Mit dem Heidegger Zitat eröffnet Paul Hoyningen-Huene den Aufsatz “IrrationalitaÌt in der Wissenschaftsentwicklung“.
TatsaÌchlich wurde die Wissenschaft, insbesondere die Naturwissenschaft, die meiste Zeit ihrer Existenz als rational verstanden, sowohl in ihrem eigenen Selbstbild als auch im Fremdbild, etwa durch die Philosophie oder das allgemeine Bewusstsein. … so wurden bestimmte wissenschaftliche Entwicklungen als steril oder scholastisch angeprangert, Wissenschaft wurde als gefaÌhrlich oder einseitig angesehen …. Kuhn behauptet … neben der Wichtigkeit von Paradigmen allem Anschein nach auch die IrrationalitaÌt der Wissenschaftsentwicklung. Bei den entscheidenden Weichenstellungen der Wissenschaftsentwicklung, naÌmlich der Auswahl und Akzeptanz einer Theorie aus einer Gruppe von konkurrierenden Theorien durch die jeweilige wissenschaftliche Gemeinschaft, wuÌrden durchaus nicht rationale GruÌnde den Ausschlag geben. … AÌhnliche Diagnosen von IrrationalitaÌt in der Wissenschaftsentwicklung waren auch von dem bekannten (und z.T. beruÌchtigten) Philosophen Paul Feyerabend zu hoÌren, der in seinem Buch Against Method von 1975 fuÌr die Wissenschaften gar den Slogan ausgab: "Anything goes". Ein Dutzend Jahre spaÌter schien Feyerabend die Vernunft sogar ganz und gar verabschieden zu wollen, indem er 1987 ein Buch mit dem Titel Farewell to Reason publizierte.
Der initialen Bestandsaufnahme von Hoyningen-Huene kann ich aus eigener Erfahrung durchaus zustimmen, denn die Auswahl aus den konkurrierenden Ursprungstheorien in meinem Bereich folgte nicht rationalen GrĂŒnden sondern mehr der MedienprĂ€senz einiger zentraler Figuren, dem “gesunden Menschenverstand” einiger Kommission und KongressprĂ€sidien, dem allgemeinen politischen Trend und wohl auch handfesten wirtschaftlichen Interessen.
Aber warum um Himmels willen Feyerabend berĂŒchtigt und nicht auch als berĂŒhmt zu bezeichnen? Es scheint der running gag bei Hoyningen-Huene zu sein
FĂŒr den AufklĂ€rer Feyerabend ist dieser VerstoĂ unmittelbar auch antihumanitĂ€r, denn "Fortschritt ist immer dadurch erreicht worden, dass man wohlverschanzte und wohlbegrĂŒndete Lebensformen an unpopulĂ€ren und grundlosen Werten gemessen hat. So hat sich der Mensch schrittweise von Furcht und von der Tyrannei ungeprĂŒfter Systeme befreit".
Nun ja, im Vorwort einer EinfĂŒhrung in die Philosophie Feyerabends seines Doktoranden Eric Oberheim wird Hoyningen-Huene schliesslich auch zitiert mit “If you join any one philosophical school, you loose ten IQ points”.
CC-BY-NC Science Surf , accessed 20.08.2026