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Was ist eigentlich Meinung, was ist Tatsachenbehauptung?

Volker Kitz erklärt den Unterschied

Was ist eine Meinung? Eine Meinung gibt ein persönliches Werturteil wieder. Das wesentliche Merkmal der Meinung ist: Sie kann nicht “richtig” oder “falsch” sein, man kann sie nicht überprüfen. Das unterscheidet die Meinung von der Tatsachenbehauptung. Sage ich: “Mein Nachbar prügelt seinen Hund”, lässt sich diese Äußerung überprüfen, ist also eine Tatsachenbehauptung. Sage ich hingegen: “Der Lebenswandel meines Nachbarn ist inakzeptabel”, lässt sich das nicht überprüfen. Andere können das anders sehen. Es ist eine Meinungsäußerung.

Das ganze ist deshalb so schwierig weil zuweilen Meinung und Tatsachenäußerung direkt in einander übergehen. Über eine Tatsachenbehauptung lässt sich manchmal sehr einfach auch eine Meinung transportieren.

Tucholskis “Soldaten sind Mörder” beinhaltet die Tatsache, dass Soldaten unter bestimmten Voraussetzungen andere Menschen töten (die Aussage ist also durch Art. 5 Abs. 1 GG gedeckt …).
Allerdings muss die Tatsache an sich stimmen. Mit unwahren Aussagen kann man sich nicht auf Meinungsfreiheit berufen.

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 04.08.2026

Vorbildlicher Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten

Mittlerweile gibt es Checklisten, wie wissenschaftliches Fehlverhalten schon frühzeitig beim Review erkannt werden kann. Wie gehen Institutionen aber mit bereits zurückliegendem Fehlverhalten um? Allgemeine Richtlinien gibt es bei der DFG, aber wie sieht das Vorgehen praktisch aus? An einem Leibnitz Zentrum ist in mühsamer persönlicher Erfahrung ein Leitfaden entwickelt worden, der anderen Universitäten und Forschungseinrichtungen eine Hilfe sein kann [link]. Er bestätigt unter anderem, dass es um so schwieriger ist, Fehlverhalten zu ahnden, je höher in der Hierarchie jemand bereits aufgestiegen ist. Stefan Ehlers:

Die Ahndung wissenschaftlichen Fehlverhaltens bei unbefristet angestellten Gruppenleiter/innen oder gar Beamt/innen erfolgt häufig jedoch durch "Rügen" oder "Abmahnungen" oder Geldbußen unterschiedlicher Höhe. Dies ist zwar dem derzeitigen Vertragsrecht bzw. Beamtenrecht geschuldet: bei letzterem sind für eine Enthebung aus dem Amt quasi strafrechtlich relevante Tatbestände Voraussetzung (und hierbei handelt es sich bei wissenschaftlichen Fehlverhalten ohne unmittelbar bezifferbaren wirtschaftlichen Schaden meist nicht).

Das stimmt obwohl es erste Anzeichen gibt daß sich das ändern wird.

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 04.08.2026

Performance Paradox durch den “perversen Lerneffekt”

Das "Performance Paradox" wird in der Literatur unterschiedlich definiert: Zum Einen als Phänomen, daß Organisationen die Kontrolle über etwas haben, das sie nicht genau kennen. In einem Sammelband der Leopoldina hingegen ist das die Tendenz aller Leistungskriterien, mit der Zeit ihre Relevanz zu verlieren. So Margit Osterloh (S.104) zu dem “perversen Lerneffekt”, der sich bei dem Impaktfaktor eingestellt hat:

Dieser tritt dann auf, wenn man den Fokus auf den Leistungsindikator legt und nicht auf das, was er messen soll: "When a measure becomes a target, it ceases to be a good measure." Menschen sind besonders kreativ, wenn es darum geht, bei Kennzahlen gut abzuschneiden, ohne die tatsächlich relevante Leistung zu erhöhen.

Nachdem ich bei Kollegen schon CVs gesehen habe, die über 1.000 eigene Artikel aufzählen (aber keine nennenswerte Preise bekommen haben), dann hat Osterloh recht, wenn ich diese Pseudoleistung mit dem phänomenalen Arthur Kornberg vergleiche, von dem ich gerade die Biographie lese und der quantitativ nicht annähernd so viel publiziert hat.
Osterloh kann jedenfalls auch recht gut erklären, warum der Betrug immer häufiger wird.

Wenn die intrinsische durch eine extrinsische Motivation verdrängt worden ist, werden auch noch Manipulationsversuche wahrscheinlicher.

“Gaming the System”: Ich glaube langsam, das ist der grösste Umbruch in der Wissenschaft in den letzten 50 Jahren. Mit der Vervielfachung der mittel- und unterklassigen Forschung plus Performance Paradox ist der Nettoertrag wissenschaftlichen Fortschritts kaum gestiegen, auch wenn das zig-fache Finanzvolumen in die Forschung fliesst.
Osterloh beschreibt Forschung als systemisches “Marktversagen”, denn Forschung ist dadurch gekennzeichnet

dass sie öffentliche Güter erzeugt, die durch Nichtausschließbarkeit und Nichtrivalität im Konsum charakterisiert sind, weshalb der Markt hier nicht funktioniert.

Weil mit der inhärenten Unsicherheit primärer Forschungsergebnisse niemand weiss, ob es stimmt, was ich gerade schreibe, kann ich mich selbst mit gefakten Veröffentlichungen längere Zeit am “Markt” halten. Ein möglicher Nutzen stellt sich sowieso nur spät ein und mit vielen Ko-Autoren ist eine Leistungsmessung fast unmöglich.

Gibt es Alternativen? Sicher, ab S. 109:

Boykott der Indikatoren.

Und zurück zur Gelehrtenrepublik (das ist auch kein Widerspruch zur Bildung für alle).

Hat man dieses "Eintrittsticket" in die "Gelehrtenrepublik" aufgrund einer rigorosen Prüfung erworben, dann kann und sollte weitgehende Autonomie gewährt werden. Dies sollte eine angemessene Grundausstattung einschließen, welche es den Forschenden freistellt, sich am Wettlauf um Drittmittel zu beteiligen oder nicht.

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 04.08.2026

Kriterien nachhaltiger Wissenschaft

Im letzten CCC Vortrag über Deep Learning war auch ein interessantes Slide zu sehen, das wissenschaftliche Nachhaltigkeit auf sechs Kriterien basiert

  • Relevanz
  • Wiederholbarkeit/Replikation
  • Wiederverwendbarkeit/Ressourcenteilung
  • Konkurrenzfähigkeit
  • Systematik
  • Aussagekraft

Das Thema nachhaltige Wissenschaft scheint mehr aus dem Bereich Klima und Umwelt zu stammen, geht aber weit darüber hinaus vor allem wenn sich die Nachhaltigkeit auf die Wissenschaft selbst bezieht, Wissenschaft also gleichzeitig Subjekt und Objekt ist. Continue reading Kriterien nachhaltiger Wissenschaft

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 04.08.2026

Prost Neujahr

 

Ist es nicht tragisch, wenn das nicht mehr selbstverständlich ist?

Irgendwie sieht Pubmed mit dem Pubpeer Plugin doch viel intelligenter aus.

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 04.08.2026

Ich gehöre zu den 96%

Axel Bojanowski “Journalisten im Klimakrieg” zitiert Stephan Russ-Mohl “Immer dieselben Wissenschaftler am Mikrofon”, der wiederum Mike Schäfer zitiert

Seinen Zählungen zufolge sind es immer dieselben wenigen Wissenschaftler, die in den Massenmedien vorkommen. Die überwältigende Mehrheit der Professoren, rund 96 Prozent, erhält so gut wie keine Medienaufmerksamkeit. Ihre Abwesenheit sorgt für Verzerrung, denn in die Öffentlichkeit drängen nicht unbedingt jene Gelehrten mit ausgleichendem Gemüt. Vielmehr sind es häufig Forscher mit Sendungsbewusstsein oder Karriereinstinkt, die mit starken Thesen den journalistischen Opportunismus füttern.

Audiatur et altera pars?

Moralisierung wissenschaftlicher Konflikte bietet den Vorteil, dass sie die Auseinandersetzung erspart - mit dem Bösen redet man nicht, über das Gute lässt sich nicht verhandeln. Soziologen sprechen von der “Noble Cause Corruption”, wenn für die Überzeugung von als wichtig empfundenen Zielen Dinge verschwiegen werden, die die eigene Argumentation schwächen könnten.

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 04.08.2026

Gegen wen richtet sich der Zorn in der Klimadiskussion?

Jem Bendell hat einen interessanten Aufsatz vor einer Woche veröffentlicht, in dem er dieser Frage nach geht. Die Menschen haben mitterweile so unglaublich viel auf der Erde zerstört. Der Ärger ist, so Bendell, verständlich. Aber wer ist nun dafür verantwortlich? Eine einzelne Person ist es ja eher nicht, eher eine Gruppe von Personen. Und selbst da ist die Antwort unmöglich. Ist es das Management der Ölfirmen? Oder die Aktienkäufer dieser Firmen? Oder die private Rentenversicherung, die über Fonds an Aktien beteiligt ist? Oder bin ich es, der eine private Rentenversicherung bezahlt?
Wir sind alle in einem System der Zerstörung mit eingebunden, auch wenn wir versuchen, einen nachhaltigen Lebensstil zu praktizieren. Gegen wen richtet sich eigentlich der Ärger in der Klimadiskussion? So viel Streit war nie, sagte der Bundespräsident in seiner Weihnachtsansprache.

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 04.08.2026

Unbelehrbar? (6000 Tote exhumiert XXXIV)

Nachdem sich das Thema “6000 Tote” eigentlich durch das Leopoldina Gutachten 2019 erledigt hat

Weitere gesundheitliche Risiken, die mit einer chronischen Belastung gegenüber Stickstoffdioxid in Verbindung gebracht werden, sind eine erhöhte Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen … Auch hier gibt es … keine gesicherte Kausalität, weil es bisher nur wenige Studien zur Toxikologie von Stickstoffdioxid gibt, welche die biologischen Wirkungsweisen erklären würden.

bestehen die Verursacher der NO2 Diskussion in einem neuen Artikel mit “neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen aus 2013” weiter auf dem Fakt

Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen jedoch Effekte unterhalb des im Jahre 2005 festgelegten Richtwerts, sodass im Auftrag der Europäischen Union im Jahr 2013 eine Neubewertung der Evidenzlage vorgenommen wurde. Speziell für Stickstoffdioxid wurden dabei Gesundheitseffekte oberhalb eines Schwellenwerts von 20 μg/m3 als gesichert angesehen. Maßgeblich war hierfür eine Meta-Analyse von mehr als 15 Langzeitstudien zu Stickstoffdioxid, die einen Anstieg des Mortalitätsrisikos um 5 % pro 10 μg/m3 NO2 ergab.

Kaum zu glauben (wenn man sich an XX erinnert) wie skurill die Kollinearitätsdiksussion hier geführt wird: Feinstaub ist gleichmäßig verteilt, im Gegensatz zu NO2.

Daraus resultiert eine Korrelation der Expositionen von deutlich unter 1, was eine teilweise Isolierung der Effekte ermöglicht. Multizentrische Kohortenstudien mit verschiedensten Schadstoffzusammensetzungen (Gemischen) und -konzentrationen erlauben die Trennung von Schadstoffeffekten.

Die grössere Streuung der NO2 Werte in den einzelnen Standorten hängt also hier plötzlich nicht von dem Aufstellungsorten ab, sondern gibt die individuelle Belastung an? Und die “Korrelation unter 1” erlaubt eine statistische “Isolierung der Effekte”? Als wollte man ein Gemisch von Proteinen mit gleichem Molekulargewicht im Polyacrylamid-Gel trennen. Kann man beliebig oft wiederholen, andere Spannung nehmen oder auch anders färben und geht trotzdem nicht.

Disclaimer. Natürlich ist der Schlussfolgerung des DÄ Artikels zustimmen, was die Auswirkung von Luftschadstoffe sind. Allerdings nicht wegen der Aussagen zu NO2 sondern zu den PM.

Eine weitere Absenkung der Luftschadstoffgrenzwerte ist daher nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht, sondern auch aus der ethischen Verpflichtung zum Schutz der Bevölkerung notwendig. Darüber hinaus kommt es bei den meisten Maßnahmen zur Reduktion der Luftverschmutzung auch zu erheblichem Zusatznutzen im Bereich des Klimaschutzes…

Postscriptum. Ist das nicht ein Selbstplagiat mit 11% wörtlicher Übereinstimmung zu einem früheren Positionspapier?

https://copyleaks.com Textvergleich “Die Rolle der Luftschadstoffe für die Gesundheit – Expertise der ISEE ERS_R1.pdf” und “m881.pdf” zeigt 11% identische Übereinstimmung.

10% ist die bisher gültige Grenze

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 04.08.2026

Link out symbol

I have been looking for a wikipedia-style link out symbol (wikipedia uses a svg symbol). Some websites recommend font awesome symbol /f08e others are in favor of the north east arrow #x2197; while I modfied now a code pen by thiago for the css of this wordpress child theme

  a:not([href*='wjst.de'])::after {
    content: url(data:image/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAAAoAAAAKCAYAAACNMs+9AAAAQElEQVR42qXKwQkAIAxDUUdxtO6/RBQkQZvSi8I/pL4BoGw/XPkh4XigPmsUgh0626AjRsgxHTkUThsG2T/sIlzdTsp52kSS1wAAAABJRU5ErkJggg==);
    margin: 0 3px 0 5px;
  }

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 04.08.2026

Blaming genes for resistance to environmental stressors

This something that I always avoided in human research – blaming genes for resistance to environmental stressors.

Nevertheless a Californian group (https://doi.org/10.1371/journal.pgen.1008528) now tested 101 mouse strains for lung resistance with exposure to diesel exhaust particles (DEP). After sensitizing the animals with dust mite and aluminium they could also test metacholine hyperreactivity (AHR).

Strains that exhibited the highest lung resistance after control exposure were not necessarily the same as those with high lung resistance after DEP exposure. It is unclear which strain was used for the consecutive GWAS. Did they put all mice into one cage for that?

The metacholine AHR GWAS results are not very impressive. And there seem to be also errors, as for example the lead SNP on chr 19 (rs51547574, near IL33) is shown with different allele frequencies in text and Fig 2. As the expression quantitative trait locus (eQTL) for Il33 is not in the lung, I think there is nothing to memorize here – IL33 is just a gatekeeper for surface integrity.

In a next step I wouldhave expected a GWAS for resistance change after DEP but FIG 3 only gives the result of Δ AHRDEP-AHRPBS data at an abitrary methacholine dose of 10mg/ml. The identifed locus could be interesting but as the LD there is rather high without any corresponding eQTL (I always wondered why there has never been a significance threshold for LD blocks, only for isolated SNPs?), the logic of the paper is broken here. Induction of lung resistance by DEP was significantly blunted in Dapp1-/- female mice? What about male Gm5105-/- , Mttp-/- , and Lamtor3-/- animals?

Hopefully nobody else will now try to find diesel, ozone, NOx resistance genes in humans as this is not a a scientific but a political issue…

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 04.08.2026

Die Korrelationsmanie

Materialsammlung bioinformatics / big data / deep learning / AI

 

Passend dazu auch der CCC Vortrag Nadja Geisler / Benjamin Hättasch am 28.12.2019

Deep Learning ist von einem Dead End zur ultimativen Lösung aller Machine Learning Probleme geworden. Die Sinnhaftigkeit und die Qualität der Lösung scheinen dabei jedoch immer mehr vom Buzzword Bingo verschluckt zu werden.
Ist es sinnvoll, weiterhin auf alle Probleme Deep Learning zu werfen? Wie gut ist sind diese Ansätze wirklich? Was könnte alles passieren, wenn wir so weiter machen? Und können diese Ansätze uns helfen, nachhaltiger zu leben? Oder befeuern sie die Erwärmung des Planetens nur weiter?

 

Dazu der gigantische Energieverbrauch durch die Rechenleistung.

 

Wozu es führt: lauter sinnlose Korrelationen

 

https://www.technologyreview.com

Hundreds of AI tools have been built to catch covid. None of them helped.

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 04.08.2026