Das war gestern: Der Ethikrat zu Genome Editing

Joachim Müller-Jung in der FAZ über die Stellungnahme des Ethikrates

Die „erwartbaren Manipulationen an der biologischen Hardware des Menschen“, sagte Dabrock, könne man jetzt nicht mehr allein der Wissenschaftsgemeinde überlassen, man müsse „selbst agieren“. Gewollt, getan. Das Ergebnis ist eine auf 230 Seiten ausbuchstabierte „praktische Handreichung“, deren zentrales Ergebnis – nach Buyx die Innovation des Rats – ein ethisches Flussdiagramm ist: ein „Entscheidungsbaum“, mit dem abzuklären wäre, wann und wann nicht ein Keimbahneingriff im Einzelfall möglich sein soll. Früher hätte jeder einzelne der sieben „ethischen Orientierungsmaßstäbe“ – Menschenwürde, Lebens- und Integritätsschutz, Freiheit, Natürlichkeit, Schädigungsvermeidung und Wohltätigkeit, Gerechtigkeit, Solidarität und Verantwortung – ausgereicht, Keimbahneingriffe (auch den an möglicherweise todbringenden Genen) grundsätzlich zu verhindern. Aber das war gestern.

Mittlerweile treiben 9 von 10 Frauen Kinder mit Down-Syndrom ab statt ohne sich mit Therapieversuchen abzugebenMenschenwürde, Integritätsschutz, Solidarität?

Hohe Ideale, aber wenn es die technischen Möglichkeiten gibt, dann interessiert sich bestimmt kein Paar, was sich der Ethikrat an Entscheidungsbaum ausgedacht hat. Es ist in der Tat viel Mühe, ein Kind mit Down Syndrom aufzuziehen. Carina Kühne, die selbst Down Syndrom hat, sagt aber

Für mich wäre es viel besser, wenn es den Test gar nicht gäbe. Es ist traurig, dass neun von zehn Föten abgetrieben werden. Ich wäre auch gegen eine Fruchtwasseruntersuchung. Wenn ich wirklich ein Kind mit Behinderung bekommen würde, würde ich es annehmen und liebhaben. Wenn es irgendwann gar keine Menschen mit Down-Syndrom gibt, wäre das für die Gesellschaft sehr schade.

Wenn nun in der Öffentlichkeit die neue Stellungnahme  des Ethikrates so ankommt, dass “Keimbahneingriffe derzeit zu risikoreich, aber ethisch nicht grundsätzlich auszuschließen” sind, dann ist der Umbau der solidarischen Gesellschaft damit weiter im Gang.

Jetzt also ein “Flussdiagramm” mit dem finalen Outcome, dass Keimbahneingriffe zulässig sind?

Quelle: https://www.ethikrat.org/fileadmin/Publikationen/Stellungnahmen/deutsch/entscheidungsbaum-keimbahneingriff.pdf

Das Diagramm ist  (ungewöhnlicherweise) horizontal orientiert. Steht das auch symbolisch dafür, wie oberflächlich der Inhalt ist?

Selbst wenn man sich überhaupt auf eine solche Sicht einlässt – die Konsequenzen K6.1 … K6.3 “Keimbahneingriffe sind zulässig” bleiben generell schwer unterscheidbar.

  • K6.1. “monogen” ist technisch machbar, wird aber viele Enttäuschungen produzieren, denn es gibt viele monogene Anlagen, die nicht exprimiert und damit auch nicht korrigiert werden, aber mit variabler Penetranz in der nächsten Generation auftreten können.
  • K6.2. “polygen” ist technisch nicht im entferntesten vorstellbar, weil es keinen einzigen Tierversuch gibt, der je ein polygenes Risiko korrigiert hätte.
  • K6.3. “enhancement” ist technisch  machbar. Auch wenn nun die Erlaubnis zu Gendoping nicht gleichzusetzen ist mit der Abschaffung des Leistungssports (vgl Pechstein Sphärocytose oder Semenya Hypernadrogenämie) aber Olympia, Weltmeisterschaft und Tour de France sind dann sinnlos.
  • Die Übergangsbedingungen B1 und B2 sind mehr oder weniger identisch und damit lapidar, obwohl hier der meiste Sprengstoff vergraben liegt. Der komplette Block “Klinische Studien” in dem Diagramm ist zudem hochgradig redundant. Auch wenn das ganze mehr oder weniger den Zulassungszyklen der Pharmaentwicklung von präklinischen Forschung über Phase I -IV nachempfunden ist mit Tausenden von Teilnehmern, so geht es hier um Einzelfallentscheidungen, die sicher nicht der Logik der Medikamentenentwicklung folgt.
  • Es bleibt also lediglich der Bereich Grundlagenforschung. Was soll aber hier das angeflickte “nur als letztes Mittel” bei der “Embryonenforschung”? Die entscheidende Frage ist doch im Vorfeld, ob man Keimbahntherapie will, denn Forschung zu Keimbahntherapie wird letzendlich immer Embryonenforschung sein.

Letzendlich ist das ganze Digramm sinnlos, weil es keine Klärung der wichtigen Fragen bringt. Flowdiagramme beschreiben auch im sonstigen Gebrauch etwas ganz anderes – Arbeitsabläufe, die auf Entscheidungskriterien basieren – etwa als Illustration eines Algorithmus.

Binärer Entscheidungsbaum zur Vorhersage, ob ein Apfelbaum Früchte tragen wird. Quelle Wikipedia, André Flöter

Im Flussdiagramm des Ethikrates steht aber an keiner einzigen Stelle ein Entscheidungskriterium, sondern immer nur die wiederkehrende Frage “Darf/soll man…?” Wenn nicht mal klar ist, ob man etwas darf, wie kann dann eine Frage mit einem Soll daraus werden?

Aber kommen wir nochmal auf das Anfangsbeispiel zurück und die Frage nach der Gerechtigkeit. Der Ethikrat geht in 68) darauf ein

Natürlich würde die Freigabe von Genome Editing die Beziehung von Menschen verändern, das “vermutlich” in dem Satz lässt sich problemlos streichen.

Strittig ist es auch nicht, ob die Veränderung negativ oder positiv sind – das hängt lediglich vom Standpunkt ab. Ist der Kapitalismus tendenziell negativ oder tendenziell positiv? Das hängt davon ab, ob man davon profitiert oder nur ausgebeutet wird. In einer gerechten Gesellschaft sollte niemand ausgebeutet werden. In einer gerechten Gesellschaft sollte aber auch niemand das Lebensrecht genommen werden.

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026

An open letter to Dr. Hurlbut

Dear Dr Hurlbut,

given your previous involvement in the experiment of He Jiankui, I would like to make a proposal to you.

As a genetic epidemiologist, I have looked into the technical details of  Dr. He’s presentation in Hong Kong. I am deeply concerned about the two girls and and what the international community could do for the “CCR5 twins” but also for the “PCSK9 baby” that will be born in about 10 weeks.

As the official Chinese investigation report leaves a lot of open question, I suggest that an international commission including also scientists and medical doctors from abroad should examine these children. Very much in accordance to the International Atomic Energy Agency there should a multidisciplinary group be built that is allowed to do on-site visits. While I agree with many other ethicists and geneticists that the children and their parents should not be exposed to the public, I think a group of experts need to examine the children and resequence their genomes to offer them the best care available.

We are not sure if the twins are still alive as a Chinese magazine already wrote last December

Eugenics is a word many associate with America’s historical bans on interracial marriage, Nazi Germany’s quest for Aryan supremacy, and stolen Australian Aboriginal children. Its connection to China’s one-child policy is less obvious, but no less potent. Children were seen as valuable resources, and when only one child was permitted per family, there was tremendous pressure to secure the optimal outcome … “Deformed fetuses” are encouraged to be terminated in China because people who require extra care and function outside conventional norms are largely viewed as burdens on society and the family. In lower tier cities, disabled children are often hidden from view and afforded little dignity or opportunities for upward mobility. When people with disabilities are not being pitied as subhuman, those who manage to overcome societal judgment and obstacles are then trotted out as inspiration porn for able-bodied people. Many Chinese people struggle to see beyond someone’s disability. The Chinese word for “disabled” is made of up characters that mean “incomplete/broken” and “disease/suffering,” leaving little room for a fulfilling existence.

As a genetic community we owe something to these children as we collected all those genomic data and developed also the tools to modify a genome but we did not clearly voice our concerns of a germline based therapy. Based on a previous analysis I am sure that the two girls will have many more deficits than are currently known.

Knowing more about the details would be a further warning sign of doing such experiments.

Kind regards
MW

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026

Kompromisse schliessen?

Aus einem alten FAZ Artikel

Manchmal erscheint ein Kompromiss als Ausdruck guten Willens, erhält oder ermöglicht Frieden und freundschaftliche Beziehungen. Dann wieder signalisiert ein Kompromiss ängstliches Einknicken und fehlendes Rückgrat, Korrumpierbarkeit und mangelnde Prinzipientreue. Ist der Kompromiss per se also gut oder schlecht? Margalits Antwort hat selbst Kompromisscharakter: Es kommt darauf an. Kompromisse sind unentbehrlich für das soziale Leben. Wenn es aber faule sind, können sie für ein Gemeinwesen tödlich sein. Was unterscheidet einen faulen Kompromiss von einem bloß schlechten, schlampigen oder schäbigen?

Dabei sieht Avishai Margalit in “On Compromise and Rotten Compromise” aber Grenzen

Wo Politik durch die ökonomische Brille betrachtet wird, lässt sich handeln und verhandeln. Um Absolutes aber feilscht man nicht.

Ansonsten geht es so aus wie bei der Challenger-Katastrophe, wo sich im Nachhinein herausstellte, dass Widerspruch in der NASA nicht gewünscht war.

Am 23. Januar, fünf Tage vor dem Challenger-Desaster, tauchte bei der Nasa ein nicht unterschriebenes Dokument des Marshall Space Flight Center auf, nach dem der Problemfall O-Ring abgeschlossen sei. Die Ringe verschwanden folglich aus dem Blickfeld und belasteten die Aufmerksamkeit der Raketentechniker vor dem “Challenger”-Start am 28. Januar 1986 nicht mehr. “Es ist ein Fehler im gesamten System”, schloß [der] Vorsitzende [der  Untersuchungskommission] Bill Rogers, “wenn ein einziger Brief und ein einzelner Mensch ein Problem ausräumen können, das über Jahre für Besorgnis gesorgt hat.” Huntsville-Boß Lucas hatte ein O-Ring-Problem ohnehin nicht gesehen. Obwohl ihm Ingenieure noch kurz vor dem “Challenger”-Start ihre Bedenken über die Dichtungsringe der Startrakete mitgeteilt hatten, gab er an das Kennedy Space Center nichts weiter. Von-Braun-Schüler Lucas ist keineswegs der einzige Schuldige. Die gerühmte Weltraumbehörde Nasa, so enthüllten die Recherchen der Rogers-Kommission, war teilweise ein schwach geführtes Unternehmen.

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026

How to map a SNP or CpG site to the proximal gene in R

There may be many ways, how to do that. Here are my favorite methods

SNP <- c("rs123")
BiocManager::install('grimbough/biomaRt')
library(biomaRt)
library(plyr)
grch37.snp = useMart(biomart="ENSEMBL_MART_SNP", host="grch37.ensembl.org", path="/biomart/martservice",dataset="hsapiens_snp")
grch37 = useMart(biomart="ENSEMBL_MART_ENSEMBL", host="grch37.ensembl.org", path="/biomart/martservice", dataset="hsapiens_gene_ensembl")
t1 <- getBM(attributes = c("refsnp_id", "ensembl_gene_stable_id", "chr_name","chrom_start","chrom_end"), filters = "snp_filter", values = SNP, mart = grch37.snp)
names(t1)[names(t1)=="ensembl_gene_stable_id"] <- c("ensembl_gene_id")
t2 <- getBM(attributes = c("ensembl_gene_id","external_gene_name","start_position","end_position","description"), filters = "ensembl_gene_id", values =  ensembl_gene_id, mart = grch37)
join(t1,t2, type="left", by="ensembl_gene_id", match = "first")

and

BiocManager::install('FDb.InfiniumMethylation.hg19')
library(FDb.InfiniumMethylation.hg19)
CpG <- c("cg00920043")
hm450 <- get450k()
probes <- hm450[CpG]
getNearestTSS(probes)

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026

Google unser

Gefunden auf https://www.digital-religion.de

Google unser
 in der Cloud,
Geheiligt werde Deine Suche,
Dein Crawler komme,
Dein Algorithmus geschehe,
auf dem Laptop wie auch auf dem Handy.
Unsere täglichen Likes gib uns heute,
und vergib uns unsere Dislikes,
wie auch wir vergeben unseren Hatern.
Und führe uns nicht auf irrelevante Seiten,
sondern erlöse uns vom eigenen Wissen,
denn Dein ist das Netz und die Allwissenheit und die Singularität in Ewigkeit.

Buchempfehlung für Christian Hofmeister auf vorablesen.de mit “Google Unser”, DCI, Hamburg 2019

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026

Scientists who change their life style

There are scientists who support climate campaigns but there are also scientists who change their life style.

Kim Cobb traveled to the Kiritimati coral reefs in the spring of 2016 and found, to her horror, an underwater graveyard.
A climate scientist at the Georgia Institute of Technology, Cobb was alarmed to see this precious research site in the Pacific Ocean in such visible distress. The reefs were mostly dead after months of being in abnormally warm ocean waters […]
And so, she underwent a “wholesale reorganization” of her life, she said, including biking to work, rarely flying, going vegetarian, investing in expensive residential rooftop solar panels, and getting involved in her community’s new transportation plans.

Auf Deutsch – die drei besten Links zu dem Thema
“Klimahysterie!”, “Klimapropaganda!” (NZZ)
“Meine Generation hat vollständig versagt” (Lesch)
“Das Schüler-Klimaquiz der AfD” (Spektrum)

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026

Forget about plasma vitamin D measurements

I have written in my recent editorial about the nonsense of plasma vitamin D measurements. A recent case history of a patient with a deleted vitamin D carrier molecule GC now confirms the free-hormone hypothesis. The patient’s plasma 25(OH)D levels was only 0.4% of those in the unaffected sibling.

Despite a lifelong deficiency of vitamin D binding protein, limited sun exposure (for religious reasons), and a diet that was probably lacking sufficient vitamin D, our patient did not have rickets or osteomalacia but rather osteopenia and fragility fractures that occurred in the fifth decade of life.

Another carrier sibling had only two third of the plasma 25(OH)D level compared to the unaffected sibling but showed “no appreciable clinical manifestations”.
So why measure 25(OH)D?

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026

Endlich (6000 Tote XXX)

Dass Benziner dreckiger sind als Diesel hat sich nun also doch herum gesprochen.

Entgegen der landläufigen Meinung sind Dieselfahrzeuge nicht die Hauptverursacher von Feinstaub. Seit 2011 werden in Europa alle neuen Selbstzünder serienmäßig mit einem geschlossenen Rußsieb meist aus Keramik ausgerüstet. In dreckigen Städten wirken sie daher wie Staubsauger, die partikelhaltige Außenluft filtern. Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit geht die weitaus größere Feinstaubgefahr seit Jahren von Benzindirekteinspritzern aus. Die vermeintlichen Saubermänner, die im Zuge des Diesel-Abgasskandals viele “dreckige” Selbstzünder ersetzt haben, entpuppen sich in Tests als gravierende Rußschleudern. Bereits vor zwei Jahren haben Schweizer Forscher festgestellt, dass moderne Benziner mit Direkteinspritzung so viele Rußpartikel ausstoßen wie alte Diesel vor 15 Jahren. An diesen Partikeln hängen zudem verschiedene krebserregende Substanzen, die über die Partikel in die Blutbahn gelangen können…Jeder der getesteten Benziner stieß zehn- bis hundertmal mehr feine Rußpartikel aus, als der zum Vergleich gemessene Diesel-Peugeot 4008 mit Partikelfilter”, so Forschungsleiter Norbert Heeb. Der Peugeot Baujahr 2013 auf der älteren Emissionsstufe Euro 5b war das mit Abstand sauberste Fahrzeug im Test, während selbst die Euro-6-Benziner den EU-Grenzwert deutlich überschritten.

Und auch die Leopoldina hat ihr Gutachten abgegeben in nahezu perfekten Konjunktiven jedenfalls was die NO2 Diskussion angeht. Die FAZ

Nun stellt die Nationalakademie Leopoldina genau diesem Weg kein gutes Zeugnis aus. Die Wissenschaftler warnen davor, nur auf die Stickstoffdioxide zu schauen. Feinstaub halten sie für deutlich schädlicher für die Gesundheit. Von kleinräumigen Fahrverboten erwarten sie keine wesentliche Entlastung. Stattdessen sei eine bundesweite, ressortübergreifende Strategie zur Luftreinhaltung erforderlich.
Die Nationale Akademie der Wissenschaften kritisiert aber nicht nur die Konzentration auf Stickoxide und Fahrverbote. Sie moniert auch die Platzierung der Messstationen und den verengten Blick auf den Verkehr. Wer glaubt, nun könnten endlich alle Belastungen für die Autofahrer abgeschüttelt werden, irrt. Denn auch die Akademie sagt: Luftverschmutzung ist der wichtigste Umweltfaktor, der zu Erkrankungen und zur Verkürzung der Lebenszeit beiträgt. Das heißt: Man muss weiterhin an vielen Stellschrauben drehen – und das mit langem Atem.

Simmank hat allerdings nur recht, was Köhler angeht.

Zum Streiten waren die drei Professoren der Leopoldina, der Nationalen Akademie der Wissenschaften, nicht zur Bundespressekonferenz gekommen. Auch eine öffentliche Bloßstellung des Lungenfacharztes Dieter Köhler gab es nicht. Ihn kann man als Auslöser für das von der Bundeskanzlerin in Auftrag gegebene Gutachten zu Luftschadstoffen bezeichnen, das die drei Experten nun präsentierten. Alle, die gern weitergestritten hätten, mag das ärgern. Alle, die sich gern auf dem sicheren Boden wissenschaftlicher Erkenntnisse bewegen, dürfen sich freuen. Denn endlich, so darf man zumindest hoffen, kommt mit dem Gutachten der Leopoldina wieder Wissenschaftlichkeit und Menschenverstand in eine Debatte, die gehörig entgleist ist.

Die Autoren der 6000 Toten dürften sich nicht darüber freuen, wenn nun in dem Gutachten steht, dass eine Verschärfung der NO2-Grenzwerte “aus wissenschaftlicher Sicht nicht vordringlich” sei.
Schön jedenfalls der Appell zu einer nachhaltigen Verkehrswende!

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026

Die Osterbotschaft 2019

Die Osterbotschaft in diesem Jahr kommt von Christian Nürnberger und steht in der ZEIT: Was wenn Jesus wieder kommt? Ein grossartiger Text

Die bloße Einhaltung von Gesetzen ändert diese Welt im Prinzip nicht. Das Leben wird zwar durch Rechtsstaatlichkeit erträglicher, und das soll man nicht gering schätzen, aber es wird nicht so prinzipiell anders, wie sich das dieser jüdische Gott mit seinem Volk vorgestellt hatte. Er wollte ja eigentlich, dass die Menschen ohne Polizei, Richter und Gefängnisse miteinander auskommen. Warum es nicht gelang, hatte Jesus erkannt. Darum sagte er: Schau in dein eigenes Herz.
Wer das tut, hat drei Möglichkeiten. Erstens: wegsehen, nicht wahrhaben wollen, verdrängen, vergessen und sich lieber über die Abgründe der anderen erregen – die normale Reaktion. Zweitens: versuchen, Macht über die eigenen Abgründe zu erlangen, ein Heiliger zu werden – die Reaktion des religiös Eitlen, des Mönchs, der den drei Teufeln Geld, Sex und Macht abschwört, indem er Armut, Keuschheit, Gehorsam gelobt und am Ende doch der Versuchung erliegt. Dritte Möglichkeit: Reue, Scham, Demut, Bitte um Vergebung, Annahme der Vergebung – die Reaktion des Zöllners und all derer, die verstanden haben, worum es Jesus ging.

Schau in Dein eigens Herz! Heribert Prantl in der SZ kann sich auch  nicht mit dem Wegschauen abfinden.

Fern ist das Jahr 2015, als das Foto der angespülten Leiche des kleinen Aylan Kurdi um die Welt ging. Staatliche Rettungsaktionen gibt es nicht mehr. Private Rettungsaktionen auch kaum noch, weil die Seenotrettung der Hilfsorganisationen von der Politik behindert und verleumdet wird. Und Handelsschiffe, die Flüchtlinge aufnehmen, werden von den Behörden so schikaniert, dass sie das nicht mehr tun.
Die Klage des Jona ist die Klage vieler Tausend Menschen, die das Meer verschlungen hat, weil niemand hilft; weil die Schiffe an den ertrinkenden Flüchtlingen vorbeifahren; weil die Flugzeuge über sie hinwegfliegen; weil Leute wie der italienische Innenminister Salvini der Meinung sind, Menschenopfer müssten sein, um die “Flüchtlingswelle” zu beruhigen. Christliche Politiker haben nicht widersprochen; sie haben keine “Allianz der Hilfsbereiten” gebildet. Europa hat die Flüchtlinge verurteilt: zur Internierung in Lagern oder zum Tod durch Ertrinken.

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026

Der Sinn von Wissenschaft

In einem alten brand eins Heft (5/2017) fand ich heute morgen einen kurzen Essay von Otfried Höffe zu der Frage “Was ist der Sinn des Menschen?”

Mit der Spezies Mensch entstand an einer winzigen Stelle des Universums aus der Natur ein Wesen, das die Natur zugleich weit überragt: mit seiner Intelligenz, seinen sozialen, emotionalen und künstlerischen Begabungen und vor allem mit seiner Fähigkeit, sich selbst Ziele und Zwecke zu setzen und Mittel und Wege zu entwickeln, um diese schließlich zu erreichen.
Im Laufe seiner Geschichte bereichert der Mensch den Reichtum der Natur um eine ohne ihn unvorstellbare Fülle an Technik, Wissenschaft und Medizin, um Formen des Zusammenlebens, um Musik, Literatur und Kunst samt Architektur, um Recht, Gerechtigkeit und Solidarität, auch Religion.
Allerdings verfügt auch nur der Mensch über jenes Übermaß an Machtgier, Grausamkeit und Zerstörungskraft, die sowohl Mitmenschen als auch die Natur grenzenlos unterwirft und ausbeutet. Denn als ein Freiheitswesen ist der Mensch sowohl zum Guten als auch zum Bösen fähig. Weil der Mensch mit seinem Zerstörungspotenzial das eigene langfristige Wohl aufs Spiel setzt, muss diesem Wahnsinn Einhalt geboten werden.
Die Freiheit ist die herausragende Eigenschaft des Menschen. Die Vollendung der Freiheit ist die Moral. Sie verlangt, dass die eigene Person und die soziale Welt uneingeschränkt guten Gesetzen unterworfen und alle Kreativität in den Dienst von Gerechtigkeit und Humanität gestellt werden müssen.
Wofür also gibt es die Spezies Mensch? Sie existiert, damit die Natur sich in einem Wesen vollendet, das mehr als bloße Natur, nämlich ein Freiheitswesen ist. Das deshalb für sich selbst und die Mitmenschen, aber auch für die subhumane Natur Verantwortung Versagens zu verringern, braucht das Freiheitswesen Mensch Erziehung und für das Zusammenleben eine von Gerechtigkeit bestimmte Rechtsordnung.

Man braucht also keine schweren Bücher, 5 kurze Absätze reichen für einen Text, den  jeder unterschreiben kann.

Interessant in dem Zusammenhang auch die Gegenüberstellung zu der Apologetik Benedikts von dieser Woche in der das Gute und Böse genauso zentral ist. Der Glaube an Sinn ist auch für die Wissenschaft Antrieb, denn was sollte man mit sinnlosen Vorgängen anfangen?

…. Dann können wir sagen: Das erste grundlegende Geschenk, das uns der Glaube darbietet, besteht in der Gewißheit, daß Gott existiert. Eine Welt ohne Gott kann nur eine Welt ohne Sinn sein. Denn woher kommt dann alles, was ist? Jedenfalls hat es keinen geistigen Grund. Es ist irgendwie einfach da und hat dann weder irgendein Ziel noch irgendeinen Sinn. Es gibt dann keine Maßstäbe des Guten oder des Bösen. Dann kann sich nur durchsetzen, was stärker ist als das andere. Die Macht ist dann das einzige Prinzip. Wahrheit zählt nicht, es gibt sie eigentlich nicht. Nur wenn die Dinge einen geistigen Grund haben, gewollt und gedacht sind – nur wenn es einen Schöpfergott gibt, der gut ist und das Gute will – kann auch das Leben des Menschen Sinn haben.

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026

IL33, allergy and helminths: Shot in the leg?

Ever since our NEJM paper in 2010 that showed an IL33/ST2 association there are new studies on IL33.

Grotenboer 2013 did a functional annotation of the gene and it’s receptor in humans while there is no more doubt about the involvement of IL33 in human allergy.  Right now IL33 suppression is already used as an experimental screening test for allergic reactivity with ongoing phase II studies of anti-IL33 or anti ST2. Good IL33 reviews can be found for example in frontiers in immunology by Tataori et al. or in nature immunology by Smith.

These reviews do not tell you so much about the regulation while regulation has recently elucidated by Gour et al. who describe a tropomyosin–dectin-1 interaction of the human host. Why is tropomyosin such a frequent target of human IgE?

Muscle protein tropomyosin is an important IgE target in a number of nematode infections; Onchocerca volvulus ; Ascaris lumbricoides; Anisakis simplex; and tropomyosin from the blood fluke Schistosoma mansoni is also a human IgE antigen. Tropomyosin is highly conserved across many invertebrates and is responsible for much of the IgE cross-reactivity between Ascaris and dust-mites.

I haven’t found any good  answer to this question. As tropomyosin affects contractility – this seems like “shooting into the leg” of worms whenever they attempt to invade.

Maybe Gour et al. did not know the earlier dissertation from Berlin that already showed a reduced inflammation in the OVA mouse model by administration of recombinant tropomyosin.

The broad cross reactivity to tropomyosin gives rise to the question if helminth tropomyosin could induce allergic reactions to itself and/or tropomyosin of different organisms. Considering the fact that filarial nematodes express tropomyosin on their surface […] and that the continuing turnover of microfilariae confronts the host with relevant amounts of tropomyosin makes this question even more appropriate.

Worms seems to be attacked by anti-worm-surface-tropomyosin IgE whenever the worm tries to invade  the epithelium during an acute infection. During invasion extracellular IL33 is cleaved into a shorter form with enhanced activity attracting more immune cells.
During chronic infestation nothing happens as long as the worm does not invade and doesn’t trigger any IL33 alarmin. As there is continuous tropomyosin antigen antigen contact, the host is slowly desensitzed, clearing IgE in favor of IgG4.

Is this also a model that explains allergy? We don’t know the details but maybe this antigen recognition / response system is being disturbed where allergens like Der p1 mimicking a worm infection by tropomyosin can trigger the allergic reaction in particular as Der p1 a cysteine protease also mimicks an invasion signal.

23.12.2019 Addendum

Parasite tropomyosin ist detected in in 55%-62% of patients (cockroach tropomyosin rPer a 7, Ascaris tropomyosin rAsc l 3).

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026

RCT No4 shows vitamin D supplement as allergy risk

I nearly forgot in my recent list of RCTs  to mention the new study of Jenni Rosendahl who compared high-dose to low-dose vitamin D supplementation effects.

The Vitamin D Intervention in Infants (VIDI) study was a randomized controlled 24-month trial of daily 400 IU or 1200IU vitamin D supplementation administered to healthy infants that evaluated the effect of vitamin D supplementation on bone health and infections.

table III

I would say sensitization against one of the most common allergen in this age group happens already in the low dose group while the higher dose leads to a further 2.2fold increased disease risk.

Would be really  important to have any unexposed control group here.

 

CC-BY-NC Science Surf accessed 20.01.2026