Category Archives: Philosophy

Wir müssen lernen, überrascht zu sein

"Ich würde über Individuen sagen, dass ein Individuum stirbt, wenn es aufhört, überrascht zu sein. Ich bin jeden Morgen aufs Neue überrascht, wenn die Sonne scheint. Wenn ich eine böse Tat sehe, bin ich nicht indifferent. Ich gewöhne mich nicht an die Gewalt, der ich begegne, ich bin immer noch überrascht. Deshalb bin ich dagegen, deshalb kann ich ihr meine Hoffnung entgegensetzen. Wir müssen lernen überrascht zu sein, nicht uns anzupassen."

Abraham Joshua Heschel, genaue Quelle nicht bekannt

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 16.07.2026

What to do when you disagree with your PI

There was a nice thread at X (former Twitter) about interview questions and how to respond. Here are three question that are answered by Aakash Gupta along with ChatGPT responses.

 

How would you handle a situation where you strongly disagree with the higher-ups’ decision?

  1. I tried to understand their point of view
  2. Then I weighed everything on first principles
  3. I spoke up once more
  4. But ultimately disagreed & committed

As an AI language model, I don’t have personal feelings or opinions, but I can provide you with some advice on how to handle a situation where you strongly disagree with higher-ups’ decisions:

  1. Remain calm and composed: It’s essential to keep your emotions in check when expressing disagreement. Approach the situation with a professional and respectful demeanor.
  2. Understand the rationale: Take the time to understand the reasoning behind the decision. There might be factors or information that you are not aware of, which could influence their choice.
  3. Gather evidence and prepare your argument: If you still believe the decision is not the best course of action, collect data and evidence that support your viewpoint. Having a well-reasoned argument will help you present your case effectively.
  4. Choose an appropriate time and place: Find a suitable moment to discuss your concerns with the higher-ups. Avoid doing so in public or during high-stress situations.
  5. Be open to discussion: Be receptive to their perspective as well. A constructive dialogue can lead to better understanding and, potentially, a more acceptable resolution.
  6. Propose alternative solutions: Instead of just pointing out the problems, suggest alternative approaches that you believe might yield better results.
  7. Consider escalation: If the decision impacts the company’s values, ethics, or legality, and you can’t find common ground, consider escalating the matter through proper channels within the organization.
  8. Accept the decision gracefully (if necessary): In some cases, despite your efforts, the higher-ups may still proceed with their decision. It’s essential to respect their authority and demonstrate professionalism by accepting the outcome gracefully.
  9. Focus on the bigger picture: Remember that organizations function as a team, and decisions may be made based on broader considerations. While you may disagree with a specific decision, maintaining a positive attitude and focusing on the organization’s overall success is crucial.
  10. Learn from the experience: Use the situation as an opportunity for growth. Reflect on how you handled the disagreement and consider what you can do differently in the future.

Ultimately, how you handle the situation will depend on the specific circumstances and your organization’s culture. Always prioritize maintaining a respectful and professional demeanor, even when expressing strong disagreement.

 
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CC-BY-NC Science Surf , accessed 16.07.2026

Britische Universitäten nur noch Serviceprovider?

Nach Gad Saad’s Parasitic Mind ist der Insiderbericht von Kai Jäger in der FAZ über die fatale Mischung aus Kundendenken, bürokratischen Auswüchsen und ideologischer Gängelung, eindeutig das Erschreckendste was ich in diesem Jahr über eine Universität gelesen habe.

Die Brand-&-Marketing-Departments der Universitäten investieren in teure Marketing-Kampagnen, teils sogar in Werbeflächen von Fußballvereinen, um die Konsumenten von der Qualität ihres Produktes zu überzeugen. … Um diverse Ranglisten und Performance-Kriterien zu verbessern, werden immer neuere dirigistische Initiativen unternommen, die wissenschaftliche Autonomie nach und nach durch bürokratisches Mikromanagement ersetzen. … In der Praxis hat das Primat der Studentenzufriedenheit zur Nivellierung akademischer Standards und zu einer Inflation sehr guter Noten geführt, da die Zufriedenheit der Studentenschaft eng mit der erhaltenen Benotung in Verbindung steht. Wer durchfällt (oder plagiiert), kann den Aufsatz oder die Klausur in der Regel so oft wiederholen, bis das Resultat passt. Wenig überraschend stellt die "Times" fest, dass im Jahr 2018 keiner der rund 33.000 Bachelor-Studenten an elf englischen Universitäten in den Abschlussprüfungen durchfiel.

Die Situation zeichnet sich auch in Deutschland ab – fast forward ausgehend von Christiane Florin’s Analyse.

Christian Jäger legt aber noch nach, was Meinungsfreiheit im akademischer Diskurs angeht

Nun sind wir bei der "Wokeness" angelangt, was man grob als den dogmatischen und unwissenschaftlichen Glauben definieren kann, dass sich jegliche Ergebnisungleichheit in der Gesellschaft auf Diskriminierung zurückführen lässt,… . Es ist sicher kein Zufall, dass Phänomene wie "Trigger Warnings", "Safe Spaces" oder "Cancel Culture" ihren Ursprung und die größte Verbreitung in den Universitätslandschaften der Anglosphäre haben, wo die Verwandlung der Studentenschaft in Konsumenten am weitesten fortgeschritten ist. Denn aus Sicht eines profitorientierten Unternehmens sind Kontroversen ein Risiko für die Reputation der eigenen Firmenmarke.

Zufall oder nicht, so stellt auch Arnd Diringer letzte Woche fest

Gefährdungen erheblichen Ausmaßes" für die Meinungsfreiheit entstehen auch "aus den Reihen der Gesellschaft selbst durch eine moralisierende Vorzensur unerwünschter Meinungen". Das schrieb Professor Ferdinand Kirchhof jüngst in der Neuen Juristischen Wochenschrift [ NJW 2023, 1922 “Der Wirkungsbereich des Grundrechts auf Meinungsfreiheit”]. Neu ist diese Feststellung nicht. Aber es lässt aufhorchen, wenn ein ehemaliger Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts das in der wichtigsten juristischen Fachzeitschrift anprangert.
Kirchhof beklagt, dass man "immer häufiger auf den gesellschaftspolitischen 'Missionar'" trifft, "der sich im Besitz der endgültigen Wahrheit weiß" und "nur eine einzige Meinung, nämlich seine eigene" duldet. Andersdenkende werden "in moralischer Selbstgewissheit an den Rand der Gesellschaft" gedrängt. Diskursvermeidung wird "von interessierten Kreisen geradezu als ethische Verpflichtung verstanden, der sich jedermann beugen muss".

Initiis resistere

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 16.07.2026

Replacing academic journals

Brembs B et al. 2023 / Replacing academic journals. R. Soc. Open Sci. 10: 230206

After three decades of deterioration, more and more experts
consider the scholarly journal system fundamentally broken … [A new system needs to replace traditional journals with a decentralized, resilient, evolvable network that is interconnected by open standards and
open-source norms under the governance of the scholarly
community

yea, yea.

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 16.07.2026

Ghosted

It happened to me several times that collaborators let me work extensively but then stopped responding. This seems to be also the experience of others.

The first step is to not blame yourself. None of us knows what another person is going through - perhaps the ghoster is dealing with a truckload of stress. Maybe they thought they would respond later to your messages, but then the right moment never came, or your e-mail got buried in their inbox under an avalanche of other messages. Or perhaps they no longer wish to work with you and are trying to spare your feelings by not saying no directly. It's impossible to know, so there is no point in blaming yourself. They made the decision to ghost you - but your reaction is entirely up to you.

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 16.07.2026

Jeder mag die Tatsache, dass es Whistleblower gibt, aber niemand kann sie leiden

ist ein Zitat von Christine Westerhaus: Whistleblower in der Wissenschaft - Wer wagt, verliert. Deutschlandfunk Erstausstrahlung 4. Februar 2018 und wird Uri Simonsohn zugeschrieben. Es findet sich auch in dem phänomenal guten Aufsatz “Kein Platz für falsche Rücksichtnahmen und Anschuldigungen” des DHV Präsidenten Bernhard Kempen.

Zivilcourage ist eine Tugend, die Kraft kostet. Das Aufdecken von Missständen ist besonders dort wichtig, wo reguläre Kontrollinstanzen nicht genau hinschauen oder versagen. Für die Wahrheitsfindung braucht es Menschen, die ihrem Gewissen folgen und persönliche Risiken nicht scheuen, Menschen, die notfalls bereit sind, ihr bisheriges Leben und ihre Karriere aufs Spiel zu setzen. Das gilt selbstverständlich nicht nur für die Wirtschaft und Politik, sondern in besonderem Maße auch für die Wissenschaft.
Ihre Relevanz und ihr Renommee werden maßgeblich von der Achtung wissenschaftsimmanenter ethischer Grundsätze bestimmt, die sich staatlicher Gestaltungsmacht entziehen. Für die Formulierung und die Einhaltung der Regeln guter wissenschaftlicher Praxis trägt vornehmlich die wissenschaftliche Gemeinschaft selbst Verantwortung. Der redliche Umgang mit Methoden, Quellen und Daten sowie dem geistigen Eigentum Dritter bildet weltweit das Fundament für die Berufsausübung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern…

Beiträge zur Hochschulforschung 1-2 (2021), S.106 ff lesenswert!

Ceterum censeo

M Eisen https://twitter.com/mbeisen/status/1682774126933741569

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 16.07.2026

Viele Worte zu machen, um wenige Gedanken mitzuteilen

Viele Worte zu machen, um wenige Gedanken mitzuteilen, ist überall das untrügliche Zeichen von Mittelmäßigkeit. Das des eminenten Kopfes dagegen, viele Gedanken in wenige Worte zu schließen.
Arthur Schopenhauer, Parerga und Paralipomena (Nebenwerke und Nachträge) II 558

Das, was man weiß, hat doppelten Wert, wenn man zugleich das, was man nicht weiß, nicht zu wissen eingesteht.
Arthur Schopenhauer, Parerga und Paralipomena (Nebenwerke und Nachträge) II 12

Alle Wissenschaft kann nie ein letztes Ziel erreichen, noch eine völlig genügende Erklärung geben, weil sie das innerste Wesen der Welt nie trifft.
Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung I 33 f.

Was die Wissenschaften voraussetzen und ihren Erklärungen zum Grunde legen und zur Grenze setzen, ist gerade das eigentliche Problem der Philosophie, die folglich insofern da anfängt, wo die Wissenschaften aufhören.
Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung I 97

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 16.07.2026

We need only 1 not 4000 journals

Aaron Ciechanover criticises profits of Nature publisher and backs mega-journal model according to a June 26, 2023 report at Times Higher Education

Speaking at the annual Lindau Nobel Laureate Meeting, Aaron
Ciechanover, the Israeli biologist who won the Nobel Prize in Chemistry in 2004, took aim at the high cost of scientific publishing which, he argued, was linked to the importance attached by scientists to publishing in big-name journals. "Everyone wants to have a paper in Cell, Science or Nature, which is wrong - we are celebrating where you are published rather than what you have published," explained Professor Ciechanover at the event in southern Germany.

Well said!

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 16.07.2026

People's capacity to think rationally

When we think of a pandemic, we often conjure images of deadly infectious diseases that spread rapidly across countries causing unimaginable human suffering (like the Black Death, the Spanish influenza, AIDS, or the ongoing COVID-19 crisis). The West is currently suffering from such a devastating pandemic, a collective malady that destroys people's capacity to think rationally.

Gad Saad "The parasitic mind" has some problems with "leftist professors" but having at the same time a lot of well-rooted observations.

I posit that freedom of speech, the scientific
method, intellectual diversity, and a meritocratic ethos rooted in individual dignity rather than adherence to the ideology of Diversity, Inclusion, and Equity (DIE) are nonnegotiable elements of a truly enlightened society. A fair society ensures that its members have equality of opportunities and not equality of outcomes as mandated by DIE edicts ... several anti-science, anti-reason, and illiberal idea pathogens including postmodernism, radical feminism, and transgender activism. These idea pathogens destroy our understanding of reality ... the mindset of social justice warriors gave rise to universities that prioritize minimizing hurt feelings over pursuing.

Interview auf deutsch

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 16.07.2026

Science is ...

... an essentially anarchic enterprise: theoretical anarchism is more
humanitarian and more likely to encourage progress than its law-and-order alternatives.

"History generally, and the history of revolution in particular, is always richer in content, more varied, more many-sided, more lively and subtle than even" the best historian and the best methodologist can imagine. History is full of "accidents and conjunctures and curious juxtapositions of events" and it demonstrates to us the "complexity of human change and the unpredictable character of the ultimate consequences of any given act or decision of men".

Feyerabend in Against Method 1962 citing here Lenin and Butterfield

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 16.07.2026

Statistical parrot

Harald Lesch talks about AI language models as "statistical parrots". Even more worrisome are the hallucinations

"Language models are trained to predict the next word," said Yilun Du, a researcher at MIT who was previously a research fellow at OpenAI, and one of the paper's authors. "They are not trained to tell people they don't know what they're doing."

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 16.07.2026

Whistleblower update

Der Schutz von Whistleblower sollte eigentlich nach Willen der EU besser werden. Aber nach unendlichen Verzögerungen, zuletzt vor dem Vermittlungsausschuss des Bundestages, ist es damit nicht weit her, wenn nicht mal mehr anonyme Hinweise möglich sind. Einziger Trost: auch woanders nur"talk, no action".
So wird das deutsche Gesetz wohl bald wieder einkassiert werden, das meint nicht nur Transparency Deutschland

Leider muss man in aller Deutlichkeit sagen: Der vorliegende Gesetzentwurf zum Schutz von Hinweisgeber:innen ist ein Fiasko. Die Bundesregierung muss dringend nachbessern, denn in der vorliegenden Form brächte das Gesetz neue Rechtsunsicherheiten für Whistleblower:innen, Unternehmen und Behörden. Anstatt den klaren Vorgaben und Empfehlungen der EU zu folgen, hat die Bundesregierung Stückwerk vorgelegt.

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 16.07.2026