Category Archives: Theology

Was das mit Religion zu tun hat

Nach den Protesten gestern im Gazastreifen sind 58 Menschen tot und 2800 verletzt. Es ist die Konsequenz aus dem Umzug der amerikanischen Botschaft nach Jerusalem. Die Botschaft wurde, nach allem was wir wissen, aus der evangelikalen Überzeugung heraus verlegt, dass der Geschichte etwas nachgeholfen werden muss. Gottes Wille ist schliesslich die Landnahme Kanaans . Schon 1230 v. Chr. wurde Jericho und Ai gebrandschatzt, Makkeda, Hebron und andere Städte zerstört. Gleich wie die Landnahme vor 3000 Jahren ablief, Eroberung, Penetration, Revolte, die SZ heute sieht eine Ursache des Konfliktes in der religiösen Überzeugung. Die Auseinandersetzung im Gazastreifen ist nur vordergründig ein Konflikt zwischen Juden und Muslime/Schāfiiten; es sind US evangelikale Christen, die hier die Fäden ziehen.

Es gilt aber auch für viele konservative, evangelikale Christen, die eher republikanisch wählen. Sie nehmen die Bibel wörtlich. Wenn dort steht, Israel sei das gelobte Land der Juden, wo dereinst das Tausendjährige Reiches Gottes beginnen wird, dann ist das so. Weltliche Dinge wie die politische und militärische Unterstützung Israels, die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt und der Umzug der Botschaft sind in diesem Milieu religiös eingefärbt … Trump, der nie als besonders frommer Mensch aufgefallen ist, mag das vielleicht früher nicht so genau gewusst haben. Aber man darf annehmen, dass Leute wie Bannon, der immerzu von der “judäo-christlichen” Kultur redet, und Vizepräsident Mike Pence, ein sehr gläubiger Christ, dem Präsidenten die wahltaktische Tragweite des Themas erklärt haben.

Da die Evangelikalen Trump wählten, musste er  jetzt auch etwas für sie tun (“promises made, promises kept”).  Konservative Evangelikale haben ein Faible für tausendjährige Reiche. Es ist die hässliche Kehrseite der monotheistischen Religionen, die Frieden predigen aber Hass, Zerstörung und Vernichtung bringen.

Der heilige Rest

Heribert Prantl zu dem Katholikentag morgen

Ich bin sehr katholisch aufgewachsen, war Ministrant in einer Zeit, in der man den Pfarrer noch mit “Hochwürden” anredete… Diese Zeit ist vorbei. Seit den sogenannten Missbrauchsskandalen ist es sogar umgekehrt: Die Unwürdigkeit der Person erfasst das Amt, die Gemeinheit des Amtsträgers entehrt die katholische Kirche … Und so sind zahllose untadelige, hochengagierte Seelsorger und Jugenderzieher unter Generalverdacht geraten. Und das ist nichts, was evangelische Christen klammheimlich freuen kann; denn dieser Generalverdacht infiziert alles Kirchliche. Es gibt hier längst die oft herbeigebetete Gemeinschaft der Kirchen, eine Art Ökumene im Negativen.

Und Herder schickt mir heute eine Werbung für “Eine Kirche für viele statt heiligem Rest” von Flügge und Holte

Wer zahlt, schafft an. Heißt es. Nur in der Kirche nicht. Da bezahlen 90 Prozent das, was 10 Prozent wollen und nutzen – ein Fakt, der Kirche ad absurdum führt. Von dieser Diagnose ausgehend zieht Bestsellerautor Erik Flügge zusammen mit David Holte, der selbst aus der Kirche ausgetreten ist, messerscharf Konsequenzen.

 

Marx widerspricht Bedford-Strohm widerspricht Söder

Beginnen wir mit http://www.sueddeutsche.de/bayern am 25. April 2018

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, begrüßt das Vorhaben. Er freue sich, wenn auch in der Öffentlichkeit Kreuze sichtbar seien, sagte Bedford-Strohm, der auch bayerischer Landesbischof ist, der Nachrichtenagentur epd. “Religion lässt sich nicht in die Privatsphäre verbannen.” Zugleich warnte er, das Symbol für politische Zwecke zu missbrauchen. Kreuze seien eine Art öffentlicher Selbstverpflichtung auf das, was den Inhalt des Kreuzes ausmacht: Humanität, Nächstenliebe, Menschenwürde.

und setzen fort mit http://www.sueddeutsche.de/bayern am 29. April 2018

Kardinal Reinhard Marx, der Chef der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, kritisiert Bayerns Ministerpräsident Markus Söder für dessen Kreuz-Erlass scharf. Es sei “Spaltung, Unruhe, Gegeneinander” entstanden, sagte Marx im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. “Wenn das Kreuz nur als kulturelles Symbol gesehen wird, hat man es nicht verstanden”, sagte der Erzbischof von München und Freising. “Dann würde das Kreuz im Namen des Staates enteignet.” Es stehe dem Staat nicht zu, zu erklären, was das Kreuz bedeute.

Zum Glück widerspricht hier Marx. Das hätte er wohl auch besser schon auf dem Tempelberg 2016 getan, wo beide schon einmal in das Kreuzfeuer geraten sind.

Bedford-Strohm denkt dann am 10. Mai 2018 in der FAZ nach und macht in einem zusammenhanglosen Selbstgespräch dann eine “Identitätsdebatte der Kirche” aus. Und bleibt wie üblich nichtssagend

Die aus meiner Sicht einzig wirklich tragfähige Handlungsoption nenne ich den öffentlich orientierenden Umgang. Eine Demokratie lebt davon, dass von der Glaubens- und Gewissenfreiheit Gebrauch gemacht wird und in den schwierigen gesellschaftlichen Orientierungsfragen die starke Stimme religiösen Orientierungswissens in den öffentlichen Diskurs eingebracht wird. Dass in Deutschland, und vielleicht auf besondere Weise in Bayern, die Kirchen dabei eine zentrale Rolle spielen und auch das Kreuz als ihr Symbol für das Lebensgefühl der Menschen besonders wichtig ist, steht dazu nicht im Widerspruch. Wo aber eine Kultur sich durch Menschen mit zunehmend unterschiedlichen Hintergründen weiterentwickelt, müssen natürlich auch andere mit dem Grundgesetz verträgliche Ausdrucksformen von Religion in der Öffentlichkeit einbezogen werden.

Es sekundieren auf einer eilig hochgezogenen Webseite weniger bekannte Theologen um Wolfgang Vogl.

Die folgenden aus Bayern stammenden oder in Bayern lehrenden christlichen Theologen bekennen sich zum Kreuz in der Öffentlichkeit. Wir erklären, dass wir für jedes in öffentlichen Räumen sichtbare Kreuz dankbar sind. Denn das Kreuz steht für die in Gott gründende Würde des Menschen (vgl. Gen 1,26–27), die eines der wesentlichen Würdefundamente ist und die unsere Demokratie nicht aus sich selbst hervorzubringen vermag.

Gen 1,26 ist dann doch etwas im Thema verfehlt, reden wir nicht über Mk 15,15? Der Neutestamentler Gerd Häfner rückt das Ganze dann auch gerade

Die Unterzeichner der Theologen-Erklärung bekennen sich im ersten Satz des Textes zum »Kreuz in der Öffentlichkeit«. Bereits diese Eröffnung lässt erahnen, dass die Problemstellung der Diskussion der letzten Tage nicht präzise erfasst wird. Es ging nicht darum, ob Kreuze in der Öffentlichkeit ihren Platz haben sollen oder dürfen. Zur Debatte stand und steht die Anordnung des Ministerpräsidenten zur Anbringung von Kreuzen in Behörden der bayerischen Staatsverwaltung.

genauso wie der Verfassungsrichter Dieter Grimm, der es auf den Punkt bringt “Das Kreuz steht für den Opfertod Christi” und nicht für die “geschichtlichen und kulturellen Prägung Bayerns“. Seine Rechtsauffassung über die neue bayerische Kreuz-Pflicht ist eindeutig: Verfassungswidrig!

Zu Pfingsten 2018 führt dann in der Bischofskirche St. Matthäus Bedford-Strom eine neue Variante ein. Ein nicht religiöser Geist für Deutschland, der von öffentlich rechtlichen Kreuzen ausgestrahlt wird? Ist das nicht lupenreiner Okkultismus?

Er wünsche sich jenseits der jeweiligen religiösen oder weltanschaulichen Überzeugungen, die die Bürger haben, einen Geist für Deutschland, sagte Bedford-Strohm weiter. “Und wenn das Kreuz in öffentlichen Gebäuden hängt, dann ist das dieser Geist, den es ausstrahlen soll.” Vor diesem Geist müsse niemand Angst haben. Er könne Juden, Christen und Muslime zusammenführen und die unseligen Identitätsdebatten überwinden, “in denen man versucht, die eigene Identität durch die Abwertung der anderen zu stärken”.

Nicht unerwartet dann evangelisch.de am 29.5.2018 mit dem Statement von Friedrich Wilhelm Graf (ebenfalls lesenswert “Es gibt keine christliche Politik“)

Der EKD-Ratsvorsitzende … habe sich … von der “einseitigen Okkupation des zentralen christlichen Symbols durch die Politik” distanziert, resümiert Graf. Doch auf “trennscharfe theologische Begriffe scheint er in Sachen ‘Kreuz’ verzichten zu wollen”, wirft Graf dem Ratsvorsitzenden vor. Bedford-Strohm habe sich theologisch “irritierend unklar” geäußert.
Anders sei die Reaktion einiger katholischer Geistlicher in Bayern ausgefallen, so Graf mit Blick auf die Äußerungen des Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick und des Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Lutherische Protestanten erlebten “nun einen Kardinal, der den religiösen Eigensinn des Kreuzes ungleich entschiedener verteidigt als ihre eigene Kirchenführung”, schreibt Graf.

“Irritierend unklar”, nach genau diesem Begriff habe ich gesucht. Interessant auch in dem Zeitzeichen Beitrag der Beitrag von Susanne Breit-Keßler mit protestantisch korrektem Doppelnamen auch ständige Vertreterin des Landesbischofs

Das Kreuz erinnert daran, daß der wahre Gott sich als wahrer Mensch offenbart

An den Kreuzen von Golgotha sind doch drei Menschen gestorben, oder? Eine Offenbarung wäre für mich etwas anderes . Ihre Aussage

Ich freue mich darüber, wenn politisch Verantwortlichen sich bewusst unter das Kreuz stellen.

ist dann auch nicht so recht nachvollziehbar. Sich freuen? An dem barbarischen Akt? Oder sich freuen, dass das Kreuz von Politikern für reichlich unchristlichen Ziele instrumentalisiert wird?
Es wäre besser gewesen, wenn jemand anderes die Frage von Graf beantwortet hätte:

Tut es dem Christentum im Land gut, wenn sich der Staat seines Zentralsymbols bedient? Oder wird durch inflationäre Aufhängung das Kreuz nur entwertet?

Die EKD, die Ethik und der Bundesverband der Musikindustrie

Interessant wäre doch mal zu sehen, wer in dem Echo “Ethikrat” Mitglied ist. Laut nordbayern.de gibt es den Ethikrat seit 2013, Vorsitzender ist der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Börnsen, *1942, politischer B-Promi, Ex Realschullehrer für Geschichte, Wirtschaft/Politik und Religion. Dann gibt es in dem Beirat noch “sonstige Vertretern des öffentlichen Lebens, von Religionsgemeinschaften, des Deutschen Musikrats, der Lehrerschaft und des Deutschen Kulturrats”, die aber schon etwas schwieriger zu recherchieren sind. Aber da heute der Präsident des Deutschen Kulturrates, Christian Höppner, zurückgetreten ist, wissen wir nun auch das zweite Mitglied. Damit lassen sich nun über einen Blog auch die restlichen Mitglieder auffinden

Wolfgang Börnsen (Ex MdB)
Klaus-Martin Bresgott (Rat der Evangelischen Kirche Deutschland)
Christian Höppner (Deutscher Kulturrat)
Martin-Maria Krüger (Deutscher Musikrat)
Uta Losem (Katholisches Büro)
Kurt Mehnert (Folkwang-Universität)
Ole Oltmann (Musikpädagoge)

Wer ist Klaus-Martin Bresgott? *1967 in Greifswald, Germanist, an anderer Stelle auch Kunsthistoriker, seit 9 Jahren Kulturmanager bei der EKD.
Und wer ist Uta Losem? Juristische Referentin im Kommmisariat der deutschen Bischöfe, befasst sich ansonsten mit Sozialpolitik, Arbeits- und Dienstrecht, Medien und Datenschutz.
Mehr zu dem Ethikrat bei Thomas Schreiber

Die damalige Position der Musikwirtschaft, das heißt der verantwortlichen Veranstalter des Echos, war: Die Aussagen sind durch die Meinungsfreiheit gedeckt; und die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hat die Songs nicht indiziert. Mit anderen Worten: Wir verkaufen alles, was sich verkauft, eine Haltung haben wir als Labels nicht. Damals wurde der sogenannte Ethikrat ins Leben gerufen, weil der Verband sich die Hände nicht selber schmutzig machen wollte – allerdings auch erst, nachdem ich als Redakteur damit gedroht hatte, die FreiWild betreffenden Teile der Veranstaltung nicht zu senden.

 

Nachtrag 21.4.
Nur das katholische Mitglied des Ethikrats hat offensichtlich gegen die Entscheidung gestimmt, Kollegah und Farid Bang auszuzeichnen. Der EKD Vertreter Bresgott reagiert nicht auf meine Emails und Dr. habil. Johann Hinrich Claussen, Kulturbeauftragter des Rates der EKD und Bresgotts Vorgesetzter behauptet dreist, der Ethikrat hätte schließlich die Problematik bekannt gemacht (dabei hatte vorher Frau Knobloch protestiert), er redet das Problem klein “Der Echo ist ein Wirtschaftspreis” (hat niemand bestritten), man würde nicht zensieren wollen (darum ging es nicht sondern um eine Auszeichnung) und flüchtet sich zuletzt in Allgemeinplätze (aus allem schlechten kann etwas gutes entstehen).

 

Nachtrag 22.4.
Warum eigentlich die Unfähigkeit der evangelischen Kirche, sich vom nationalsozialistischen Sumpf zu distanzieren? Ist es die Nähe zu Luthers judenfeindlichen Pamphleten? Die Nähe von protestantischen Fleiß, Disziplin und Pflichtbewusstsein und dem nahtlosen Übergang in die “Arbeit macht frei” Ideologie? Die unsägliche Anbiederung an den NS Staat? Im Luther Gedenkjahr 2017 wurden mehr als ein Dutzend Glocken gefunden, die völlig inakzeptablen Widmungen und Symbolen aus der NS-Zeit hatten. Dabei war aber nur eine einzige katholische Glocke.
Kein Wunder, so Manfred Gailus in der TAZ, gehörten in den evangelischen Landeskirchen etwa 15 bis 20 Prozent der Pfarrer der NSDAP an. Die evangelische Kirche geriert sich heute gerne so, als hätte es nur Bonhoeffer gegeben und nicht auch Müller, Meiser und Hoff. Und in dem berüchtigten “Pfarrerblock” im KZ Dachau sassen 2579 katholische aber nur 109 evangelische Geistliche ein. Der evangelischer Pfarrer Alfred Schemmel  war SS-Kompanieführer im Konzentrationslager Auschwitz.
Und die Stuttgarter Erklärung? Daß wir “nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben”?
Es hätte völlig gereicht, wenn die evangelische Kirche nicht die eigenen Leute ans Messer geliefert hätte. Oder sich nach 1945 bei den Angehörigen entschuldigt hätte.
Und im Jahr 2018 hätte nun mal ein EKD Vertreter sein Veto einlegen. Oder wenn seine Geistesgegenwart dafür nicht reicht, dann könnte sich sein Chef anschliessend für sein komplettes Versagen entschuldigen können. Nichts davon ist passiert.

 

Nachtrag 23.4.
Mein kritischer Kommentar auf Chrismon wird zensiert.

 

Nachtrag 24.4.
Johann Hinrich Claussen wirbt gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea erneut für eine faire Beurteilung der Entscheidung des Gremiums und wiederholt die Falschdarstellung, dass der Ethikbeirat als erster das Rapperduo kritisiert und damit eine Debatte angestoßen habe. Ausserdem kommt wieder das unsägliche Argument “müsse man sich fragen, ob man mit einem Ausschluss das eigentliche Problem aus der Welt geschafft hätte oder ob man solche Provokationen dadurch nicht noch befördere”. Das ist eine Verdrehung der Tatsachen, denn der Echo Beirat hat für den Auftritt und für die Auszeichnung gestimmt (und damit unzähligen anderen Echo Preisträgern große Probleme geschaffen). So braucht es also weiterhin eine Katholikin, um dem EKD Repräsentanten protestantische Ethik zu erklären. Der Rest ist Rückzugsgefecht, wenn sich Claussen sich dann über die Zukunft eines Musikpreises auslässt, den niemand interessiert. Die Selbstabschaffung des Ethikrates ist die einzig sinnvolle Äusserung von Claussen in der Diskussion, denn ein solcher Ethikrat ist in der Tat verzichtbar.

 

Nachtrag 25.4.
Der Sonntag aus Sachsen schreibt

Für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ist das eine Blamage, die Konsequenzen haben muss: Der Vertreter der EKD im Beirat des Musikpreises Echo hat für die Zulassung der Skandalrapper Farid Bang und Kollegah zur Preisverleihung gestimmt – trotz übelster antisemitischer Texte auf deren Album »Jung, Brutal, Gutaussehend 3«. Eigentlich ist das unvorstellbar. Denn hatte sich die EKD nicht gerade im Vorfeld des Reformationsjubiläums auf ihr besonderes Verhältnis zu Israel und dem jüdischen Volk besonnen? Hatte man nicht in unzähligen Erklärungen Luthers Antisemitismus und die christliche Judenmission verurteilt? Wie kann es sein, dass ein Mitarbeiter des EKD-Kulturbüros dann trotzdem so ein Votum abgibt? Eines ist klar: Die bescheidenen Erklärungsversuche, die der Kulturbeauftragte Johann Hinrich Claussen … überzeugen nicht.

Der Spiegel meldet kurz darauf, dass der Musikpreis Echo abgeschafft wird.

 

Nachtrag 26.4.
jetzt.de Zitat:

Die Zensurkreischer mögen jetzt gerne ihre Troll-Kommentare vorformulieren. Uns als Gesellschaft aber sollte daran gelegen sein, dass beim wichtigsten deutschen Musikpreis keine Musik prämiert wird, die mit Antisemitismus, Homophobie, Frauenfeindlichkeit oder Rassismus spielt. Natürlich sollte dabei jedem Vorwurf zunächst ausgiebig nachgegangen werden … Wer soll das beurteilen? Hier am besten direkt zum nächsten Punkt: Nicht irgendeine Jury!

Die EKD wird da bestimmt nicht mehr gefragt werden. Dennoch vermeldet der evangelische Pressedienst heute

Der Kulturbeauftragte der evangelischen Kirche, Johann Hinrich Claussen, hat die Abschaffung des Musikpreises Echo begrüßt. Ein solche Auszeichnung sollte aufgrund von „Preiswürdigkeit“, ästhetischer Qualität und Grundeinstellung der Künstler vergeben werden, aber nicht aufgrund von Verkaufszahlen mit ein „bisschen Jury-Brimborium“ drumherum, sagte Claussen dem epd am 25. April in Berlin. Insofern sei die Entscheidung des Bundesverbands Musikindustrie sinnfällig, sagte der Beauftragte der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD).

Vielleicht sollte man nicht nur den Echo abschaffen, sondern auch das EKD Kultur Brimborium neu besetzen? Aber was ist von einem EKD Funktionär auch zu erwarten über den der Tagesspiegel schreibt

Talar und weiße Halskrause müssen sein, wenn Johann Hinrich Claussen auf die Kanzel von St Nicolai in Harvestehude steigt. Beides sind Relikte aus früheren Jahrhunderten, … Anders als Pfarrerkollegen, die in den 80er Jahren über Friedensmärsche und Anti-Atomkraft-Debatten in die evangelische Kirche hineinsozialisiert wurden und wenig auf Äußerlichkeiten achten, legt der 51-jährige Claussen Wert auf traditionelle Formen.

Ein Kommentar darunter bezweifelt die Sinnhaftigkeit eines Postens “Kulturbeauftragter der evangelischen Kirche” die vielen nicht ohne weiteres zu vermitteln ist.

 

Nachtrag 7.5.
Der Frontsänger der Toten Hosen hätte nach Ansicht des Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung das Bundesverdienstkreuz verdient, so Spiegel Online

Klein nannte die Echo-Gala nun “ein gemeinschaftliches Versagen”. Dass im Vorfeld der Verleihung kaum einer empört gewesen sei, habe etwas mit einer Verrohung der Gesellschaft zu tun.

Danke an das EKD Kulturbüro.

Nachrichten aus der evangelikalen Welt

Dass die katholische Kirche jahrelang pädophile Priester geduldet hat, ist erschütternd.

Nun kam mehr beiläufig heraus, dass auch der Evangeliumsrundfunk ERF in Wetzlar über längere Zeit einen pädophilen Mitarbeiter nicht nur gedeckt, sondern sogar befördert hat.  Auch wenn seit heute morgen die damalige Pressemitteilung des ERF über die Ernennung von Markus M. nicht mehr abrufbar ist (nur noch bei pressesprecher.de und idea. de), so wurde vom ERF stolz die Industrieerfahrung von Markus M. bei Coca-Cola und Microsoft hervorgehoben, Motto ist egal, ob man den Menschen den rechten Glauben oder Coca Cola verkauft. Was die Anschuldigungen angeht, ist es nun Sache der Staatsanwaltschaft, ein Ermittlungsverfahren durchzuführen.

Nicht ganz so egal, ist der Umgang des spendenfinanzierten ERF (15 Million jährlich), wenn er zwei langjährige Mitarbeitern in die Kündigung treibt, weil sie ERF interne Vorgänge recherchiert haben.

Vorstandsvorsitzender von ERF Medien ist Jörg Dechert, ein Physiker, der auf pixelpastor.com als Pseudopastor seine moralischen Werturteile verbreitet. Auf idea Nachfrage will er sich allerdings nicht zu dem aktuellen Fall äußern, da es sich um ein laufendes Verfahren handeln würde. Ist die ganze Welt nicht ein laufendes Verfahren? Und ist ihr letzter Blogeintrag nicht etwas zynisch, Herr Dechert: “Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden”?

Interessant auch das Zitat Dechert in Willow Creek Magazin 3/17 über Bill Hybels “Hier sieht man, wie viel man erreichen kann, wenn man einfach an seiner Überzeugung festhält. Wir brauchen in Deutschland glaubwürdige Organisationen, und Leiter, die das verkörpern und glaubensvoll agieren.” Hybels ist mittlerweile wegen der Anschuldigung sexueller Belästigung zurückgetreten, nachdem er zunächst alles als “flat out lies” bezeichnet hat. Nein, Herr Dechert, solche Organisationen brauchen wir nicht und schon gar nicht solche Leiter.

Nachtrag 19.5.2019

Wie man sein Versagen als positive Eigenschaft verkauft

Die Mitarbeiterin – eine zweifache Mutter, die seit 1990 beim ERF beschäftigt ist – kann ihre Arbeit „in Kürze“ wieder aufnehmen, teilte der Vorstand von ERF Medien in einer Pressemitteilung am 18. Mai mit. Man habe sich entschieden, die Weiterbeschäftigung der Mitarbeiterin „insbesondere als Zeichen christlicher Versöhnung und als Auftakt für eine interne Aufarbeitung zu sehen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Jörg Dechert.

Fuzzies

Presseschau: Die Wirtschaftswoche übersetzt den Begriff in einem lesenswerten Artikel

Für ethische Fragen, soziale Normen, regionale Unterschiede bleibt [Facebook] bei solchen Pitches meist keine Zeit. „Fuzzies“ werden Studierende der Geisteswissenschaften in Stanford genannt, also „Leichtgewichte“. Es ist dort eine gefährliche Aufputschkultur entstanden, der mitunter jegliche funktionierende Mechanismen für eine Korrektur fehlen.

Das passt zu dem Nature Thema heute “how philosophy was squeezed out of the PhD

The process started in the early 1970s in the United States, prompted by a suspicion that intellectual artefacts of the ‘soft’ sciences, as they were then called — such as sociology, anthropology and philosophy — were stimulating campus unrest.This conveniently dovetailed with the idea that if industry outsourced its research and development departments to universities by setting (and funding) curricula, then students would have ready-made jobs in industry on graduation.

Zum Studium braucht man kein Abitur mehr. So passt die mangelnde Studienreife perfekt in das Bologna System, führt über die Graduate Schools zu den Lidl Professoren und der neuen Bildungsministerin

Zum Thema Bildung war von ihr bislang wenig zu lesen. Das Amt scheint sie vor allem bekommen zu haben, weil sie eine Frau und katholisch ist – und aus Nordrhein-Westfalen kommt.

Ethik ohne Ethiker

Die Zeiten sind eigentlich vorbei, in denen Nobelpreisträger qua ausgezeichnetem Verstand über die Welt räsonierten. Oder die Zeiten, wo man gerade mal so nebenbei eine Ethik auf den Markt wirft.
Vorteile hat es allemal. Man kann kostengünstig von aktuellen Problemen ablenken, Freiräume schaffen und nebenbei auch noch Akzeptanz promoten, man ist politisch engagiert.
Worum es geht? Ein Wissenschaftskodex, so nebenbei auf dem Weltwirtschaftsforum erstellt. Continue reading Ethik ohne Ethiker

Forschung in verantwortungsethischer Perspektive

Am 12. und 13. Januar 2018 fand in der evangelischen Akademie Loccum ein Symposium zur Forschungsethik statt. Trotz des sperrigen Titels, die Ankündigung war spannend:

Wie finden wir in den Lebenswissenschaften wieder zu einer kühneren Forschungskultur, die gleichzeitig stärker verantwortungsbasiert arbeitet? Diese Frage steht deshalb im Zentrum der Tagung, weil heute ein hoher Leistungs- und Produktivitätsdruck die Forschung belastet und damit Qualitätsprobleme provoziert. Das hat zu einem dramatischen Seriositätsverlust in der Erarbeitung, Bewertung und Darstellung von Forschungsergebnissen geführt.
Während der Tagung wird nach Wegen gesucht, diesem Missstand wirkungsvoll entgegen zu treten: Wissenschaftler mit langjähriger Forschungserfahrung, wissenschaftlicher Nachwuchs, Experten entsprechender Bereichsethiken und hochschulpolitische Administrationen sind gefragt.
Welche Herausforderungen drohen die Erzielung verlässlicher Forschungsergebnisse zu verhindern? Welche zentralen Eckdaten kennzeichnen eine produktive Forschungskultur? Welche forschungsethischen und forschungsrechtlichen Rahmenbedingungen sind von Belang? Wie kommen hier Digitalisierung, Big Data und Verfahren wie die Bibliometrie ins Spiel?
Vor diesem Hintergrund: Wie kann es gelingen, angemessene Freiräume für forschende Kreativität mit Mut zum Risiko zu stärken? Wie kann Originalität und Nachhaltigkeit von Forschung gegenüber purer Publikations- und Zitationsindikatorik anerkannt werden? Was können die Hochschulleitungen und die Wissenschaftspolitik zur Unterstützung innovativer und zugleich seriöser Forschung tun?
Der Fokus wird nach einer grundsätzlichen Sichtung der Problemlagen auf den Lebenswissenschaften, insbesondere auf den medizinischen Fächern liegen. Ein generationen­übergreifender Austausch zwischen arrivierter Forschung und wissenschaftlichem Nachwuchs ist ausdrücklich erwünscht!

Hier ist mein Mitschrieb ohne Gewähr, solange es kein offizielles Protokoll gibt. Eröffnet wurde die Tagung von Henrike Hartmann (Volkswagen Stiftung) sowie Stephan Schaede (Akademie Loccum).

Henrike Hartmann, VolkswagenStiftung

Stephan Schaede, Akademie Loccum

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Genome Editing – Wird das Leben neu buchstabiert?

Die Entdeckung der Genschere ist eine wissenschaftliche Revolution: Mit dieser bahnbrechenden Methode – in der Forschung CRISPR/Cas9 genannt – können erstmals präzise Veränderungen im Erbgut vorgenommen werden. Sie weckt Hoffnungen, schwere Leiden wie Krebs, AIDS oder Erbkrankheiten heilen oder gar verhindern zu können. Aber viele Fragen sind offen: Wie sicher sind diese Verfahren? Wie wägen wir die Chancen gegen die Risiken ab? Und wie gehen wir aus moralischer Sicht damit um, dass diese Verfahren auch für eine „Optimierung“ des Menschen genutzt werden könnten? In Deutschland sind Eingriffe in das menschliche Erb- gut gesetzlich verboten, in anderen Ländern finden jedoch schon erste Experimente statt. Wissenschaft und Gesellschaft müssen sich diesen Fragen stellen. Veranstaltung am 6.12.2017 in Berlin.

Grundannahmen zu Religiosität und Spiritualität in Psychiatrie

Die neueren Empfehlungen zum Umgang mit Religiosität und Spiritualität in Psychiatrie und Psychotherapie (Utsch, et al.) haben die folgenden Grundannahmen

* Religiosität und Spiritualität werden als anthropologische Universalien angesehen. Sie gehören zum Menschsein und sind im Rahmen einer ganzheitlichen Betrachtung zu würdigen – unabhängig von einem möglichen Einfluss auf Gesundheitsoutcomes oder auf die Effizienz therapeutischer Interventionen.
* Religiosität und Spiritualität sind sowohl beim Patienten als auch beim Behandler identitätsbildend. Dies wird in existenziellen Krisen und Grenzsituationen besonders deutlich, aber auch in Momenten der Sinnerfülltheit und Lebensphasen existenzieller Indifferenz.
* Religiosität und Spiritualität sind als persönliches Sinnsystem und kulturbildende Einflussfaktoren in der Psychotherapie wahrzunehmen und zu würdigen. Aufgrund der Berufsethik sind Psychiater und Psychotherapeuten verpflichtet, ihre Patienten zu achten, unabhängig insbesondere von Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung, sozialer Stellung, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion oder politischer Überzeugung.

Das hört sich nun ganz anders an, als was man so alles zu dem Thema “Gotteswahn” finden kann.

Godspeed

Godspeed, God spede (“may God cause you to succeed”) is the end of Obama’s letter to his successor

we are just temporary occupants of this office

which is taken from the new testament as well

For here we have no lasting city, but we seek the city that is to come