Getting started with webRTC

While the protocol is already around for some time, webRTC isn’t been used so much although many browser are supporting it.

The basic webRTC samples of peer connection works well within the same browser window (showcase) while I need to connect sound + audio between two browser windows in a local network. After trying out several frameworks, I found the most easiest one easyRTCrtc. It works out of the box

git clone https://github.com/priologic/easyrtc.git
cd /Users/wjst/Desktop/easyrtc
cd /Users/wjst/Desktop/easyrtc/server_example
npm install express --save
node server.js

while pointing the browser to localhost:8080. Three weeks later, I find the sources poorly documented, connections are frequently broken, while Chrome explains it is moving soon to “Plan B”.

I could have been warned.

Will test now Ant Media Server.

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026

Die Meinung der Lungenfachärzte (6000 Tote X)

Es sieht so aus, als sei ich nicht ganz allein mit meiner Kritik an dem NO2 Grenzwert, wenn ich mir die Unterschriftenliste der 112 Lungenfachärzte im Netz ansehe.

Das stärkste Argument gegen die extrem einseitige Auswertung der [epidemiologischen] Studien ist jedoch eine Besonderheit, die nur beim Feinstaub und NOx vorliegt. Normalerweise müsste man zur Absicherung eines Grenzwertbereiches eine Expositionsstudie am Menschen durchführen mit höheren und niedrigeren Dosen. Das ist ethisch jedoch nicht vertretbar. Beim Feinstaub und NOx ist die Situation anders, denn die Raucher Inhalieren freiwillig außerordentlich hohe Dosen, so dass diese quasi freiwillig an einer riesigen Expositionsstudie teilnehmen.

Die Diskussion geht aber nun doch etwas durcheinander – ich würde vorschlagen, bei  dem ursprünglichen Thema NOx und Langzeiteffekte zu bleiben. Also weder NOx und Partikel zu vermischen, auch nicht Kurz- und Langzeiteffekte.

Wichmann in seiner “Expertise zu gesundheitlichen Risiken von Stickstoffdioxid” für Baden-Württemberg mit eindeutiger Aussage:

Quantitative Abschätzungen der Auswirkungen der NO2 Langzeitexposition auf die Mortalität: US-EPA und WHO/EU sehen die Datenlage für quantitative Aussagen zur vorzeitigen Todesfällen und verlorenen Lebensjahren als begrenzt an. Deshalb verzichtet US-EPA auf die Durchführung entsprechender Abschätzungen für NO2. WHO/EU empfiehlt solche Abschätzungen nur für Sensitivitätsanalysen und verweist darauf, dass NO2 möglicherweise ein Schadstoffgemisch repräsentiert und man nicht ausschließen kann, dass derartige Abschätzungen nicht die Wirkungen des NO2-Gases allein wiedergeben.

Schulz versteigt sich immer höher: “Die Grenzwerte sind sogar noch zu hoch”.

Bartens von der SZ hat sich etwas besonderes ausgedacht – er versucht Köhler persönlich zu diskreditieren. Wie auch bei letzten SZ Wissen Thema diverse Faktenfehler.

Derjenige, der Sinn und Höhe der Grenzwerte anzweifelt, ist Dieter Köhler, ein 70-jähriger Pneumologe, früher Chefarzt einer Lungenfachklinik im Hochsauerland und zwei Jahre Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP). Köhler ist medienerfahren … Holger Schulz, Direktor des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum München, hat mehrere Studien zu den Gefahren durch Luftverschmutzung geleitet.

Jasper von Alternbockum trifft meine Meinung

Die Umweltpolitik ist besonders anfällig dafür, Wissenschaft zu verformen. Doch gerade auf diesem Feld ist die Politik auf Vertrauen angewiesen. Die Debatte um Diesel-Fahrverbote droht dies nachhaltig zu zerstören.

Nicht allzuviel Neues im Deutschen Ärzteblatt

Berlin – Lungenspezialisten haben eine kritische Überprüfung der Auswirkungen von Feinstaub und Stickoxiden auf die Gesundheit gefordert. In einer heute veröffentlichten Stellungnahme äußerte eine Gruppe von mehr als 100 Medizinern erhebliche Zweifel an der wissenschaftlichen Methodik bei der Festlegung der Grenzwerte. Zugleich drängen die Ärzte auf eine Neubewertung der Studienlage. Es gebe derzeit „keine wissenschaftliche Begründung für die aktuellen Grenzwerte“, hieß es in der Stellungnahme. Die Ärztegruppe kritisierte, die Daten zur Gefährdung von Luftverschmutzung seien „extrem einseitig“ interpretiert worden. Andere Faktoren wie Lebensstil, Rauchen, Alkoholkonsum oder Bewegung hätten weitaus stärkere Auswirkungen auf Krankheitshäufigkeit und Lebenserwartung.

Der Spiegel versucht sich an einer ausgewogenen Formulierung (die Betonung liegt auf versucht)

Auch wenn sich Argumente der Ärzte widerlegen lassen, für den wissenschaftlichen Diskurs ist der Beitrag sinnvoll. Es gehört zur Natur von Wissenschaft, Thesen, Ergebnisse und vor allem Interpretationen anzuzweifeln, andere Erklärungen anzubieten. Das heißt nicht, dass die Antithese der Wahrheit entspricht. Aber durch den Diskurs nähert man sich der Realität – mehr kann Wissenschaft ohnehin nicht bieten.

Und jetzt kommt leider der Rebound, den ich befürchtet habe:

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hält die Zweifel der Lungenärzte für gerechtfertigt. „Der wissenschaftliche Ansatz hat das Gewicht, den Ansatz des Verbietens, Einschränkens und Verärgerns zu überwinden“, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die Initiative der 107 Fachmediziner sei ein wichtiger und überfälliger Schritt. Er helfe mit, „Sachlichkeit und Fakten in die Dieseldebatte zu bringen“.

Da nützt auch die gebetsmühlenartige Wiederholung  der Epidemiologen nichts (Handelsblatt), der ADAC will die Werte nun sogar gerichtlich überprüfen lassen. Das ZDF berichtet über den Verkehrsgerichtstag unter der Überschrift “Diesel-Fahrverbote unverhältnismäßig”:

Nach dem [geplanten] Gesetz sollen Fahrverbote nur noch in “besonders belasteten Gebieten” in Betracht kommen. Das sollen solche sein, in denen eine NO2-Belastung von über 50 Mikrogramm vorliegt. Bei geringerer Grenzwertüberschreitung (zwischen 41 und 50 Mikrogramm) sollen Fahrverbote in der Regel als unverhältnismäßig gelten. Wenn das Gesetz kommt, hätte dies erhebliche Folgen. Von 65 bislang von Fahrverboten bedrohten oder schon betroffenen Städten, blieben wohl nur noch 15 übrig.

Jetzt wird alles herausgekramt, zum Beispiel dass Fahrverbote weniger als gedacht bringen.

Ferdinand Dudenhöffer ist für klare Worte bekannt. „Diesel-Fahrverbote bewirken deutlich weniger als immer behauptet“, sagt der Direktor des CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essen.

So richtig informiert ist Köhler nicht, denn die Londoner Studie kennt er nicht.

Ja, sagte er auf eine Zwischenfrage Plasbergs, ja er würde bedenkenlos in eine Wohnung an einer vielbefahrenen Straße ziehen, nur der Krach würde ihn stören. Aus alten Daten würden neue Krankheitswerte abgeleitet, und leider sei niemand in der Lage, eine aktuelle Studie vorzulegen. Denn die koste 30 bis 50 Millionen Euro und dauere ewig, weil man ja warten müsse, bis die Menschen sterben.

Selbst das Geschütz der Grundrechtsverletzung wird aufgefahren. Und irgendwie streiten sich jetzt nur noch Kinder.

Joachim Müller-Jung in der FAZ diskreditiert Universitätspneumologen als “Fachärzte” und “Ärzte Aktivisten”, kann sich dabei nicht recht entscheiden ob sein eigener Satz

Grundsätzlich sind Grenzwerte zur Luftreinhaltung nicht das Ergebnis eines wissenschaftlichen, sondern eines politischen Prozesses.

denn nun stimmt oder nicht ist. Dann wirft auch er Stickoxide und Feinstaub in einen Topf, erfindet ein erhöhten Risiko für Asthmatiker und kleine Kinder (für was?) und bestreitet dass es auch Einwände von Epidemiologen gibt. Und treibt internationale Lungenärzte auf. Nur leider reden diese nicht über NO2 Werten, sondern über Partikel.

Die verunglückte Stellungnahme der Lungenärzte hin oder her:  der Wissenschaftsjournalismus erlebt damit auch gerade einen Tiefpunkt sowohl FAZ, SZ und SPON (wo man dazu ungeniert sein Buch promoten darf). Da fällt die Bildzeitung diesmal nicht mal negativ auf.

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026

Obsoleszenz (6000 Tote IX)

Obsoleszenz ist die Zeitspanne, die ein Herstellers seinem Produkt gibt, bevor es kaputt geht. Und nachdem in Afrika viele Diesel mit über 1 Million km auf dem Tacho herum fahren, ist klar: der Diesel lebt länger, als von den Herstellern gewünscht.

Deswegen finden die Dieselhersteller es gar nicht schlecht, was die Umwelthilfe hier gerade veranstaltet. Sie finden es gar nicht schlecht, wie UBA und KBA plötzlich die Konjunktur unterstützt, so viel Support gab es noch nie von einem Ministerium. Sie finden es auch überhaupt nicht schlecht, wenn die Dieselfahrer (selbst die mit neuem Partikelfilter) auf einmal ein schlechtes Gewissen haben.

Denn jetzt können sie neue Autos verkaufen, wir leben schliesslich in einer Wegwerfgesellschaft. In Frankreich ist das absichtliche Verkürzen der Lebensdauer von Produkten eine Straftat.
Nichts anderes machen gerade die deutschen Behörden in großem Stil.

SPON heute

Fürs Klima ist [das] kontraproduktiv. Benziner verbrauchen mehr Sprit als vergleichbare Dieselmotoren und stoßen damit mehr Kohlendioxid (CO2) aus. Die 2018 zugelassenen Autos haben im Schnitt wohl mehr CO2 emittiert als 2017. Das legen die Zahlen bis einschließlich August nahe. Demnach emittierten die Wagen im Schnitt 130,1 Gramm CO2 pro Kilometer. Im selben Zeitraum in 2017 waren es 128 Gramm.

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026

Die Ethik von Facebook

Das mangelnde Bewusstsein von Facebook in ethischen Fragen war das immer wiederkehrende Problem von Cambridge Analytics bis zum Filterstream. Und nun finanziert Facebook plötzlich ein Ethik-Institut? Niemand redet mehr über die Ethik von Facebook sondern darüber was Facebook für die Ethik tut?

So viel positive PR für lächerliche  6,5 Millionen?

 

Damit sollen ethische Regeln in die KI eingebaut werden – mit Wettbewerb als universelle Problemlösung? Ich muss mir nun doch mal das “Experimental Ethics Lab”  genauer ansehen, bisher war mir nur “Ethics of Experimental Labs” ein Begriff. Details zuhauf ab S. 163 bei Rusch / Lütge / Voland

Seit einigen Jahren engagiert sich ein kleiner Teil des, vornehmlich US-amerikanischen, philosophischen Nachwuchses in der eigenständigen experimentellen Untersuchung philosophischer Fragestellungen im Bereich von Wahrnehmung, Verhalten und Einstellungen …

Das hört sich irgendwie mehr nach Psychologie Einführungsseminar an. So wird die Kritik daran dann auch gleich mitgeliefert

Kritiker, insbesondere aus der Tradition der analytischen Philosophie, werfen der Experimentellen Philosophie neben Mängeln in experimental-technischen Details vor allem vor, sie könne mit ihrer Methodologie überhaupt keinen philosophischen Erkenntnisgewinn erzielen, gehe es doch in der Philosophie eben nicht darum, was und wie Menschen ganz konkret fühlen, denken, entscheiden oder handeln – also nicht um die Genese philosophischer Überzeugungen – sondern darum, einen konsistenten Begriffsrahmen zu schaffen, in dem sich Mensch und Natur präzise beschreiben lassen …. Philosophie soll demnach nicht erforschen, was der Fall ist, sondern wie Begriffe und Sprachen angelegt sein könnten, in denen sich dann alle denkmöglichen Sachverhalte widerspruchsfrei und eindeutig wiedergeben ließen.

Aber vielleicht ist genau das ausser Mode gekommen, Sachverhalte widerspruchsfrei aufzuklären? Weil so vieles dubios ist bei der  Verlagerung der Diskussion über die “Ethik von Facebook”  zu  “Facebook beeinflusst Ethik”?

Thomas Beschorner sagt, von diesem Deal profitieren beide Partner. Das mag stimmen –  sagt aber noch lange nicht, dass die Allgemeinheit davon etwas hätte. Beschorner geht dabei  weniger von einem Reputationsgewinn aus, sondern glaubt eher an einen direkten Benefit.

Wer jetzt “gekaufte Wissenschaft” schreit, dürfte allerdings falsch liegen. Die TU München stellte schnell klar, dass es keine Auflagen seitens Facebook gibt, sondern es darum geht “unabhängige Forschung zu finanzieren”… Und was ist der Vorteil für den Geldgeber? Die von Facebook bereitgestellten Mittel sind keine Spende fürs Gemeinwohl, sondern eine Investition ins eigene Geschäft. Es geht weniger um Werbung oder einen Reputationsgewinn für Facebook durch die Kooperation mit der Uni. Der ökonomische Vorteil für Facebook dürfte vielmehr in der anvisierten Forschung an dem neuen Institut liegen.

Carolin Emcke sieht hingegen mehr den “whitewashing” Effekt

Aber mindestens ein Ergebnis steht schon fest, bevor das Institut mit der Forschung begonnen hat: Ethik ist als warenförmiges Accessoire durchsichtiger Image-Kampagnen desavouiert. Das ist ein hoher Preis.

 

Der Deutsche Hochschulverband hat die Newsletter-Leserinnen und -Leser nun im Februar gefragt, ob sie die Finanzierung eines Instituts für Ethik in der Künstlichen Intelligenz an der Technischen Universität München durch Facebook für unbedenklich halten. 6,2 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer antworteten mit Ja und 93,8 Prozent mit Nein.

Und jetzt – 5 Monate später – sehe ich eine kurze Notiz in der SZ.

6 Experten im Beirat von denen keiner Facebook kritisch sieht?

Ganz anders hingegen die Gesellschaft für Informatik

Der Vorstand der Gesellschaft für Informatik (GI) hat beschlossen, die Präsenz der Gesellschaft auf Facebook nach zehn Jahren zum 15. Mai 2019 zu schließen. Grund für die Abkehr ist das Verhalten des Konzerns, das seit Monaten immer wieder für negative Schlagzeilen sorgte. Zunehmend sei für die GI das Geschäftsgebaren von Facebook, aber noch viel mehr der fahrlässige Umgang mit Daten, das Ausspionieren und die vermeintliche oder tatsächliche Beeinflussung der Nutzerinnen und Nutzer untragbar geworden, hieß es zur Begründung. “Facebook trägt den Datenschutz als Lippenbekenntnis vor sich her, kann ihn aber nicht ernsthaft umsetzen, weil das dem Geschäftsmodell des Konzerns zuwider laufen würde. Hier ist keine Besserung in Sicht, und ein Zuwarten also vergeblich”, so Alexander von Gernler, Vizepräsident der GI. “Deshalb haben wir uns entschieden, nicht mehr Teil dieses sozialen Netzwerks sein zu wollen. Als Fachgesellschaft von verantwortungsbewussten Informatikerinnen und Informatikern können und wollen wir dieses Verhalten durch unsere Mitgliedschaft nicht weiter unterstützen.”

 

Addendum 14.12.2019

sueddeutsche.de

Eine schriftliche Vereinbarung zwischen Facebook und der Technischen Universität München (TU) gibt neuen Anlass für Zweifel an der Unabhängigkeit des Instituts für Ethik in der Künstlichen Intelligenz. Das Dokument, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt, trägt die Unterschriften des ehemaligen TU-Präsidenten Wolfgang Herrmann, des Ethik-Institutsleiters Christoph Lütge und des bei Facebook für Künstliche Intelligenz zuständigen Vizepräsidenten Jerome Pesenti. Es widerspricht den bisherigen Darstellungen der TU in mehreren wesentlichen Punkten.

netzpolitik.org und tagesspiegel.de

Weiter heißt es in dem Brief ausdrücklich, dass das neu gegründete Ethikinstitut von Gründungsdirektor Christoph Lütge, dem Inhaber des Stiftungslehrstuhls für Wirtschaftsethik … geführt werden muss. Eine Abweichung hiervon, beispielsweise die Ernennung eines anderen Institutsleiters, bedarf ausdrücklich der vorherigen schriftlichen Zustimmung von Facebook … Die Findung eines Institutsdirektors findet im Wissenschaftsbereich in der Regel durch öffentliche Stellenausschreibungen, Bewerbungsverfahren und anschließende Auswahl durch ein unabhängiges Expertengremium statt. Ein solches Verfahren hat jedoch in diesem Fall offenbar nicht stattgefunden.

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026

Wirklich? (6000 Tote VIII)

Das Kraftfahrbundesamt schickt mir einen Brief letzte Woche, den auch 1,5 Millionen andere Besitzer eines Diesels  bekommen haben. Und der auch schon entsprechend kritisiert wurde

In dem Brief werden nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums Halter älterer Diesel darüber informiert, dass ihr Wagen in einer Region zugelassen ist, in der ein Jahresmittelwert von 50 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft überschritten wird und ihr Wagen nicht der neuesten Abgasnorm entspricht. Es handele sich um ein “reines Informationsschreiben”. Die Halter werden darin auch auf Umweltprämien und Hardware-Nachrüstungen in besonders belasteten Regionen hingewiesen. Zugleich werden Hotlines und Internetauftritte von BMW, Daimler und VW genannt. Es heißt aber auch: “Es bleibt ihnen unbenommen, sich auch bei anderen Herstellern über laufende Umtauschaktionen zu informieren.” Der ADAC warnte nun, viele Betroffene verstünden die Briefe des Kraftfahrtbundesamts als “einseitige Werbeaussage zugunsten der genannten Hersteller”. ADAC-Technikchef Reinhard Kolke schrieb an den Vorsitzenden des KBA-Beirats, Karsten Lemmer, einige Halter hätten den Brief so verstanden, dass man drohende Fahrverbote nur durch Umtausch des Autos bei BMW, Mercedes oder VW vermeiden könne.

Mal abgesehen davon , dass es eine unverhohlene Werbung für BMW,  Daimler, VW ist, hat sich das KBA auch mit dem Grenzwert verhauen.
Wer soll mich eigentlich in den neuen UHZ (“Umwelthilfezonen”) kontrollieren? Die Polizei wohl nicht, denn sie selbst ignoriert die Anti-Dieselkampagne von KBA und UBA (siehe www.behoerden-spiegel.de).

Die für Beschaffungen bei den Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) Verantwortlichen lassen sich offenbar auch von der derzeitigen Diskussion um Dieselfahrzeuge und ihre Emissionen nicht beirren. Sie erwerben oder leasen für Polizeien und Feuerwehren in ganz Deutschland weiterhin zahlreiche derart angetriebene Personen- und Lastkraftwagen. So beträgt der Anteil von Fahrzeugen, die mit einem Dieselmotor ausgestattet sind, bei der bayerischen Polizei 88 Prozent. Von rund 8.400 Kraftfahrzeugen werden etwa 7.350 auf diese Art und Weise angetrieben.

 

 

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026

Eine sinnvolle Verkehrspolitik (6000 Tote VII)

Die Strategie müsste eigentlich klar sein auch ohne NO2 Diskussion. Denn neben Luftverschmutzung spielen auch Aspekte wie Unfalltote, Energieverbrauch, Platzverbrauch, etc eine Rolle bei der Bewertung des motorisierten Indivudalverkehrs.  Die meiste Zeit steht man mittlerweile sowieso als Pendler im Stau.

Es ist wie mit den Tierversuchen: “Reduce, refine, replace”.

  • „reduce” weniger und weniger schnell Auto fahren, zum Beispiel durch Geschwindigkeitslimits und Home Office
  • mit „refine” echte Innovationen, wie den XL1 oder das  C1, oder auch nur mehr Sharing Angebote
  • „replace” Radverkehr Trassen wie in Berlin und nicht so alberne Radlhauptstadt Kampagnen – da ist ja BMW schon weiter als die Politik

All das würde die Luft weiter verbessern, das wäre ehrlich und nachhaltig. Selbst Söder will jetzt Klimaschutz in die bayrische Verfassung aufnehmen, dann kann München endlich aus Klimaschutzgründen auf Citymaut verklagt werden ;-)

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026

Das Killer Argument gegen den NO2 Grenzwert (6000 Tote VI)

Nun also etwas mehr zu dem “Diesel”-“WHO”-“Background”-NO2 Wert von 40 µg/m3.

Man müsste mal bei REVIHAAP 2013 oder besser noch
WHO Air quality guidelines 2005
bzw 2002 nachschauen, wie denn dieser Wert zustande kam. Die 1987 WHO guidelines gibt es leider nicht online, was aber unwichtig ist, denn 2002 waren es noch 100 µg/m3. Also schauen wir 2005. Und voila, da sind es nun 40 µg/m3!

Allerdings schränkt die WHO den Wert massiv ein, Zitat:

Numerous epidemiological studies have used NO as a marker for the cocktail of combustion-related pollutants, in particular, those emitted byroad traffic or indoor combustion sources. In these studies, any observed health effects could also have been associated with other combustion products, such as ultrafine particles, nitrous oxide (NO), particulate matter or benzene. Although several studies – both outdoors and in- doors – have attempted to focus on the health risks of NO2, the contributing effects of these other, highly correlated co-pollutants were often difficult to rule out.

Und wenn man weiter liest:

Long-term exposures. There is still no robust basis for setting an annual average guideline value for NO2 through any direct toxic effect. Evidence has emerged, how- ever, that increases the concern over health effects associated with outdoor air pollution mixtures that include NO2. For instance, epidemiological studies have shown that bronchitic symptoms of asthmatic children increase in association with annual NO2 concentration, and that reduced lung function growth in children is linked to elevated NO2 concentrations within communities already at current North American and European urban am- bient air levels. A number of recently published studies have demonstrated that NO2 can have a higher spatial variation than other traffic-related air pollutants, for example, particle mass.

Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass man statt der volatilen NO2 Werte besser Verkehrszählungen wie bereits 1993 genommen hätte. Man könnte mit automatischer Kennzeichen Erkennung direkt die Emissionen eines Fahrzeugs errechnen, wenn das vom Datenschutz möglich ist.

Und das Killer Argument? Es gibt seit Anfang des Monats eine empirische Widerlegung des Grenzwertes aus der grössten verkehrsberuhigten Zone der Welt.

 

 

Wohnten zu Beginn noch 99% der Kinder in einer Londoner Region mit >40 µg/m3, waren es am Ende nur 34%. Und was  passierte in dem Zeitraum?

 

Das wichtigste Outcome ist in Abbildung 4C

 

Nicht viel, die Auswirkung von NO2 auf die Lungenfunktion war nie signifikant, meist war der FEV1 erniedrigt, einmal erhöht. Wenn ich nun die Werte aus beiden Tabellen herausziehe und die Daten mit R plotte,

ds <- data.frame("year" = 2009:2013, "homeDFEV1" = c(0, -.0005, -.0007, .0003, -.00015), "pctNOgt40" = c(99,75,21,69,34))
ggplot(ds, aes(x=pctNOgt40, y=homeDFEV1, label=year)) + geom_point(color="blue", size=5) + geom_text(size=10, color="blue", ,hjust=.5, vjust=1.5) + geom_smooth(method='lm',se=FALSE) + xlim(0,105) + ylim(-0.0008,0.00035) + clean_theme(base_size = 25)

 

A reanalysis of MUDWAY 2019 (doi:0.1016/S2468-2667(18)30202-0) using FIG 4C FEV1 values on the y-axis and % children in region >40 µg/m3 NOon the x-axis by examination year. It clearly shows effect sizes towards null with increasing number of highly exposed children.

 

dann sehen wir, dass mit zunehmender Zahl der Grenzwert Überschreitungen der Effekt auf die Lungenfunktion  (FEV1 Änderung pro Einheit NO2) gegen Null geht. Dabei hätte ich doch angenommen, die Auswirkungen werden grösser, wenn wir in einer höhere Expositionsklasse sind. Der Grenzwert von 40 µg/m3 NOist also empirisch sinnlos. In London. Für Kinder.

q.e.d.

p.s.

Ich frage mich, warum ich mir überhaupt die Mühe gemacht habe, etwas über den NO2 Grenzwert ausfinden zu machen. Denn dass es ein “politischer” Grenzwert ist, wiedie 20% Reduktion von Treibhausgas die das Kyoto-Protokolls der EU  bis 2020 vorschreibt, ist doch klar, wenn man zur NO2 nachliest

Bei Inkrafttreten des Grenzwerts … im Jahr 2002 galt für diesen Jahresgrenzwert noch eine Toleranzmarge von 16 µg/m3. Sie verminderte sich ab 1. Januar 2003 bis zum 1. Januar 2010 stufenweise um jährlich 2 µg/m3. Seit 2010 ist die Toleranzmarge entfallen und der Jahresgrenzwert von 40 µg/m3 ist verbindlich einzuhalten.

Warum gibt es aber nur diese Differenzen (wie in der kürzlichen ARD Doku) zwischen den “arrivierten” Epidemiologen des UBA und den “subalternen” Kritikern aus der Medizin? Den Graben zwischen statistischen Modellen und gesundem Menschenverstand? Geht es womöglich nicht um die Sachfrage, sondern um mit “Wissenschaft” direkten politischen Einfluss zu nehmen? Womansplaining?

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026

Wittgenstein (6000 Tote V)

Bevor die Serie langsam auf die Ziellinie kommt, hiernach  ein mehr erkenntnistheoretischer Einwurf aus einem SZ Artikel über Wittgenstein’s “Blaues Buch” 1933/34, mit dem seine Spätphilosophie begann.

Den Siegeszug der künstlichen Intelligenz, der generativen Grammatik und der Gentechnologie hat Wittgenstein nicht mehr erlebt. Aber [Wittgenstein] hat die Probleme gesehen und zu klären versucht, die unseren Verstand unauflösbar verknoten würden, wenn wir nicht mehr unterscheiden könnten, was echt oder simuliert ist, menschliche Wirklichkeit oder maschinenartiges Modell, tatsächlich der Fall oder bloß Fake.

Statisches Modellieren kann, muss aber mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben.

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026

IVF eine Zeitbombe?

Nachdem es also doch so viele IVFs in Deutschland gibt (12.000 IVF bei 785.000 Geburten im Jahr ), wäre es doch mal interessant, was es an Spätwirkungen für die IVF Kinder gibt, sobald sie das niedrige Geburtsgewicht und angeborene Defekte überlebt haben.

S. 22 Jahrbuch Deutsches IVF Register 2018

Aus zwei Gründen ist die Frage allerdings nicht ganz leicht zu beantworten. Erstens gibt es bisher keine IVF Kinder, die älter als 40 Jahre sind und damit gibt es auch keine Erfahrung mit den typischen Krankheiten ab 60 Jahre.

Und zweitens gibt es diverse Krankheiten der Eltern, die überhaupt erst zur IVF geführt haben, aber nicht der IVF selbst angelastet werden können. Zudem sind IVF Mütter deutlich älter als im Durchschnitt, was selbst schon ein Krankheitsrisiko für die Kinder bedeutet.

Zumindestens in der Theorie, ist die IVF nicht ganz ungefährlich für den Embryo – man braucht Hormone und ein künstliches Medium, was vor allem  den Methylierungsstatus der Embryos beeinflusst (dazu gibt es mehrere Studien, die wichtigste von 2015). Eigenartigerweise gibt es aber nur wenig klinische Literatur zu dem Thema und Null Information am Deutschen IVF Register. Das Register schreibt mir am 31.12., daß Auswertungen zu Spätfolgen nicht zu den Standardauswertungen des Deutschen IVF-Registers gehören. Macht das Register also primär PR?

Die fehlenden Studienbasis fiel auch vor kurzem dem Independent auf.  Das   letzte medizinische  IVF Review  ist leider schon etwas angejahrt. Beschriebene Risiken sind vor allem Depression im frühen Erwachsenenalter, Alkoholismus, erhöhter Bluthochdruck, erhöhter Nüchternzucker, erhöhter BMI, vorzeitige Knochenalterung sowie Schilddrüsenerkrankungen.  Hypertonie hört sich harmlos an,  wird  aber als ein Symptom einer vorzeitigen Gefäßalterung gewertet.

Eigentlich müsste es regelmässige Kontrolluntersuchungen nach IVF geben, am besten im Rahmen klinischer Studien.  Nicht umsonst wird auch die Richtlinie der assistierte Reproduktion gerade komplett neu verfasst, da die alte unbrauchbar war.

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026

Die UBA Quantifizierungsgrenze (6000 Tote IV)

Die UBA PR in eigener Sache – nachdem die Medien ja doch alles verdrehen

NO2 ist in dem Konzentrationsbereich 20 μg/m3 nicht toxisch. Wie die Wikipedia so schön schreibt “die Berechnung der Krankheitslast basiert dabei auf Stickstoffdioxid als Markermolekül für Gesundheitsschäden”. Also ein Marker – und wie mit dem Marker in dem UBA Bericht umgegangen wird, steht auf Seite 121 von abschlussbericht_no2_krankheitslast_final_2018_03_05 in der Abbildung 19

An der per definitionem festgelegten “Quantifizierungsgrenze” hängt letztendlich der ganze Effekt. Nach Aussage der Autoren wird bei einer Grenze von 10 μg/m3 für ca. 82 % der Einwohner Deutschlands ein gesundheitliches Risiko angenommen, bei  20 μg/m3 aber nur für 22%. Allerdings rauschen bei 20 μg/m3 die YLL in den Keller und niemand hätte den Bericht je angesehen.

Problematisch ist dazu auch dass die EWF (Expositions-Wirkungs-Funktion) dabei NUR aus  epidemiologische Studien bezogen wird –  Tierstudien, in-vitro-Versuche und toxikologische Studien werden einfach ignoriert.

Und warum in den  Datenbanken nur ab 01.09.2014 gesucht wurde? Da waren die Werte wohl zu hoch?

 

 

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026

Could the correction of a deleterious mutation be a disadvantage?

When working on a forthcoming talk about the ethics of correcting gene defects, I asked myself: Are there any empirical examples where the correction of a so called “deleterious” mutation may be a disadvantage? Or in other words: Are there any beneficial side-effects of otherwise deleterious mutations?

(Don’t answer this with the joke that the Y chromosome is a X with a large deletion :-)

Yes, there are some examples of heterozygote advantage

  • HBB-p.E6V leads to sickle cell anemia and malaria resistance
  • CFTR Delta F508 leads to CF and protects against tuberculosis

Maybe I am not asking if there are beneficial/deleterious mutations in a single gene – the question here is more about distant / cis-regulating elements.  And there seems to be a thesis that

deleterious mutations have long been thought to be unimportant, however this view overlooks the pivotal role of epistasis. The unique experiments presented here give new insights into the historical and highly contingent nature of evolution. While evolution frequently finds a well adapted solution in the long-term, evolving populations will frequently climb suboptimal peaks initially. Deleterious mutations become useful because they aide evolution in reconciling short-term and long-term adaptation.

the thesis made it also into a PNAS paper

It might seem obvious that deleterious mutations must impede evolution. However, a later mutation may interact with a deleterious predecessor, facilitating otherwise inaccessible adaptations. … We studied digital organisms—computer programs that replicate and evolve—to compare adaptation in populations where deleterious mutations were disallowed with unrestricted controls. Control populations achieved higher fitness values because some deleterious mutations acted as stepping stones across otherwise impassable fitness valleys. Deleterious mutations can thus sometimes play a constructive role in adaptive evolution.

Looks like humans shouldn’t interfere with their own evolution as long as the rules are not known… The PNAS paper above has been cited many times, it will take some time to scan these for more empirical examples.

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026

Ökologische Analyse (6000 Tote III)

5.771 mal zitiert: Robinson’s “Ecological Correlations and the Behavior of Individuals”

The relation between ecological and individual correlations which is discussed in this paper provides a definite answer as to whether ecological correlations can validly be used as substitutes for individual correlations. They cannot. While it is theoretically possible for the two to be equal, the conditions under which this can happen are far removed from those ordinarily encountered in data. From a practical standpoint, therefore, the only reasonable assumption is that an ecological correlation is almost certainly not equal to its corresponding individual correlation.
I am aware that this conclusion has serious consequences, and that its effect appears wholly negative because it throws serious doubt upon the validity of a number of important studies made in recent years. The purpose of this paper will have been accomplished, however, if it prevents the future computation of meaningless correlations and stimu- lates the study of similar problems with the use of meaningful correlations between the properties of individuals.

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026