Dr. med. Peter Deinlein. Geboren 1976 in Bayreuth, aufgewachsen in Kemnath, Wehrdienst in Feldkirchen, Studium in Erlangen ab 1997, 2005 promoviert.
Die Doktorarbeit ist auf Mikrofiche verfĂŒgbar, was man in der Vergangenheit oft machte, um bei belanglosen “Titelarbeiten” das Papier einzusparen. Die Zusammenfassung ist in einer deutschen Zeitschrift erschienen, geschĂ€tzter Zeitaufwand damals 4-6 Wochen, heute ca . 1-2 Wochen. Leider basiert die Veröffentlichung auf einem Zirkelschluss, denn wenn eine Hochrisikogruppe ĂŒber LymphgefaÌĂeinbruch eines Tumors definiert wird und dann gezeigt wird, dass es just in dieser Gruppe mehr Metastasen gibt, dann ist das doch irgendwie trivial.
Wo die am Ende angesprochene “eigene, noch nicht publizierten Studie” wohl blieb? Hat sie sein Doktorvater Michael Vieth ohne ihn verwertet? Oder war sie schlicht zu uninteressant? Es eine Statistik ĂŒber 218 koloraktale Karzinome, die in Bayreuth 1987-2000 diagnostiziert wurden. Die bevorzugte Darstellung sind schraffierte! 3-D! Balkendiagramme (Abbildungen 12-23). Wie das nicht kategorisierte Alter oder die nicht kategorisierte Karzinomgrösse auf Lymphknotenmetastasen im Chiquadrat Test ausgewertet wurde (S.45) bleibt schleierhaft, ebenso die grenzwertig positiven Ergebnisse der multivariaten Analyse (ohne Geschlecht im Modell, ohne Ă SchĂ€tzer, nur das Intervall ist angegeben). Nirgendwo findet sich auch die AUC, die Arbeit hĂ€tte vielleicht doch jemand Korrektur lesen sollen.
Leider stimmt in der Veröffentlichung dann aber der erste Eintrag in der Tabelle des “Pathologen” nicht, Christie et al 1984 hatte 83 FĂ€lle, nicht wie angegeben 101. Bei Morson 1984 stimmen zwar die 60 FĂ€lle, aber nicht die 0 bei den Metastasen. Coverlizza 1989 hatte 8 statt 5 Metastasen. Völlig unklar ist auch, warum die Tabellen in Dissertation und Veröffentlichung nicht ĂŒbereinstimmen? Nun ja, vergessen wir die Art von “Dissertationen”.

Auf das Studium folgt eine kurze Weiterbildung in einem kleinen Krankenhaus, ein Jahr chirurgische Praxis und Ăbernahme der Praxis seines Vaters. Neben den ĂŒblichen Landfreundschaften (Feuerwehr, Tennisclub), GeschĂ€ftstĂŒchtigkeit (Raiffeisenbank, Architekturwettbewerb, weitere Praxis) und ĂŒblicher FunktionĂ€rslaufbahn (Bayrischer HausĂ€rzteverband, Bezirksdelegierter Oberpfalz) ist nicht viel online heraus zu finden.
Die Beziehungen zur Politik sind gut, sogar sehr gut, der Tirschenreuther Landrat Wolfgang Lippert kommt Mitte Juni 2019 in seine Praxis. Dr. Deinlein nutzt die Gelegenheit, eine Professur fĂŒr Allgemeinmedizin zu fordern
Es ist … fuÌr die gesamte Oberpfalz bedauerlich, dass die UniversitaÌt Regensburg als einzige Hochschule mit medizinischer FakultaÌt in ganz Bayern noch keinen Lehrstuhl fuÌr Allgemeinmedizin hat oder plant. DaruÌber hinaus muÌssen wir aber auch in unserem Landkreis aktiver werden und jungen Medizinern in unseren Kliniken und Praxen eine hervorragende Aus- und Weiterbildung bieten, um diese so fuÌr unsere Region zu begeistern.
Dann kommt Corona. Und alles geht schief. Damit wĂ€hrend der aktuellen Lage auch die ambulante Arztversorgung im aktuellen Katastrophenfall sichergestellt ist, wurde in Bayern ab dem 27.3. von den LandrĂ€ten sogenannte “VersorgungsĂ€rzte” eingesetzt. VersorgungsĂ€rzte sollen die Ă€rztliche Versorgung sicherstellen, SchutzausrĂŒstung zuteilen, Testzentren einrichten, Schwerpunktpraxen einrichten und die Politik beraten. Und Landrat Lippert wĂ€hlt Deinlein. Der/die LokalreporterIn stellt dann auch gleich die richtige Frage, ob Deinlein die öffentliche Kritik an der EinfĂŒhrung des Versorgungsarztes verstehen kann, die ja eine Entmachtung der kassenĂ€rztlichen Vereinigung und des Gesundheitsamtes bedeutet?
Ich verstehe, dass jede Körperschaft das Heft des Handelns selbst in der Hand haben möchte. Doch das Krisenmanagement der Bayerischen Staatsregierung ist absolut richtig und die einzelnen BeschlĂŒsse hĂ€tten keinen Tag spĂ€ter kommen dĂŒrfen. Die kritische Lage, in der sich unser Landkreis jetzt befindet, kann man nicht zentral steuern. Sie muss tĂ€glich vor Ort neu bewertet werden. Es liegen zu viele bĂŒrokratische HĂŒrden zwischen Berlin und Tirschenreuth und selbst der Weg von MĂŒnchen nach Tirschenreuth ist lang … Das persönliche GesprĂ€ch und der “kurze Dienstweg” sind unsere StĂ€rke … Ich habe den Kollegen die Entscheidung abgenommen und fĂŒr den gesamten Landkreis sieben regionale Sprecher festgelegt.
Das ist nun die zweite bemerkenswerte Tatsache, dass hier ein Arzt ohne besonderer Ausbildung in Infektionskrankheiten oder Epidemiologie weitreichende Entscheidungen trifft. Leider hat dann Tirschenreuth die meisten TodesfÀlle in Deutschland. Deinlein ist damit auch der Arzt, der es in die ZEIT Reportage von Luisa Hommerich schafft.
Der Versorgungsarzt von Tirschenreuth moÌchte nicht, dass aus dem einstuÌndigen Telefonat mit ihm zitiert wird. Nach dem GespraÌch schickt er eine E-Mail an einen Verteiler mit AÌrzten aus dem Landkreis: Er droht allen, die die ZEIT bei der Spurensuche unterstuÌtzen, sie der AÌrztekammer zu melden. Diese Fragen sollten “intern aufgearbeitet und geklaÌrt werden”. Es bringe nichts, solche Angelegenheiten nach auĂen zu tragen - “aber so dumm sind die OberpfaÌlzer nicht, wir halten zusammen und klaÌren intern auf “.
Seine Reaktion auf den ZEIT Artikel muss man zwei Mal lesen:
AuĂerdem habe Hommerich ihn gebeten, ihre Nummer an Covid-Patienten weiterzureichen, um so an GespraÌchspartner zu kommen. “Ich hatte Bedenken, dass dies eventuell gegen die aÌrztliche Berufsordnung verstoĂen koÌnnte.” Deshalb habe er seine Kollegen darauf hingewiesen. Inzwischen habe er herausgefunden, dass es kein VerstoĂ ist, wenn man die Nummer einer Journalistin an Patienten weitergibt..
Ein VerstoĂ gegen die Berufsordnung? Der ehemalige Mitterteicher BĂŒrgermeister (wir kennen ihn von dem Starkbierfest) und jetzige Landrat Grillmeier, springt Deinlein bei, nicht ganz uneigennĂŒtzig:
Der Journalistin sei es um Schuldzuweisungen gegangen, sagt Grillmeier, der bis Mai BĂŒrgermeister in der besonders betroffenen Stadt Mitterteich gewesen war. Dabei lasse sich nicht sicher sagen, weshalb der Landstrich so hart getroffen wurde. “Auch dieser Artikel wiederholt doch nur bekannte Spekulationen.” Und die Frage, weshalb ein so hoher Anteil der positiv getesteten auch verstorben sei, könne der Beitrag gar nicht erklĂ€ren.
Lehrbuch der Rhetorik-Tricks: erst kommt die Unterstellung (sogenannte “moralische Argument”), dann stellt er sich dumm (“Argument aus Nichtwissen”) bevor dann endlich das Strohmann-Argument folgt (“angeblich hohe IFR”).
Wie die Arbeit von Deinlein einzuschĂ€tzen ist, steht auch auf S.23 des RKI Berichtes, wie Mitarbeiter des Heim 3 die Infektion einschleppen und damit die TodesfĂ€lle verursachen. S.19 des RKI Berichtes zeigt die chaotische Strategie des Versorgungsarztes, dem Schutzkleidung und Testmaterial ausgehen und nicht mal mehr in den Pflegeheimen getestet werden kann. DafĂŒr werden aber “Sonderarbeitsgenehmigungen fĂŒr symptomloses Personal” ohne Testergebnis ausgestellt.
Heim 3 war dabei das erste betroffene Heim. Der erste COVID-19 Fall unter den Mitarbeitenden dieses Heimes wurde am 16. MĂ€rz getestet und am 19.3.2020 gemeldet. Symptombeginn war am 8.3.2020 … Auf Grund der milden respiratorischen Symptomatik arbeitete der Fall noch bis zum 16.3.2020 in der Einrichtung.
Nach dem RKI Bericht hat man die Patienten nicht mal mehr in die Klinik in Weiden gebracht, da sie bis zur KapazitÀtsgrenze belegt war (und hat nicht Bayern sogar Patienten aus Italien eingeflogen?)
Ein dubioser Möchtegernprofessor mit dubioser Promotion, dem das Testmaterial ausgeht. Ărzte, die eine meldepflichtige Krankheit nicht melden und eine Praxis, die ihre Patientinnen infiziert. Ein Landrat, der einBierfest nicht absagt und dann auch noch zur Datenherausgabe verklagt werden muss, ein ĂŒberfordertes Gesundheitsamt, dem auch mit zusĂ€tzlichem Personal nicht zu helfen ist wie vorgeschrieben zu melden, eine Klinik, in die nicht mehr eingewiesen werden kann, ein Staatsanwalt, der die Infektionskette leugnet, RKI Experten, die auch nicht die Quellen identifizieren – langsam wird klar “weshalb der Landstrich so hart getroffen wurde”.
Es gibt viele andere Kommunen in Bayern, die mit derselben Ausgangslage konfrontiert wurden. Es ist aber kein Zufall, daĂ in Tirschenreuth so viele Menschen gestorben sind.
Nachtrag 21.10.2022
Der geschĂ€ftstĂŒchtige Allgemeinarzt hat wieder zugeschlagen diesmal mit dem “Projekt: Die innovative Hausarztschmiede“.
Inzwischen ist der Förderbescheid des Bayerischen Gesundheitsministeriums eingetroffen. 50 Prozent der 240.000 Euro Kosten in den kommenden drei Jahren werden vom Freistaat getragen. Ziel der Hausarztschmiede ist es, die Ă€rztliche Grundversorgung sicherzustellen. Schon jetzt gĂ€be es zum Beispiel im östlichen Teil des Landkreises eine Unterversorgung bei den KinderĂ€rzten, so Dr. Deinlein. Beinahe 50 Prozent der Ărzte sind zudem ĂŒber 60 Jahre alt. In den kommenden sechs Monaten soll die Situation sondiert und eine Bestandsaufnahme durchgefĂŒhrt werden. AnschlieĂend geht es an die Umsetzung der Projekte. Arztpraxen sollen zum Beispiel Lehrpraxen werden. Die Gesundheitsökonomin Laura Ott soll dafĂŒr Studenten gewinnen.
und ja, Dr. med. Peter Deinlein macht jetzt auch Werbung fĂŒr Fahrrad Flickzeug.
"FĂŒr mich ist das Wheelie Wrench Pro ein gut durchdachtes, sehr kompaktes, leichtes Multitool fĂŒr sĂ€mtliche Abenteuer auf dem Gravelbike", sagt Peter nach seinem Test.
CC-BY-NC Science Surf , accessed 23.08.2026