystem eine physische Festplatte erkennen. Die tatsächlichen I/O-Anfragen werden aber durch die Virtualisierungs-Schicht übersetzt und in eine Datei umgeleitet, auf die das Host-OS Zugriff hat.Virtuelle Maschinen bieten zahlreiche Vorteile gegenüber der direkten Installation von Betriebssystemen und Software auf der physischen Hardware. Die Isolation gewährleistet, dass Anwendungen und Dienste, die innerhalb einer VM laufen, das Host-OS oder andere VMs nicht beeinträchtigen. Virtuelle Maschinen können problemlos verschoben, kopiert und zwischen Host-Servern neu zugeteilt werden, um die Hardware-Ressourcen-Auslastung zu optimieren.

Wo könnte die Virtualisierungsschicht des biologischen Virtual-Machine-Monitors sein? Wenn dieser software basiert ist, dann erübrigt sich die Suche nach den Kontaktpunkten. Allerdings käme  man darüber sehr schnell zu Seelenwanderung und anderen parapsychologischen Phänomenen. Wenn das VVM Interface allerdings hardware basiert ist – dann wäre ein VVM Konzept des Bewusstseins testbar. Etwa Halothan einatmen und dann mit Femtosekunden-Spektroskopie nachsehen, ob es vielleicht Ähnlichkeiten mit dem einzig bisher biologisch bekannte Verschränkungssystem, dem Lichtsammelkomplex,  gibt. Anatomisch scheint mir aber alles aber noch recht unklar, hier nochmal Lagercrantz, S.93

Pennfield und Jackson hatten jedoch bereits angezweifelt, dass sich das Bewusstsein nur im zerebralen Cortex befindet. Sie fanden heraus, dass auch Patienten ohne Cortex zu einem gewissen Grad über ein Bewusstsein verfügen. Seit einigen Jahren wird diese These von Björn Merker unterstützt, der Kinder mit Hydranenzephalie und Anenzephalie untersuchte.

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 23.03.2026

Disinformation campaigns

Kate Starbird

But eventually I began to see how disinformation networks were warping online conversations and global political discourse, and I changed my research focus. Years later, the sorts of misconceptions that had led me to discount disinformation continue to hamper responses to the threat.
Perhaps the most common misconception is that disinformation is simply false information. If it were, platforms could simply add ‘true’ and ‘false’ labels, a tactic that has often been suggested. But disinformation often layers true information with false — an accurate fact set in misleading context, a real photograph purposely mislabelled. The key is not to determine the truth of a specific post or tweet, but to understand how it fits into a larger disinformation campaign…
Historically, manipulating journalists was a primary strategy. Now, social-media platforms have given voice to new influencers.

this happens also in science despite fact checking, peer review and meta-analysis.

Reminder to myself: Start a collection of scientific myths, their gurus and how they came to an end

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 23.03.2026

Peinlich, nicht?

SPON hat einen Bericht über den Exzellenzwettbewerb der deutschen Universitäten

Ähnliche Kritik wird mutmaßlich demnächst auch in Köln zu hören sein. Die dortige Uni hatte den Elitetitel 2012 errungen, konnte ihn jetzt aber nicht mehr verteidigen. Totenstill war es am Freitagnachmittag, als beim Public Viewing das Ergebnis der Entscheidungsrunde aus Bonn übertragen wurde. Rektor Axel Freimuth war sichtlich deprimiert als er all denen dankte, die zum Teil über Jahre mit enormem Engagement an den Anträgen gearbeitet hatten: “Umso bedauerlicher ist es, dass wir dafür nicht belohnt wurden.”
Ein paar Kilometer rheinaufwärts blickten die Bonner Univertreter dagegen schon im Vorfeld ziemlich angstfrei auf die anstehende Siegerehrung. Bonn ging mit sechs erfolgreichen Clusteranträgen ins Rennen – und räumte den Elitetitel souverän ab. Entsprechend groß war der Jubel bei der Videoübertragung.

Mit tut es leid um die verschwendete Zeit in dem künstlichen “Binswanger” Wettbewerb und die sinnfreien Bürokratie zur Verwaltung des absurden Theaters die Unsummen an Steuergeldern verschlingt.

Und ist die Siegerpose der dickbäuchiger Bonner Männer wenn sie die Arme hochrecken oder die Beckerfaust der ältlichen Dame nicht doch etwas peinlich? Es geht ja nicht um Fortschritt der Wissenschaft sondern nur um das Ego einiger weniger, die tatsächlich glauben, dass mehr Forschungsgelder glücklicher macht.

Denn auch, wenn die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), der Wissenschaftsrat (WR) und sogar Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) fortwährend predigen, dass allein wissenschaftliche Kriterien über den Erfolg entscheiden – so ganz stimmte das in der Vergangenheit meistens nicht.

Exzellenz ist zudem etwas anderes – noblesse oblige – nämlich das Konzept, dass adlig sein über bloße Ansprüche hinausgeht. SPON weiter

Rund 45 Cluster sollten ursprünglich prämiert werden, ausgewählt nach wissenschaftlicher Begutachtung zentimeterdicker Förderanträge. Doch Karliczeks Liste zählte überraschenderweise 57 Projekte. Mehr Geld gab es allerdings nicht – was dazu führte, dass viele siegreiche Cluster mit finanziellen Einbußen zurechtkommen müssen. Die Ministerin selbst soll sich für die Ausweitung des Programms stark gemacht haben, um vor allem den CDU-geführten Bundesländern weitere Vorzeigeprojekte zu bescheren. So berichteten es verschiedene Medien im Nachgang.

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 23.03.2026

Data science?

Arte hat 20 nette Prezis, leider nur begrenzte Zeit. Und leider stimmt auch nicht alles, zum Beispiel in diesem Video.

Zu tun, als sei die bakterielle DNA essentieller Teil des menschlichen Körpers, ist natürlich Unsinn. Abgesehen davon müsste man auch alle Bakterien auf der Haut dazu nehmen.. Durch Antibiotika lässt sich auch das Mikrobiom kurz mal vernichten, ohne dass es dem Patienten allzuviel ausmachen würde.

Viel interessanter wäre es gewesen, Zell Lineages aufzustellen, um genomische Differenzen in bradytrophen and tachytrophen Geweben gegenüberzustellen.

Mehr Pseudoscience also in den Arte Videos, siehe auch Hype oder Humbug (auf deutsch) oder Hype or hope (auf englisch).

SÉRIE DE 20 FILMS
motion design.
Durée : 20 x 2 min.

On entend souvent dire que… mais qu’en est-il réellement ?

Les éoliennes sont-elles responsables de la surmortalité des oiseaux ? Les garçons sont-ils meilleurs en sciences que les filles ? Meurt-on encore du sida aujourd’hui ? Y-a-t-il plus de cyclones qu’avant ? Toutes nos cellules ont-elles le même ADN ? Pourra-ton nourrir la planète en 2050 ? Le vaccin contre la rougeole est-il indispensable ? Peut-on voir la Muraille de Chine depuis la Lune ? Est-ce bientôt la fin du pétrole ? …

20 épisodes pour mettre fin aux rumeurs grâce à la science des data! Avec la voix d’Experimentboy, le graphisme d’Alex Ly, le sound design de Christophe Atabekian, la réalisation de Pascal Goblot et le travail d’enquête de Cécile Klingler.

En coproduction avec Arte, Universcience TV, France tv éducation, IRD, INSERM, et le soutien du Ministère de l’Enseignement Supérieur de la Recherche et de l’innovation.

 

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 23.03.2026

Neue Empfehlungen zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis

https://www.dfg.de/service/presse/pressemitteilungen/2019/pressemitteilung_nr_27/index.html

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat ihre Empfehlungen zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis sowie die Verfahrensordnung zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten grundlegend überarbeitet.

Die 19 Leitlinien, die im neuen Kodex formuliert worden seien, gehen der eigenen Einschätzung zufolge deutlich über die Empfehlungen der bisherigen Denkschrift hinaus. Es solle eine Kultur der wissenschaftlichen Integrität in den wissenschaftlichen Einrichtungen verankert werden, die weniger von den Verstößen gegen die gute wissenschaftliche Praxis her gedacht werde als vom Berufsethos der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, so die DFG.

Der Kodex ist modular angelegt und gliedert sich in drei Ebenen: Auf der ersten finden sich die eigentlichen Leitlinien im Wortlaut, die zweite Ebene enthält ausführlichere Erläuterungen zu diesen.  Die Inhalte dieser beiden Ebenen sollen auch in gedruckter Form veröffentlicht werden. Die dritte Ebene wird hingegen als dynamisches Dokument auf der Webseite der DFG zur Verfügung gestellt werden. Sie wird fachspezifische Ausführungen, Fallbeispiele und FAQs enthalten und ab Herbst 2019 detailliert konzipiert werden.

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 23.03.2026

Was ist daran evangelisch?

Schon die Einstiegsseite zeigt die schrille Dissonanz  eines “evangelisch-protestantischer Zwischenrufs”, der den letzten Lebensabschnitt von “jeglichem kirchlich-theologischen Diktat” freihalten will.

https://www.feinschwarz.net/sterben-duerfen-ein-evangelisch-protestantischer-zwischenruf-teil-1/

Der Text steht auf https://www.feinschwarz.net/sterben-duerfen-ein-evangelisch-protestantischer-zwischenruf-teil-1

Dabei reicht Teil 1 völlig aus, um zu verstehen mit welch faden Argumenten hier  eine ideologische Debatte befeuert wird. Warum fühlen sich ex Religionspädagogen (wie Ritter) und ex EKD Ratsvorsitzende (wie Schneider…) nun plötzlich berufen, sich zur Euthanasie zu äussern?

Barths zentrale These war doch immerhin

Gott ist der ganz Andere, den der Mensch nicht von sich aus erkennen kann. Deshalb führt die Analyse religiöser Bedürfnisse oder menschlicher Erwartungen nicht zu Gott. Und deshalb sollen Kirche und Theologie nicht vorrangig von der menschlichen Religiosität reden.

Aber genau das macht Ritter hier. Über (seine) Bedürfnisse und seine Erwartungen reden. Damit kommt er zu skurrilen Aussagen zum Beispiel über das 5. Gebot “Du sollst nicht töten“. Zu dem Einwand sagt Ritter

Es geht bei Sterbehilfe heute ja nicht darum, dass ein vitaler Mensch getötet wird, sondern darum, dass schwer kranke Menschen, die sich im finalen Sterbeprozess befinden und ihr Leben – christlich gesprochen – in Gottes Hand zurückgeben möchten, dies auch tun dürfen.

Sein Trick: Nehmen wir einfach kranke oder lebensmüde Menschen von dem Gebot aus.

Zum Einwand “Das kommt einem Dammbruch gleich” sagt Ritter

Haben wir – ein erster Einwand – nicht schon in der Schule gelernt: abusus non tollit usum? Also Missbrauch einer Sache hebt doch nicht zwangsläufig deren sinnvollen und guten Gebrauch auf!

Sein Trick: Tun wir einfach mal so, als bräuchten wir keinen Damm, Wasser  ist doch etwas lebensnotwendiges.

Zum Einwand “Es gibt doch Palliativversorgung” sagt Ritter

Eine erste kapitale Frage lautet: Wer soll das bezahlen? … Palliativversorgung und Sterbehilfe liegen nicht einfach Meilen weit auseinander, sondern sind in der Praxis oft nicht wirklich zu unterscheiden.

Sein Trick: Die Kosten von Pentobarbital gegen den Tagessatz in einer Palliativstation hochrechnen und dazu eine schon justiziable  Verunglimpfung der Palliativversorgung.

Den Einwand “Schau auf das Kreuz…” tut er ab

Leidensmystik kann heute keine theologische Empfehlung mehr für Jedermanns Sterben sein.

Das ist kein Trick mehr, denn hier gibt er nun zentrale evangelische Positionen auf.

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 23.03.2026

Gehirnschmalz

Irgendwie werden ich den Verdacht nicht los, dass wenn jemand Gehirnschmalz bei anderen fordert, ihm selbst das fehlt.

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/tirols-landeshauptmann-platter-ueber-fahrverbote-in-oesterreich-16282182.html

Was soll das eigentlich sein, Gehirnschmalz? Der Duden sagt umgangssprachlich, scherzhaft, Verstandeskraft.  Der DW meint:

Schmalz ist eigentlich das geschmolzene Fett von Tieren – vor allem von Schweinen oder Gänsen. Manche Menschen schmieren es sich aufs Brot oder nutzen es zum Braten. Wer von Gehirnschmalz spricht, meint nicht etwa, dass jemand nur Fett im Kopf hat. Verwendet jemand viel Gehirnschmalz auf etwas, bedeutet das: diese Person denkt intensiv über etwas nach.

Es ist also doch so wie vermutet: die Verballhornung der Gehirnleistung,  die bereits abgeschmolzen ist.

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 23.03.2026