Translationale Forschung

Im aktuellen Laborjournal steht ein phänomenal guter Artikel zur translationalen Forschung “Von Maus zu Mensch durch das Tal des Todes

Die Translation von Ergebnissen der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung klappt nicht besonders gut. Dabei ließen sich einige schwache Glieder der Translationskette sehr leicht ersetzen. Dumm nur, dass die neuen Glieder leider nicht so recht in unser akademisches Karriere- und Fördersystem passen würden.

Tolle, lege!

Corona Spillover Risk

In Antwort auf einen Tweet von Vincent Glad, der das Überschwappen der Infektion von der jüngeren/mittleren auf die ältere Altersgruppe in Marseille zeigt

dto aus Spanienhier nun eine Analyse des aktuellen RKI Datensatzes.

# Daten von https://opendata.arcgis.com/datasets/dd4580c810204019a7b8eb3e0b329dd6_0.csv
rki %>%
  select(Landkreis,Bundesland,dt,Altersgruppe,AnzahlFall) %>%
  mutate(Altersgruppe = str_replace_all(Altersgruppe, "A","") ) %>%
  mutate(Bundesland = str_replace(Bundesland, "-(.).*","-\\1") ) %>%
  mutate(Landkreis = str_replace(Landkreis, "-(.).*","-\\1") ) %>%
  filter(dt >= as.Date('2020-9-1') ) %>%
  filter(AnzahlFall >= 0 & Altersgruppe != "unbekannt") %>%
  group_by(Landkreis,Altersgruppe) %>%
  summarise_at(c("AnzahlFall"), sum, na.rm = TRUE) %>%
  filter(AnzahlFall>20) %>%
  ggplot( aes(x=Landkreis, y=Altersgruppe, fill= AnzahlFall)) + 
    geom_rect(aes(xmin=-Inf, xmax=Inf, ymin=-Inf, ymax=Inf), fill="darkgreen") +
    geom_tile() +
    geom_text(aes(label = AnzahlFall), colour="white") +
    scale_fill_gradientn(colours = c("darkgreen", "yellow","red"), n.breaks=8, name="x" ) +
    guides(fill=guide_legend(title="Corona+\nletzte 7 Tage\nRKI opendata\nStand 9.9.2020"), reverse=TRUE)

Auch hier besteht die Gefahr v.a. in Bayern, NRW und Baden-Württemberg.

RKI Daten Stand 9.9.2020

In Städten ist die Situation in München am kritischsten über die vielen Fälle diese Woche.

RKI Daten Stand 9.9.2020

 

A cloud hangs over the paper in question

The title is taken from an essay of Dan Bolnick about current PubPeer practices

That said, there is some question about the proper procedure for answering these criticisms. Yes, PubPeer itself leaves room for comments (interestingly, journal editors like myself must pay money to reply to comments, even if to acknowledge them and state we are evaluating the issue). But, this process bypasses the journal that publishes the paper, and bypasses the normal scientific tradition of external review by experts in the field chosen by the journal editor for their knowledge and hopefully objectivity. For this reason, I want to really encourage people with substantial concerns about a paper (e.g., which may appreciably alter the results and conclusions), to submit formal “Comments” (different journals call these different things) to the journal.

I agree, letters or comments would be preferable. In practice, however, comments are largely ignored. I can provide numerous examples where nothing happened.

But, scientific traditions are fluid and we are in an era of increasing speed and openness: Preprint servers, open peer review, open data, et cetera. We therefore also recognize that PubPeer is an active tool in science conversations. The criticisms posted there can be valid identification of genuine problems that need to be evaluated formally and corrected. If valid well-justified and substantial concerns exist and are published on PubPeer, then the affected journal should respond.

Yea, yea. And are there caveats? Bolnick thinks

it is important that these not be used as a mechanism for pursuing personal vendettas. Excessive targeting of an author with multiple minor complaints can constitute a kind of harassment, and may be viewed as such by University Equity officers or equivalent. The anonymous nature of many PubPeer comments makes it easier for impacted authors to feel like (and, argue that) they are the target of personal vendettas and harassment. Second, the existence of PubPeer comments can cast a long shadow over a paper whether the comments are profound or minor. This shadow can affect an author’s career prospects (fellowship applications, job applications, etc) even before the matter is resolved and judged to be valid or not. The result can be inappropriate damage to an innocent authors’ career, which in turn may have grave consequences for mental health. Third, there is an established mechanism for voicing complaints about papers in science: Contact the author to request clarification, or contact the Editor, or submit a Comment.

Well, it depends. What is a minor complaint? One wrong label, two or three? Mixing up figures and data? Nirwana references? Intentional wrong statements? Ignorance of literature? If a comment is profound or minor can be decided by any PubPeer reader. Grave consequences for mental health of a fraudulent or careless author?

I believe that if there would be any working mechanism for voicing complaints about scientific integrity (or just minor corrections), PubPeer would not exist. Kudos Brandon Stell.

 

Evidence Based Medicine, Ioannidis und Covid-19

Eine kurze Ergänzung zu „Der Fall Ioannidis“ – Schlamperei beim Gralshüter wissenschaftlicher Qualitätsstandards? im Laborjournal 6.2020 …

Dass John Ioannidis, einer der bekanntesten Systemkritiker der Biomedizin, derart hart am Boden aufschlägt, ist eines der verbüffendsten Phänomene der Corona Pandemie. Ioannidis, einer der am meisten zitierten Mediziner, nun plötzlich die treibendende Kraft hinter der desolaten US Politik, der direkte Gegenspieler von Lipsitch und Fauci, in einem Land, das wegen der ignoranten Politik nun unter 5,7 Millionen Fällen und 176.000 Todesfällen leidet?

Bei aller Sympathie, aber dieser Fenstersturz war eigentlich noch schlimmer als von Dirnagl beschrieben. Tragisch natürlich, nachdem es Dirnagl doch gelang, Ioannidis an das BIH Berlin zu holen. Aber selbst Youtube löschte dann doch das Ioannidis Interview (bei Dailymotion ist es noch verfügbar).

Den Platz in der ersten Reihe der Corona Leugner hatte sich Ioannidids mit falschen Aussagen zur “Princess Diamond” ja auch redlich verdient. Natürlich haben uns damals viele Daten gefehlt (und fehlen uns immer noch dank einer desolaten Forschungspolitik) aber den Lockdown als Atombombe zu bezeichnen? Zum Beweis der These von der Ungefährlichkeit der Virusinfektion mit allenfalls ” 10.000  Toten” kam erst die dubiose Santa Clara Studie, dann die unvollständige Meta-Analyse, bis zu dem bereits erwähnten Paper zum Covid-19 Risiko in einer Untergruppe einer Untergruppe, in der das Verkehrsrisiko zur Arbeit als Vergleich diente. Hat Ioannidis, ungeachtet der methodischen Schwächen seiner Studien, aber vielleicht dennoch recht, fragt nun Dirnagl?

Die Begründung für den Lockdown kam nicht nur aus der mathematischen Modellierung oder ersten Daten der Infektionsepidemiologie – es gab viel mehr Argumente aus Virologie, Molekularbiologie, Aerosolphysik, Immunologie und Klinik, die alle für drakonische Massnahmen sprachen (Ioannidis ist im übrigen schon beim nächsten Thema, er interessiert sich gerade für die Frage, wie man den Nobelpreis bekommt).  Sicher, man könnte sagen, ein Egomane eben “so attached to being iconoclast that defies conventional wisdom that he’s uninentionally doing horrible science” wie Wired schrieb. Nach den geleakten Emails bei BuzzFeed stimmt es aber wohl nicht, dass Ioannidis immer betont hat, dass die Politik mit den sofortigen drakonischen Abwehrmaßnahmen richtig gehandelt hat. Im Gegenteil, er hat dagegen opponiert, bis es nicht mehr anders ging.

Ich sehe hier auch nicht so sehr die Preprints als Hauptproblem für die aktuelle Misere von EbM (“Evidence Based Medicine” nicht zu verwechseln mit “Einheitlicher Bewertungsmaßstab”). Die 100 Twitterkommentare eine Stunde nach dem Hochladen des Ioannidies Preprints waren aus epidemiologischer Sicht allemal qualifizierter als es zwei Standard Reviewer jemals hätten sein können. Auch habe ich wenig Angst vor “Research Exceptionalism” –  gute Arbeitsgruppen aus renommierten Institutionen werden genauso gute Preprints wie gute Paper verfassen.

Das Problem scheint mir woanders zu liegen, nämlich wie dogmatisch die EbM-Gemeinde im Fahrwasser von Ioannides reagiert hat. So etwa Antes, in der Badischen Zeitung, Covid-19 sei der “Abschied von der Wissenschaft” und “da will ich Her Drosten widersprechen”. Das deutsche EbM Netzwerk erschöpfte sich in der Wiederholung des Mantras von kontrollierten Studien, etwa “wenig Evidenz, dass NPIs bei Covid-19 tatsächlich zu einer Verringerung der Gesamtmortalität führen” und demonstriert immer wieder ihr Fallschirm Problem. Die Wikipedia schreibt völlig zurecht, dass

bei der Übertragung ins Deutsche [die Gründer] einem falschen Freund erlagen: Während evidence im Englischen je nach Kontext die Bedeutungen ‚Beweis‘, ‚Beleg‘, ‚Hinweis‘ oder ‚Zeugenaussage‘ hat, ist die Bedeutung von Evidenz im Deutschen Offensichtlichkeit (die keines Beweises bedarf) (englisch: obviousness). Deshalb wurde vorgeschlagen, im Deutschen die Bezeichnung “nachweisorientierte Medizin” zu verwenden, was sich jedoch nicht durchgesetzt hat.

Zugegeben, die deutsche Covid-19 Forschung war reichlich kopflos, als würde es keine Epidemiolog:innen in Deutschland geben. Wenn die Politik aber auf das systematische Cochrane Review mit EbM Siegel hätte warten müssen, dann hätten wir Schweden locker zweimal in der Mortalität überholt. Mit “Corona-Virus in unseren Pflegeheimen – ein evidenzfreies Drama in drei Akten” war die Nähe von EbM zu Corona Leugnern wie Wodarg, Bonelli, Bhakdi oder Homburg schon unangenehm zu spüren. Und sie ist es weiterhin: Erst wurde gegen den Lockdown wegen der Kollateralschäden argumentiert und danach, der Lockdown wäre ja nicht nötig gewesen – ein klassischer Zirkelschluss. Ich erinnere mich auch noch an pseudorationale Ansagen wie “sollte die Ausbreitung tatsächlich nur aufgrund der NPIs zurückgehen, so ist mit einem erneuten Anstieg zu rechnen, sobald diese gelockert werden”. EbM hat – um die Kritik Achensteins aufzugreifen – in der Tat keinen Sinn für den „erklärenden Zusammenhang“.

Ich halte es mittlerweile für ein systembedingtes Versagen von EbM, die Dynamik des Geschehens formal erfassen zu wollen. Covid-19 hat vielen von uns unbarmherzig die Grenze unserer Argumente aufgezeigt. Gerd Gigerenzer unterscheidet “die Welt die stabil ist, wo man einfach die Statistik anwenden kann. Das ist die Welt von berechenbaren Risiken…”. Nur leider, Covid-19 hat sich bisher mehrfach den berechenbaren Risiken entzogen.

Nachtrag 22.9.2020

Die Kritik an dem anonymen Pamphlet reisst nicht ab, in mehrfacher Hinsicht, so zB Drosten in NDR Podcast 56 und TAZ Interview,. Seine und die anderer Kritik geht zu falschen Zitaten, missverstandenen Ringversuch und a posteriori Argumentation einer Gruppierung die selbst keinen inhaltlichen Beitrag liefert.

 

Image modification in scientific publications: 10 rules for acceptable use

I am summarizing here some rules what consists of acceptable image use in scientific publications (Rossner 2004). Pioneers in the field have been the Journal of Cell Biology (J) but also Nature (N) and EMBO Press (E). Here are 10 rules:

  1. Digital images submitted with a manuscript for review should be minimally processed (N).
  2. Specific feature within an image may not be enhanced, obscured, moved, removed, or introduced (J, E). The use of touch-up tools, such as cloning and healing tools, or any feature that deliberately obscures manipulations, is unacceptable (N).
  3. Dividing lines may not be added between juxtaposed images taken from different parts of the same gel or from different gels, fields, or exposures (J, E). If juxtaposing images is essential, the surrounding gel shown at least at the size of the band, borders should be clearly demarcated and described in the legend (N).
  4. Images gathered at different times or from different locations should not be combined into a single image, unless it is stated that the resultant image is a product of time-averaged data or a time-lapse sequence.
  5. Adjustments of brightness, contrast, or color balance that have been applied to the entire image may not enhance, erase, or misrepresent any information present in the original, including the background (J, E).
  6. Images from the same object may not be repeated within the manuscript. Any reuse of images, including control images from earlier papers, should be explicitly stated and justified in the legend (J).
  7. Nonlinear adjustments (e.g., changes to gamma settings) must be disclosed in the figure legend (J). Processing such as changing brightness and contrast is appropriate only when it is applied equally across the entire image and is applied equally to controls. Contrast should not be adjusted so that data disappear (N).
  8. Excessive manipulations, such as processing to emphasize one region in the image at the expense of others, is inappropriate (N).
  9. Deposition of all RAW image files is encouraged (N). An option is figshare.com that is available since 2014.
  10. These are general rules only.  Specific rules exist for electrophoretic blots and microscopy (N).

Further discussion points (work in progress)

  1. There should be a better distinction of object and  image, e.g. the re-use of the same object in multiple photographs should be explicitly prohibited.
  2. There should be a reference to any work outside of the current paper, if the object and/or image has been used elsewhere.
  3. There is a need for better captions that specify always experimental conditions, object, direction and resolution. Unzoomed controls and reason for the selection of certain object areas along with repeated experiments would be often helpful. What constitutes a representative image?
  4. There is a need of professional integrity officers at universities and research centers.
  5. More attention by publishers is required. The Committee on Publication Ethics (COPE) guidelines include a flowchart on suspected image manipulation.
  6. Accepted standards and current practices need to be continuously revised.

As a further reference see also the Word Press Photo rules.

Ein reichlich unlustiger Komiker und sein kurzes @dfg_public Gastspiel

Man glaubt es nicht so recht, Dieter Nuhr – ein misogyner Witzemacher, 7 Jahre Kunst und Geschichte bis zum ersten Examen, dann abgebrochen, Islam-Phobiker (“da wird massakriert, was das Zeug hält, im Namen Gottes”), Klima-Leugner („wenn unsere Kinder meinen, wir können diese Welt mit ein bisschen Sonne und Wind antreiben, dann sollten wir Eltern ihnen ein Hamsterrad mit Dynamo ins Kinderzimmer stellen“) und Coronaleugner („Frau Merkel ist ja offenbar diesem Herrn Drosten verfallen“) nun plötzlich als Galionsfigur der DFG?

Nachdem nun viele Kommentare in die Richtung gingen, Nuhr sei zwar eine problematische Figur aber sein aktueller Beitrag sei doch in Ordnung, hier eine kurze Textanalyse. Nuhr sagt in dem Statement

Wissen bedeutet nicht, dass man sich zu 100% sicher ist, sondern dass man über genügend Fakten verfügt, um eine begründete Meinung zu haben. Weil viele Menschen beleidigt sind, wenn Wissenschaftler ihre Meinung ändern: Nein, nein! Das ist normal! Wissenschaft ist gerade, DASS sich die Meinung ändert, wenn sich die Faktenlage ändert. Wissenschaft ist nämlich keine Heilslehre, keine Religion, die absolute Wahrheiten verkündet. Und wer ständig ruft “Folgt der Wissenschaft!“ hat das offensichtlich nicht begriffen. Wissenschaft weiß nicht alles, ist aber die einzige vernünftige Wissensbasis, die wir haben. Deshalb ist sie so wichtig.

  1. Wissen beruht nicht auf einer Meinung, auch nicht auf begründeter Meinung. Eine Meinung ist nicht hinreichend für Wissen. So kann man etwa eine falsche Meinung haben, jedoch kein falsches Wissen.
  2. Wissen geht über Meinungen hinaus, es ist die generalisierte Erkenntnis über Fakten und Sachverhalte, die als Ausgangspunkt für andere Erkenntnisse dienen.
  3. Es ist trivial, dass sich Wissen ändert und noch trivialer, dass sich Meinungen ändern können. Wie sollte sonst auch Wissen entstehen?
  4. Wie sicher “man” sich subjektiv ist, spielt dabei eher eine geringe Rolle, Wissen wird anhand von Evidenzkriterien bewertet und nicht anhand von Meinungen.
  5. Zu sagen, was Wissenschaft nicht ist (“Religion”, “Heilslehre!”) und wo die Grenzen von Wissenschaft sind (“weiss nicht alles”), lenkt für Nuhr nur dazu über, Klimawissenschaft zu verunglimpfen.
  6. Aus wissenschaftlichen Tatsachen Schlüsse zu ziehen, ist sinnvoll und legitim und nicht ein Zeichen von Begriffsstutzigkeit (“hat das offensichtlich nicht begriffen”).
  7. Der Satz “Wissenschaft ist die einzige vernünftige  Wissensbasis” macht keinen Sinn. Soll der Satz bedeuten, dass Wissenschaft nur Wissen als Basis hat? Dann wäre er falsch, denn Wissenschaft ist die universelle Methode Wissen zu sammeln, aufzubewahren, zu ergänzen und weiterzugeben.
  8. Für Nuhr ist Wissenschaft offensichtlich ein Agglomerat temporärer Meinungen und damit nichts anderes als Wissenschaftsleugnung nur etwas besser verpackt als bei den Coronademonstranten.

Wenn sich Nuhr nun als Opfer auf Facebook inszeniert – “Denunziation” durch eine “offensichtlich …  im Netzwerk organisierte Kampagne, die mich als an der Meinungsbildung Beteiligten diskreditieren soll … ” so hat das schon reichlich Verschwörungscharakter. Nuhr demontiert sich letztlich selbst mit  der Aussage, die DFG “beteiligt sich somit aktiv daran, Kritik als Ketzerei zu verfolgen und Andersdenkende mundtot zu machen”. Es ging ihm also doch um Wissenschaftskritik und um sein “Andersdenken”. Reichlich unlustig alles für einen Komiker mit kurzem Gastspiel in der Wissenschaft.

Mir fällt da Hawking ein “The greatest enemy of knowledge is not ignorance, it is the illusion of knowledge”. Und unprofessioneller als @dfg_public kann man sich wohl auch kaum verhalten, oder? Das schafft im Augenblick höchstens noch die Audi PR mit einem kleinen Mädchen vor einem RS8.

Reaktionen anderswo: Die SZ kommentiert mit “das Publikum findet’s lustig, haha“, die FAZ weniger humorvoll mit “DFG leistet Offenbarungseid”, die NZZ ordnet alles unter Online Mob ein, moritz  hat einige gute Ideen zur Cancel Culture.

 

Nachtrag 4.8.2020

Die DFG PR entschuldigt sich, allerdings bei Nuhr, nicht bei uns WissenschaftlerInnen …

Die DFG hat sich daher am 31. Juli entschieden, den Beitrag von der Seite “DFG2020 – Für das Wissen” und aus ihrem Youtube-Kanal zu nehmen und die Situation näher zu beleuchten.
Die Entfernung des Beitrags erfolgte ohne weitere Erläuterung und ohne vorherige Information an Herrn Nuhr, was die DFG ausdrücklich bedauert und wofür sie sich bei Herrn Nuhr entschuldigt. Auch möchte die DFG betonen, dass sie mit der Entfernung des Beitrags keineswegs Herrn Nuhrs persönliche Einstellung zur Wissenschaft bewerten wollte.
Es ist der DFG jedoch auch ein Anliegen zu betonen, dass der Beitrag von Herrn Nuhr auf dem Twitterkanal @dfg_public nicht gelöscht wurde. Damit wurde die vorangegangene Diskussion dokumentiert, und die Fortsetzung der Diskussion wurde ausdrücklich ermöglicht.
Im Folgenden hat sich die DFG intensiver mit dem Statement von Dieter Nuhr befasst und weitere Hintergrundrecherchen durchgeführt. Dabei wurde deutlich, dass Herr Nuhr die Sätze: “Wissenschaft ist nämlich keine Heilslehre, keine Religion, die absolute Wahrheiten verkündet. Und wer ständig ruft ‘Folgt der Wissenschaft!’ hat das offensichtlich nicht begriffen.” in ähnlicher Form bereits in der stark polarisierten Debatte zum Klimawandel und der Aktivistin Greta Thunberg geäußert hat.
In dieser spezifischen Debatte Stellung zu beziehen, ist jedoch nicht Ziel der Kampagne #DFG2020. Die DFG bietet Herrn Nuhr aber sehr gerne eine im Lichte der aktuellen Debatte kommentierte Wieder-Online-Stellung seines Statements an, nicht zuletzt auch, um die Diskussion offenzuhalten. Die DFG will diesen Fall zum Anlass nehmen, eine Auseinandersetzung über die aktuelle Debattenkultur anzustoßen und sich dabei auch selbstkritisch mit dem eigenen Handeln zu befassen.

Zum Humor von Schlag Dieter Nuhrs eine Analyse in der SZ

Ähnlich der Humorfall Nuhr. Eine einzige Anbiederung ans Publikum im Namen eines vermeintlich gesunden Menschenverstands gegen die politische Korrektheit, die einem heutzutage an jeder Ecke auflauert und das gute alte Leben zur Hölle auf Erden macht: “Wenn ich in die Welt gucke, denke ich auch: Sind die alle bekloppt geworden?” Also die anderen, die da draußen, die Trottel

Die Zerstörung des Wissenschaftsjournalismus

https://twitter.com/mue_med/status/1285987616257708034

Der Analyse muss man nicht viel hinzufügen.

Dann kommen aber Martin Spiewak und Jan Schweitzer von der ZEIT auf die glorreiche Idee, einen der Professoren, die am meisten für die Öffentlichkeitsarbeit tun, wegen geringer Forschungsleistung in den Dreck zu ziehen. Und zwar im Stil von

Woher nimmt dieser Alexander Kekulé sein Selbstbewusstsein? Was treibt ihn an, für sein Fach und weit darüber hinaus öffentlichkeitswirksam Auskunft zu geben? Wer kann, wer darf als Stimme der Wissenschaft auftreten in einer Zeit, in der Wissenschaft so viel Gewicht hat wie noch nie? Sind zu Themen wie Schutzmasken, Teststrategien oder Schulschließungen Fachexperten gefragt wie Christian Drosten, der als ausgewiesener Corona-Forscher international hohes Ansehen genießt? Oder ist das die Stunde von Generalisten wie Kekulé, der nicht aktiv in der Forschung steckt, aber auch einmal den wissenschaftlichen Mainstream hinterfragt?

Man wird doch mal fragen dürfen, oder?

Das Ergebnis kann man am ehesten so formulieren: Das Verhältnis zwischen Alexander Kekulé und der etablierten Wissenschaft ist gestört.

Ein Journalist, der Geschichte und Spanisch studiert hat und ansonsten primär über schulische Bildung schreibt? Dazu ein Ex-Arzt, der Bücher schreibt “Fragen Sie weder Arzt noch Apotheker”. Das befeuert in der Tat Misstrauen in die Wissenschaft, was bisher mehr die Domäne des Klimawandelleugners Axel Bojanowski von der WELT fiel. Oder in die Domäne der FAZ Vitamin D Verschwörungstheoretikerin Hildegard Kaulen.  Oder den TELEOPOLIS Corona “Experte” Lorenz Borsche. Difficile est satiram non scribere.

Laborjournal einzelne Artikel archivieren

Ist ganz einfach. Neuestes Heft herunterladen und splitten

# brew install ghostscript
gs -dBATCH -dNOPAUSE -q -sDEVICE=pdfwrite -dFirstPage=6 -dLastPage=9 -sOUTPUTFILE=Krull.pdf LJ_20_07.pdf
gs -dBATCH -dNOPAUSE -q -sDEVICE=pdfwrite -dFirstPage=14 -dLastPage=17 -sOUTPUTFILE=Antes.pdf LJ_20_07.pdf
gs -dBATCH -dNOPAUSE -q -sDEVICE=pdfwrite -dFirstPage=26 -dLastPage=29 -sOUTPUTFILE=Jaeger.pdf LJ_20_07.pdf
gs -dBATCH -dNOPAUSE -q -sDEVICE=pdfwrite -dFirstPage=34 -dLastPage=37 -sOUTPUTFILE=Jeschke.pdf LJ_20_07.pdf

Mundschutz und nicht nur Face Shield

Thread

/1 Wenn auch noch nicht bei der WHO, so setzt sich doch beim CDC die Meinung durch, dass Mund-Nasenschutz zusammen mit anderen Massnahmen die Pandemie stoppen könnte nhttps://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2768532

/2 Das ist auch einleuchtend, nachdem 139 Kunden eines Friseursalons geschützt waren obwohl sie von zwei erkrankten Friseuren bedient wurden die eine “Maske” getragen haben. https://www.cdc.gov/mmwr/volumes/69/wr/mm6928e2.htm?s_cid=mm6928e2_w

3/ Faceshields sind gut als Spritzschutz bei grösseren Tröpfchen, während nur community, chirurgische und N95 Masken Aerosol zurückhalten https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)31142-9

4/ Aerosole sind Schwebeteilchen in der Luft, die mit Virus beladen sein können http://doi.org/10.1056/NEJMc2007942 Sie entstehen NICHT im Kehlkopf (da muss die aerosolhaltige Luft lediglich beim Reden und Singen durchgepresst werden). Aerosol entsteht in den Lungenbläschen (Alveolen).

5/ Die 300 Millionen Alveolen sind mit Surfactant, einer gallertigen Schutzschicht bedeckt https://de.wikipedia.org/wiki/Surfactant.

6/ Wenn die Alveolen durch die Zug des Zwerchfells nach unten beim Einatmen aufgedehnt werden, reisst der Surfactantfilm ein. An den Einrissen lösen sich Zell- und Surfactant Bestandteile ab, die als Aerosol in den Ausatemstrom gelangen.

7/ Je tiefer man/frau einatmet, desto mehr Aerosol entsteht. Der Ausatmungsdruck ist dabei weniger entscheidend, sondern die Tiefe der Einatmung http://www.doi.org/10.1089/jamp.2008.0720

8/ Virus-Surfactant-Aerosol erklärt die Ansteckung bei Massenevents mit Singen und lautem Rufen https://www.nature.com/articles/s41598-019-38808-z Die Surfactant produzierenden Zellen sind nämlich genau die Zellen die den Virusrezeptor tragen https://doi.org/10.1016/j.cell.2020.05.042

8/ In kalter Luft wird Surfactant spröde und reisst leichter ein http://dx.doi.org/10.1016/j.chemphyslip.2014.09.002 Das erklärt die erhöhte Ansteckungsrate im Winter. Es erklärt auch die höhere Ansteckung im Sommer in klimatisierten Schlachtereien oder stark klimatisierten Autos, Büros und Wohnungen.

9/ 237 Wissenschaftler und Ärzte haben deshalb nun eine Aerosolwarnung herausgegeben https://www.nature.com/articles/d41586-020-02058-1

10/ Aerosolverneblung wird durch Masken verringert https://doi.org/10.1126/science.abc6197 wobei Lüften und HEPA Filter das restliche Aerosol entfernen können.

11/ Faceshields sind nur als Zusatz, nicht als Ersatz brauchbar https://www.thelocal.ch/20200715/only-those-with-plastic-visors-were-infected-swiss-government-warns-against-face-shields

12/ Banksy Bonus Link zu Masken

13/ Nochmal kurz zusammengefasst https://www.covid19reopen.com/risk-index

Hygiene conspiracy theorists argue at trumplevel

It is quite interesting to see how the proponents of the hygiene hypothesis are reacting to the Covid-19 pandemic, citing only selected BCG and polio studies and are advising (no disinfectant of course :-) but galectin

The fact that trained immunity can be induced raises the prospect of its exploitation to raise the threshold of resistance to COVID-19 infection … Some studies have already shown that communities that still use Bacillus Calmette–Guérin (BCG) as a vaccine against tuberculosis may have lesser instances of severe COVID-19 infection than those countries that do not use BCG. This notion has been complemented by advocating the use of BCG to vaccinate persons in an attempt to protect them against COVID-19. A recent letter by HIV pioneer Bob Gallo advocated using oral polio vaccine for a similar effect. We consider that administration of galectin molecules, some of which can activate the innate immune system might also represent an approach to reduce the consequences of COVID-19 infection. It is also worth noting that galectin therapy also has the potential to reduce the severity of COVID-19 once infected.

NIH grants EY05093 and AI142862. “Microbes & Infection” has an impact factor 2,3. Published by Institute Pasteur.

HiPP, HiPP, kein hurra

Eine Pressemitteilung des Bundesverbandes aller Verbraucherzentralen weist auf ein Urteil des Landgerichts München I hin:

Erfolg gegen irreführende Werbung bei Nahrung für Kleinkinder: Das Landgericht München I hat einer Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) gegen die Hipp GmbH & Co. Vertrieb KG Recht gegeben. Demnach sind mehrdeutige Werbeaussagen zum angeblichen Vitamin D- und Calciumbedarf von Kindern bei Milchersatzprodukten untersagt. „Verbraucherinnen und Verbraucher müssen bei Lebensmitteln für Kleinkinder darauf vertrauen können, dass die Unternehmen besonders verantwortungsbewusst handeln. Dazu gehören klare und deutliche Informationen über Vitamine und Nährstoffe“, sagt Susanne Einsiedler, Rechtsreferentin beim vzbv. „Eltern sollten nicht den Eindruck bekommen, dass bestimmte Produkte nötig sind, damit ihr Kind ausreichend versorgt wird. Kinder über einem Jahr brauchen in der Regel keine speziellen Lebensmittel“.

Auch wenn das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, gehe ich noch einen Schritt weiter, es braucht überhaupt keinen Vitamin D Zusatz in der Säuglingsmilch, auch nicht in der Anfangsmilch, es wird längst zuviel direkt supplementiert.

Hipp Werbung zu Vitamin D, die erst am 14.7.2020 von https://shop.hipp.de/hipp-kindermilch-combiotikr-1-600g-2588.html gelöscht wurde

Der Vitamin D Hype schadet mehr, als dass er nützt. Orales Vitamin D kann zu späteren Allergien führen, auch wenn Fachgesellschaften die Vitamin D Supplementierung aus Tradition weiterhin unkritisch sehen.

Es ist ja ein lustiger Experte, dieser Dr. med Jürgen Hower, den HiPP da auf der Webseite in einem “Interview” präsentiert neben der hauseigenen Wissenschaftlerin. Seine wissenschaftliche Leistung in der Endokrinologie besteht darin, bei Kindern in seiner Gemeinschaftspraxis Vitamin D Spiegel bestimmt zu haben. Ansonsten vermarktet er mit Vitamin D gepanschte Schokolade als “Dr. Chococo”.

Nichts Neues also unter der Sonne – ich erinnere mich an Aktenberge im Bundesarchiv Berlin, in denen sich einschlägige Geschäftemacher schon vor 80 Jahren einen jahrelangen Streit mit den Behörden lieferten.